Region in Italien

Umbrien: Städte & Highlights

Umbrien liegt genau in der Mitte Italiens, hat keine Küste und keine Grenze nach außen und wird deshalb das grüne Herz des Landes genannt. Statt Meer gibt es Hügel, Eichenwälder, Olivenhaine und Bergstädte, die auf ihren Kuppen sitzen, als wären sie dort gewachsen.

Hier bekommst du den Überblick: welche fünf Orte sich wirklich lohnen, warum Umbrien für viele die bessere Toskana ist, was es mit den Trüffeln auf sich hat und wie du ohne Stress von Ort zu Ort kommst.

Umbrien: Städte & Highlights
Foto: Andrew Parlette, CC BY 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • HauptstadtPerugia
  • Bekannteste OrtePerugia, Assisi, Orvieto, Spoleto, Gubbio
  • UNESCO-WelterbeBasilika San Francesco und die Franziskus-Stätten in Assisi
  • BesonderheitEinzige Region auf dem Festland ohne Küste und ohne Außengrenze
  • Empfohlene Dauer4 bis 7 Tage
  • Beste ReisezeitMai, Juni, September und Oktober

Das grüne Herz Italiens

Umbrien ist kleiner und stiller als seine berühmte Nachbarin im Westen. Die Landschaft besteht aus Hügelketten, die nach Osten hin in die Apenninen übergehen, dazwischen liegen breite Talböden mit Oliven und Reben. In der Mitte spiegelt der Trasimenische See den Himmel, im Osten steigt das Land zu den Bergen um Norcia und die Hochebene von Castelluccio an, die im Frühsommer flächig blüht.

Die Städte sitzen fast alle oben. Das hat historische Gründe und einen praktischen Effekt: Du parkst unten, gehst hoch und bekommst am Ende einen Blick über halb Umbrien. Perugia und Orvieto haben dafür Rolltreppen, Aufzüge und eine Standseilbahn eingerichtet, was den Aufstieg deutlich entschärft.

Die Orte, die sich lohnen

1 Perugia

Perugia ist Hauptstadt, Universitätsstadt und mit Abstand die lebendigste Adresse der Region. Vom etruskischen Stadttor über die gotische Fontana Maggiore am Corso bis zur Nationalgalerie im Palazzo dei Priori liegt hier viel auf engem Raum. Unter der Stadt liegt die Rocca Paolina, eine Festung, in die ein ganzes Viertel eingemauert wurde, heute durchquert von Rolltreppen.

Zwei Tage sind gut angelegt, und wenn du im Sommer kommst, prüfe, ob dein Aufenthalt mit dem Jazzfestival zusammenfällt, dann ist die Stadt in Ausnahmezustand.

2 Assisi

Assisi hängt weiß am Hang des Monte Subasio und ist Pilgerziel für die halbe Welt. Die Basilika San Francesco hat zwei übereinanderliegende Kirchen und Fresken von Giotto und Cimabue, die Grabkirche liegt darunter. Das Ensemble ist UNESCO-Welterbe.

Assisi ist tagsüber voll mit Reisegruppen und abends fast leer. Wer eine Nacht bleibt, erlebt eine ganz andere Stadt. In der Basilika gelten Kleiderordnung und Fotoverbot, das wird ernst genommen.

3 Orvieto

Orvieto sitzt auf einem senkrecht abfallenden Tuffsteinblock über der Ebene und hat einen der spektakulärsten Dome Italiens: eine Fassade wie ein Goldaltar, innen die Fresken der Cappella di San Brizio. Unter der Stadt liegt ein Netz aus Kellern und Zisternen, dazu der tiefe Brunnen Pozzo di San Patrizio mit zwei ineinander verschraubten Wendeltreppen.

Orvieto ist der beste Einstieg in die Region: Der Bahnhof liegt an der Hauptlinie zwischen Rom und Florenz, eine Standseilbahn bringt dich in wenigen Minuten nach oben.

4 Spoleto

Spoleto ist zurückhaltender und für viele die Überraschung der Reise: römisches Theater, romanischer Dom mit Fresken von Filippo Lippi, darüber die Festung Rocca Albornoziana. Von dort führt die Ponte delle Torri, eine hohe Bogenbrücke über eine tiefe Schlucht, direkt in den Wald.

