Auf einen Blick
- Küstenlängerund 7.500 km
- Beste BadezeitJuni und September
- Top-RegionenSardinien, Sizilien, Apulien
- StrandtypenFeinsand im Süden, Kies und Fels in Ligurien
- Kostenspiaggia libera gratis, Lido kostenpflichtig
- AnreiseFlug nach Cagliari, Olbia, Palermo oder Bari
Lido oder spiaggia libera: so funktioniert der italienische Strand
Die meisten bekannten Strände sind konzessioniert. Ein Betreiber pachtet einen Abschnitt und vermietet dort Sonnenschirm und Liegen, dazu gehören Duschen, Toiletten, oft eine Bar. Das heißt stabilimento balneare, im Alltag sagen alle Lido oder Bagno. Du zahlst pro Tag für ein Set aus Schirm und zwei Liegen, die erste Reihe kostet mehr als die hinterste. In vielen Orten kannst du morgens spontan buchen, in der Hochsaison sind die vorderen Reihen aber oft an Stammgäste vergeben.
Dazwischen liegt immer die spiaggia libera: ein frei zugänglicher Abschnitt, für den du nichts zahlst. Du brauchst dort eigenen Schirm, eigenes Handtuch und nimmst deinen Müll wieder mit. Die freien Stücke sind meistens kleiner und schlechter gelegen als die Lidi, und an Wochenenden im Juli und August sind sie ab dem späten Vormittag voll. Wer frei liegen will, ist vor neun Uhr da oder kommt nach 16 Uhr, wenn die Tagesgäste abziehen.
Eine Zwischenform ist die spiaggia libera attrezzata: freier Zugang, aber mit Duschen, Rettungsschwimmer und einem Verleih, den du nutzen kannst, aber nicht musst. An vielen Naturstränden gibt es dagegen gar nichts, keinen Schatten, keine Bar, kein Trinkwasser. Das steht selten irgendwo, deshalb: Wasser und Schirm gehören immer ins Auto.
Gut zu wissen: Der Zugang zum Meer ist in Italien grundsätzlich frei. Du darfst auch quer durch einen Lido zum Wasser laufen, und der Streifen direkt an der Wasserlinie gehört niemandem. Was nicht geht: das eigene Handtuch zwischen die vermieteten Schirme legen.
Achtung: An mehreren geschützten Stränden gilt inzwischen eine Zugangsregelung mit Tageslimit, Onlinebuchung und Gebühr, vor allem auf Sardinien. Die Regeln ändern sich fast jede Saison. Prüfe kurz vor der Reise die offizielle Seite der Gemeinde oder des Parks, sonst stehst du vor einer geschlossenen Schranke.
Sardinien: das hellste Wasser des Landes
1 La Pelosa bei Stintino
Flaches, fast unwirklich türkises Wasser, im Hintergrund ein alter Wachturm auf einer vorgelagerten Insel. La Pelosa ist der meistfotografierte Strand Sardiniens und entsprechend reguliert: In der Sommersaison gibt es ein Tageslimit, du buchst vorab und bringst eine Matte statt eines Handtuchs mit, damit kein Sand aus dem Ort verschwindet.
Nächste Basis ist Alghero, rund eine Autostunde entfernt. Fahre früh, die Parkplätze an der Zufahrt sind begrenzt.
2 Cala Goloritzé im Golfo di Orosei
Weiße Kalksteinkiesel, eine Felsnadel über der Bucht, Wasser wie Glas. Der Strand liegt in einem geschützten Gebiet und ist nur über einen steilen Abstieg von etwa einer Stunde oder per Boot erreichbar. Auch hier gilt eine Zugangsregelung mit Kontingent und Gebühr, informiere dich vorher über das aktuelle Verfahren.
Bootstouren starten an der Ostküste Sardiniens. Ohne feste Schuhe brauchst du den Abstieg gar nicht erst zu versuchen.
3 Spiaggia del Principe an der Costa Smeralda
Eine geschwungene Bucht zwischen Granitfelsen, feiner Sand, kaum Infrastruktur. Der Strand liegt an der teuersten Küste Italiens, das Baden kostet trotzdem nichts. Es gibt keinen Schatten und nur wenige Stellplätze am Straßenrand.
Anfahrt von Olbia aus in gut 40 Minuten. Wer im Juli oder August kommt, sollte vor zehn Uhr da sein.
4 Poetto in Cagliari
Der beste Stadtstrand Italiens: kilometerlang, hell, mit dem Bus aus dem Zentrum erreichbar und abends voller Einheimischer in den Strandbars. Am Nordende liegt eine Lagune mit Flamingos, dahinter der Felsrücken Sella del Diavolo.
Perfekt, wenn du Cagliari besichtigst und trotzdem baden willst, ganz ohne Mietwagen.
