Region in Italien

Sardinien: Städte & Highlights

Sardinien hat Wasserfarben, für die andere Leute in die Karibik fliegen, und ein Landesinneres, das damit nichts zu tun hat: karge Hochebenen, Korkeichen, Hirtendörfer und über 7.000 steinerne Turmbauten aus der Bronzezeit. Die Insel liegt zu Italien, fühlt sich aber eigenständig an, bis hin zur eigenen Sprache.

Hier bekommst du den Überblick über die drei wichtigsten Städte, die schönsten Strände, das Landesinnere mit den Nuraghen, die Entscheidung zwischen Fähre und Flug und die beste Reisezeit für einen Inselurlaub.

Sardinien: Städte & Highlights
Foto: delaere, CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • HauptstadtCagliari
  • GrößeZweitgrößte Insel des Mittelmeers
  • BesonderheitRund 7.000 Nuraghen aus der Bronzezeit
  • UNESCO-WelterbeSu Nuraxi bei Barumini
  • Empfohlene Dauer7 bis 14 Tage
  • Beste ReisezeitMai, Juni, September und Anfang Oktober

Was Sardinien ausmacht

Sardinien ist keine Kunstinsel. Wer Kathedralen, Museen und Renaissancepaläste sucht, ist auf dem Festland besser aufgehoben. Hier geht es um Landschaft: 1.800 Kilometer Küste mit Granitfelsen im Nordosten, langen Sandstränden im Süden, Kalkklippen im Golf von Orosei und Dünen im Westen. Dahinter beginnt sofort das Gebirge, mit Wäldern, Schluchten und Dörfern, in denen Sardisch gesprochen wird, eine eigene romanische Sprache und kein italienischer Dialekt.

Der zweite Charakterzug ist die Zurückhaltung. Sarden gelten als eher reserviert, und die Insel hat sich nie so bereitwillig verkauft wie andere Ferienregionen. Das führt zu einem angenehmen Nebeneffekt: Wenige Kilometer neben den bekannten Buchten liegen fast leere Strände, oft am Ende einer Schotterpiste. Zugleich ist die Costa Smeralda im Nordosten eines der teuersten Pflaster Europas, mit Yachthäfen und Preisen, die mit dem Rest der Insel nichts zu tun haben.

Die schönsten Städte und Orte

1 Cagliari

Cagliari ist die Hauptstadt und die einzige richtige Großstadt der Insel. Das Altstadtviertel Castello liegt auf einem Kalkfelsen über dem Hafen, mit Bastionen, Aussichtsterrassen und einem Dom hinter mittelalterlichen Mauern.

Unten liegt der Stadtstrand Poetto, elf Kilometer lang, direkt daneben eine Lagune mit Flamingos. Cagliari ist der beste Ausgangspunkt für den Süden und dank Flughafen und Fährhafen die praktischste Ankunftsstadt.

2 Alghero

Alghero im Nordwesten war jahrhundertelang katalanisch, und das hört man bis heute: Straßenschilder tragen zwei Namen, die Altstadt heißt hier Barceloneta. Die Stadtmauer direkt am Meer ist die schönste Abendpromenade der Insel.

Vor der Küste liegt Capo Caccia mit der Neptungrotte, erreichbar per Boot oder über eine lange Treppe in der Steilwand. Alghero hat einen eigenen Flughafen und ist die charmanteste Basis für den Nordwesten.

3 Olbia und die Costa Smeralda

Olbia ist für die meisten das Tor zur Insel: Flughafen und Fährhafen liegen hier, und die Costa Smeralda beginnt gleich nördlich. Die Stadt selbst wird oft übersehen, hat aber eine hübsche Fußgängerzone und gute Fischlokale.

Von hier erreichst du Porto Cervo, den Archipel La Maddalena und die Buchten um Palau. Rechne im Sommer mit hohen Preisen und dichtem Verkehr auf den Küstenstraßen.

4 Bosa und Castelsardo

Bosa liegt an einem Fluss unterhalb einer Burg, mit pastellfarbenen Häuserreihen am Ufer, und gilt als einer der hübschesten Orte Sardiniens. Die Küstenstraße von Bosa nach Alghero ist eine der besten Autofahrten Italiens.

Castelsardo im Norden thront als Festungsdorf auf einem Felsen über dem Meer. Beide Orte sind klein, in einer halben Stunde durchlaufen und trotzdem ein Umweg wert.

5 Nuoro und die Barbagia

Im Bergland der Barbagia liegt das andere Sardinien: Dörfer wie Orgosolo mit politischen Wandbildern, Hirtenkultur, Schluchten und der Gennargentu als höchstes Massiv der Insel. Nuoro ist die Hauptstadt der Region und hat gute Museen zur Inselkultur.