Im Sommer verwandelt das Festival dei Due Mondi die Stadt für einige Wochen in eine Bühne für Oper, Theater und Tanz.

5 Gubbio

Gubbio liegt abseits im Nordosten und ist die mittelalterlichste Stadt Umbriens: graue Kalksteinhäuser, steile Gassen, der wuchtige Palazzo dei Consoli über einer künstlichen Terrasse. Eine Seilbahn mit offenen Körben bringt dich hinauf zur Basilika auf dem Monte Ingino, was nichts für Menschen mit Höhenangst ist.

Jedes Jahr am 15. Mai tragen drei Mannschaften bei der Corsa dei Ceri schwere Holzaufbauten im Laufschritt durch die Stadt und den Berg hinauf, eines der ältesten Volksfeste Italiens.

Die ruhigere Toskana-Alternative

Der Vergleich mit der Toskana ist unvermeidlich und er hilft bei der Planung. Landschaftlich ähneln sich beide, Umbrien ist grüner, waldiger und hügeliger, die Toskana offener und sanfter. Der große Unterschied liegt im Andrang und im Preis: Außer in Assisi gibt es in Umbrien praktisch keinen Massentourismus, Unterkünfte und Restaurants kosten spürbar weniger, und in vielen Orten sind die Gäste am Nachbartisch Italiener.

Was Umbrien nicht hat, ist eine Stadt vom Kaliber von Florenz. Wenn dein Hauptmotiv Renaissance-Kunst in Museumsdichte ist, bist du westlich besser aufgehoben. Wenn du Hügel, Bergstädte und Ruhe suchst und dabei essen und trinken willst, ohne dafür Schlange zu stehen, ist Umbrien die klügere Wahl. Beide Regionen grenzen aneinander, ein Ort wie Cortona liegt genau dazwischen und lässt sich gut verbinden.

Trüffel, Linsen und Wein

Umbrien ist Trüffelland. Rund um Norcia im Osten wird der schwarze Trüffel gesucht, der von Winter bis Frühjahr Saison hat und deutlich günstiger ist als sein weißer Verwandter, der im Spätherbst kommt. Auf den Tisch kommt er über Strangozzi, eine dicke handgerollte Nudel, oder über ein Rührei, und mehr braucht es meistens nicht.

Norcia ist außerdem der Name für Schweinemetzgerei in ganz Italien, die Läden heißen dort Norcineria. Aus Castelluccio kommen kleine Berglinsen, aus den Hügeln kräftiges Olivenöl. Beim Wein sind der tanninstarke Sagrantino aus Montefalco und die Rotweine aus Torgiano die bekanntesten Namen, dazu der leichte weiße Orvieto.

Tipp: Kaufe Trüffel nicht als Creme im Souvenirladen an der Hauptgasse, sondern frisch in einer Norcineria oder auf einem Wochenmarkt, und lass dir zeigen, welche Sorte gerade Saison hat. Außerhalb der Saison ist frischer Trüffel entweder importiert oder alt. Ein Glas Sagrantino dazu, und du hast das Beste der Region auf einem Teller.

Beste Reisezeit

Mai, Juni, September und Oktober sind die stärksten Monate. Im Frühsommer blüht die Hochebene von Castelluccio, im Herbst laufen Weinlese, Olivenernte und Trüffelsaison an. Der Hochsommer ist heiß, aber weil die Städte hoch liegen, sind die Abende meist angenehm. Der Winter ist ruhig und feucht, in den Bergen kann Schnee liegen, dafür ist es die Zeit für schwarzen Trüffel und leere Kirchen.

Anreise und unterwegs

Mit der Bahn kommst du bequem nach Orvieto, das direkt an der Strecke Rom nach Florenz liegt. Perugia, Assisi und Spoleto erreichst du ebenfalls per Zug, allerdings mit Umstieg und weniger dichtem Takt. Der Flughafen von Perugia ist klein, für die meisten ist Rom oder Florenz der praktischere Einstieg.