Sizilien: Sand, Fels und klare Buchten
5 San Vito Lo Capo
Ein breiter, sehr flach abfallender Sandstrand unter der Felswand des Monte Monaco, dazu ein Ort, der komplett auf Badegäste eingestellt ist. Das Wasser bleibt lange knietief, ideal mit kleinen Kindern.
Von Trapani aus fährst du etwa eine Stunde. Im Spätsommer läuft hier ein großes Couscous-Festival, das den Ort füllt, prüfe die Termine vorher, wenn du Ruhe suchst.
6 Mondello bei Palermo
Die Bucht mit dem Jugendstil-Pavillon auf Stelzen ist der Sommerstrand der Hauptstadt. Der Sand ist hell, das Wasser flach, ein großer Teil der Bucht ist an Lidi vergeben. Freie Abschnitte findest du an beiden Enden.
Vom Zentrum Palermos bringt dich ein Stadtbus in einer guten halben Stunde hin. Am Wochenende ist es rappelvoll, unter der Woche entspannt.
7 Isola Bella bei Taormina
Kein Sandstrand, sondern grobe Kiesel und eine winzige Insel, die über eine schmale Landzunge erreichbar ist. Das Gebiet ist Naturschutzgebiet, das Wasser klar und tief genug zum Schnorcheln. Badeschuhe machen den Tag deutlich besser.
Von Taormina fährt eine Seilbahn hinunter nach Mazzarò, von dort sind es wenige Minuten zu Fuß.
8 Der Stadtstrand von Cefalù
Selten passen Altstadt und Strand so gut zusammen: Vor der normannischen Kathedrale und unter dem Felsen La Rocca liegt ein heller Sandbogen mit ruhigem Wasser. Ein Teil ist frei, der Rest gehört zu den Bagni.
Cefalù ist mit dem Regionalzug von Palermo aus erreichbar und damit der beste Badetag für Reisende ohne Auto auf Sizilien. Wer helle Kreidefelsen sehen will, fährt zusätzlich nach Agrigent, wo die Scala dei Turchi liegt, deren Betreten allerdings immer wieder eingeschränkt wird.
Apulien: klares Wasser, wenig Kitsch
9 Lama Monachile in Polignano a Mare
Eine Kieselbucht zwischen zwei senkrechten Felswänden, darüber eine alte Brücke und die Altstadt. Klein, spektakulär, im Sommer proppenvoll. Zum Baden geht es über Stufen hinunter, Kinderwagen und Rollatoren haben hier keine Chance.
Von Bari aus fährst du mit dem Regionalzug in gut 30 Minuten, das ist deutlich entspannter als die Parkplatzsuche vor Ort.
10 Punta Prosciutto im Salento
Weißer Sand, niedrige Dünen, sehr flaches Wasser: An der ionischen Seite des Salento liegen die hellsten Strände des Festlands. Punta Prosciutto und der Nachbarstrand Torre Lapillo haben eine gute Mischung aus Lidi und freien Abschnitten.
Basis ist Lecce, von dort rund eine Autostunde. Ohne Auto kommst du im Sommer nur mit Saisonbussen hin.
11 Baia dei Turchi bei Otranto
Ein geschützter Sandstrand hinter einem Pinienwald, den du zu Fuß durchquerst. Genau deshalb bleibt es hier ruhiger als an den Strandstraßen weiter nördlich. Es gibt einen kleinen Kiosk und viel freien Sand.
Die Adriaseite Apuliens erreichst du von Lecce aus in etwa einer Stunde, gut kombinierbar mit einem Stopp in Ostuni.
Ligurien: kleine Buchten statt breiter Strände
12 Fegina in Monterosso al Mare
Der einzige richtige Sandstrand der Cinque Terre liegt vor Monterosso, unterteilt in dicht bestuhlte Bagni und ein paar freie Streifen. Nach einer Wanderung auf den Küstenwegen ist der Sprung ins Wasser genau das Richtige.
Alle fünf Dörfer der Cinque Terre hängen am Nahverkehrszug, ein Auto brauchst du nicht. Ruhiger badest du weiter südlich in Portovenere.
13 Paraggi bei Portofino
Die einzige Sandbucht in der Nähe von Portofino, eingerahmt von Pinien und grünem Wasser. Der Großteil gehört zu sehr teuren Strandclubs, in der Mitte bleibt ein kleiner freier Abschnitt, der früh belegt ist.
Von Portofino sind es zu Fuß etwa 20 Minuten an der Küstenstraße entlang, von Santa Margherita fährt der Bus. Mehr Strandauswahl in Ligurien gibt es westlich von Genua.
Adria: die unkomplizierte Familienküste
14 Rimini
Kilometerlanger feiner Sand, kaum Wellen, sehr flach ablaufendes Wasser und eine der dichtesten Reihen durchnummerierter Bagni Europas. Wer die einsame Naturbucht sucht, ist hier falsch. Wer mit Kindern, Schirm, Eisdiele und kurzen Wegen glücklich wird, findet nirgends mehr Komfort.