Für alles zwischen den Städten brauchst du ein Auto. Busse fahren selten und richten sich nach Schulzeiten, und gerade die schönen Ecken liegen abseits. Parke immer unterhalb der Altstädte auf den ausgeschilderten Plätzen: Alle Orte haben kameraüberwachte ZTL-Zonen, in die du ohne Genehmigung nicht einfahren darfst, die Bescheide kommen Monate später per Post. Wie das funktioniert, erklärt der Überblick zu den ZTL-Zonen in Italien.

Gut zu wissen: Viele Bergstädte haben ihre Bahnhöfe unten im Tal, die Altstadt liegt Hunderte Höhenmeter darüber. In Orvieto übernimmt eine Standseilbahn, in Perugia eine kleine automatische Bahn, in Assisi und Gubbio Busse. Rechne beim Planen für den Weg vom Bahnhof nach oben jeweils 15 bis 25 Minuten ein.

Route und Basis

Eine Woche funktioniert so: Ankunft per Bahn in Orvieto, dort eine Nacht, danach Mietwagen und vier bis fünf Nächte mit einer festen Basis zwischen Perugia und Assisi, von der aus du Spoleto, Gubbio und den Trasimenischen See als Tagesausflüge einsammelst. Wer die Berge im Osten sehen will, hängt zwei Nächte in der Gegend von Norcia an. Landgasthöfe und Agriturismi sind hier deutlich günstiger als westlich der Grenze, verlangen aber oft Mindestaufenthalte.

Ehrliche Einschätzung

Umbrien ist kein Ziel für einen Wochenendtrip mit Sightseeing-Liste. Die Orte sind klein, die Wege kurvig, das Bahnnetz dünn, und ein einzelnes Weltmuseum gibt es nicht. Wer aber zum zweiten oder dritten Mal nach Italien fährt und die Erfahrung sucht, in einer mittelalterlichen Gasse allein zu stehen, bekommt hier genau das, und zwar zu Preisen, die es in der Toskana nicht mehr gibt. Nimm ein Auto, plane weniger Orte als geplant und iss dort, wo keine Speisekarte auf Englisch draußen hängt.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für Umbrien?

Vier bis sieben Tage. Mit fünf Nächten und einer festen Basis zwischen Perugia und Assisi bekommst du Orvieto, Spoleto und Gubbio als Tagesausflüge gut unter. Wer nur die Höhepunkte sehen will, schafft Assisi und Orvieto in drei Tagen. Für die Berge um Norcia und den Trasimenischen See solltest du eine zweite Woche einplanen.

Ist Umbrien besser als die Toskana?

Anders. Umbrien ist grüner, hügeliger, ruhiger und günstiger, außer in Assisi gibt es kaum Massentourismus. Dafür fehlt eine Stadt vom Rang von Florenz, und die Museen sind kleiner. Wer Renaissance-Kunst in großer Dichte sucht, ist in der Toskana besser aufgehoben. Wer Landschaft, Bergstädte und Ruhe will, in Umbrien.

Braucht man in Umbrien ein Auto?

Für alles außer Orvieto ja. Orvieto liegt direkt an der Bahnlinie zwischen Rom und Florenz, Perugia, Assisi und Spoleto sind per Zug mit Umstieg erreichbar, aber der Takt ist dünn. Die Dörfer und Weingüter dazwischen erschließt praktisch nur der Mietwagen. Denk an die ZTL-Zonen und parke immer unterhalb der Altstädte.

Wann ist Trüffelsaison in Umbrien?

Der schwarze Trüffel aus der Gegend um Norcia hat von Winter bis Frühjahr Saison und ist deutlich günstiger als der weiße, der im Spätherbst gesucht wird. Außerhalb der Saison ist frische Ware entweder importiert oder alt. Kaufe in einer Norcineria oder auf dem Markt statt im Souvenirladen und lass dir die aktuelle Sorte zeigen.

Lohnt sich Assisi auch ohne religiösen Bezug?

Ja. Die Basilika San Francesco ist vor allem wegen der Fresken von Giotto und Cimabue ein kunsthistorischer Höhepunkt, dazu kommt die Lage am Hang mit Blick über die Ebene. Komm früh oder bleib über Nacht, tagsüber ist der Ort voll mit Gruppen. In der Basilika gelten Kleiderordnung und Fotoverbot.