Rimini liegt an der Bahnhauptstrecke, und Ravenna mit seinen Mosaiken ist als Kulturtag knapp eine Stunde nördlich.
15 Riviera del Conero
Südlich von Ancona fällt der Monte Conero direkt ins Meer, darunter liegen helle Kieselstrände zwischen weißen Felsen. Die bekannte Bucht Due Sorelle erreichst du nur per Boot, andere Abschnitte über steile Pfade. Das ist der schönste Küstenabschnitt der oberen Adria und trotzdem kaum bekannt.
Basisorte sind Sirolo und Numana in den Marken. Der August ist italienische Ferienzeit, im Juni ist es hier fast leer.
Praktisch: Anreise, Parken und die besten Wochen
Die beste Badezeit sind Juni und September. Im September ist das Wasser wärmer als im Juni, die Preise sind niedriger und die Strände deutlich leerer. Die Tage rund um Ferragosto am 15. August sind die vollsten des Jahres, dann fährt halb Italien ans Meer.
Fast alle Traumstrände erreichst du nur mit dem Auto. Rechne an der Zufahrt mit gebührenpflichtigen Parkplätzen und blau markierten Parkstreifen, bei denen du am Automaten ein Ticket ziehst. In den Küstenstädtchen selbst gilt oft eine ZTL, eine kameraüberwachte Zone mit Fahrverbot für Ortsfremde. Parke außerhalb und geh die letzten Minuten zu Fuß, sonst kommt der Bußgeldbescheid Monate später nach Hause.
Tipp: Nimm feste Badeschuhe mit. Ein großer Teil der schönsten italienischen Strände besteht aus Kieseln oder Felsplatten, und an manchen Küsten sitzen Seeigel im flachen Wasser. Ein Paar Neoprenschuhe im Rucksack rettet mehr Badetage als jede App.
Die blaue Flagge (Bandiera Blu) wird jedes Jahr an Gemeinden mit guter Wasserqualität und passender Infrastruktur vergeben und ist ein brauchbarer Hinweis, aber kein Schönheitspreis: Viele der stillsten Naturbuchten haben sie nicht, weil ihnen die geforderte Ausstattung fehlt. Weitere Küstenideen findest du bei den Städten am Meer und an der Amalfiküste.
Häufige Fragen
Sind die Strände in Italien kostenlos?
Teilweise. Fast jeder Strand hat freie Abschnitte, die spiaggia libera, dort zahlst du nichts. Die gepflegten Bereiche mit Schirmen, Liegen, Duschen und Bar gehören dagegen einem Betreiber, und dort zahlst du pro Tag für ein Set aus Schirm und Liegen. Der Zugang zum Wasser selbst ist immer frei, auch quer durch einen Lido. In der Hochsaison sind die freien Abschnitte klein und ab dem späten Vormittag gut gefüllt.
Wo ist das schönste Wasser in Italien?
Auf Sardinien, ohne große Konkurrenz. Der Golfo di Orosei im Osten und die Küste um Stintino im Nordwesten haben das klarste Wasser des Landes. Direkt danach kommt die ionische Seite des Salento in Apulien mit weißem Sand und flachem Türkiswasser. Wer lieber schnorchelt als im Sand liegt, ist auf Sizilien und in Ligurien besser aufgehoben.
Wann ist die beste Zeit für einen Badeurlaub in Italien?
Juni und September. Im Juni ist alles grün, die Strände sind leer und die Unterkünfte günstiger, das Wasser aber noch frisch. Im September ist das Meer am wärmsten, dazu sind die italienischen Schulferien vorbei. Meide die Woche um den 15. August, dann ist ganz Italien unterwegs und die Küstenorte sind ausgebucht.
Kann man in Italien am Strand übernachten?
Nein. Zelten und Übernachten am Strand ist in Italien fast überall verboten, in Naturschutzgebieten sowieso, und die Gemeinden kontrollieren im Sommer aktiv. Auch das Übernachten im Wohnmobil auf Strandparkplätzen ist vielerorts per Schild untersagt. Nutze Campingplätze oder ausgewiesene Stellplätze, an der Küste gibt es davon reichlich.
Braucht man für die schönsten Strände eine Reservierung?
An einigen inzwischen ja. Mehrere stark belastete Strände auf Sardinien haben ein Tageslimit mit Onlinebuchung und Gebühr eingeführt, andere Regionen prüfen ähnliche Modelle. Die Regeln werden fast jede Saison angepasst. Schau kurz vor der Reise auf die offizielle Seite der Gemeinde oder des Parks und plane für diese Strände einen festen Tag ein.