Wer nur Strandurlaub plant, lässt das aus. Wer verstehen will, warum Sardinien anders tickt als der Rest Italiens, fährt zwei Tage ins Innere.

Die Strände

Im Nordosten dominieren Granitbuchten mit türkisem Wasser, etwa rund um La Maddalena und Palau. Der Golf von Orosei an der Ostküste hat die spektakulärsten Buchten der Insel, Cala Goloritzé, Cala Mariolu und Cala Luna, die du nur per Boot oder auf längeren Wanderungen erreichst. Der Westen bei Is Arutas hat Strände aus Quarzkörnern, der Süden um Chia und Costa Rei lange, flache Sandstrände mit Dünen, ideal für Familien. Weitere Ziele findest du unter schönste Strände Italiens.

Achtung: Für einige besonders empfindliche Strände gelten inzwischen Zugangsregelungen mit Anmeldung oder begrenzten Besucherzahlen, unter anderem an der Pelosa bei Stintino und an Buchten im Golf von Orosei. Die Regeln ändern sich von Saison zu Saison, informiere dich vor dem Besuch auf der offiziellen Seite der jeweiligen Gemeinde. Sand mitzunehmen ist auf ganz Sardinien verboten und wird mit hohen Strafen belegt.

Nuraghen: das Erbe im Inneren

Über die ganze Insel verteilt stehen rund 7.000 Nuraghen, kegelförmige Türme aus trocken geschichtetem Stein, gebaut zwischen etwa 1800 und 1000 vor Christus. Niemand weiß genau, ob sie Festungen, Tempel oder Statussymbole waren. Die bekannteste Anlage ist Su Nuraxi bei Barumini, ein UNESCO-Welterbe mit Zentralturm und ganzem Dorf drumherum, gut eine Stunde nördlich von Cagliari und nur mit Führung zugänglich. Dazu kommen Gräber wie die Tomba dei Giganti und heilige Brunnen wie Santa Cristina. Mehr Hintergrund liefert der Beitrag zum UNESCO-Welterbe in Italien.

Essen und Feste

Die sardische Küche ist bodenständig und hirtengeprägt. Das Grundnahrungsmittel ist Pane Carasau, ein papierdünnes Fladenbrot, das monatelang haltbar ist und über dem Feuer knusprig wird. Dazu kommen Fregola, kleine geröstete Teigkügelchen, die oft mit Muscheln serviert werden, Culurgiones, gefüllte Teigtaschen aus der Ogliastra mit Kartoffel und Minze, sowie Pecorino Sardo in allen Reifegraden. Beim Fest steht Porceddu auf dem Tisch, am Spieß gegartes Spanferkel. Getrunken wird Cannonau, ein kräftiger Roter aus dem Landesinneren, und Vermentino zum Fisch. Wenn du im Mai unterwegs bist, schau nach den großen Prozessionen und Reiterfesten, sie zeigen die Insel von ihrer eigensinnigsten Seite.

Beste Reisezeit

Juni und September sind die beste Kombination aus warmem Meer und erträglicher Auslastung. Im Mai und Anfang Oktober ist es angenehm für Wanderungen und Städte, das Wasser aber noch oder schon wieder frisch. Juli und August sind heiß, teuer und voll, weil dann auch die Italiener kommen: Fähren, Mietwagen und Küstenunterkünfte sind Monate im Voraus ausgebucht, rund um Ferragosto Mitte August ist der Höhepunkt erreicht. Von November bis März schließen viele Küstenorte fast vollständig, Cagliari, Alghero und Olbia bleiben ganzjährig lebendig. Eine allgemeine Übersicht gibt der Beitrag zur besten Reisezeit für Italien.

Fähre oder Flug

Geflogen wird nach Cagliari, Olbia und Alghero, aus Deutschland gibt es im Sommer Direktverbindungen, im Winter fliegst du über Rom oder Mailand. Das ist die schnellste Variante, du brauchst dann aber zwingend einen Mietwagen ab Flughafen.

Die Fähre ist die Wahl für alle mit eigenem Auto oder Wohnmobil. Verbindungen gibt es unter anderem ab Genua, Livorno, Civitavecchia und Piombino nach Olbia, Porto Torres, Golfo Aranci, Cagliari und Arbatax. Nachtfähren mit Kabine sparen eine Hotelnacht, die Überfahrten dauern je nach Route zwischen wenigen und mehr als zehn Stunden. Buche im Sommer sehr früh, Autoplätze sind das Nadelöhr. Praktische Hinweise stehen unter Italien mit dem Wohnmobil und Italien mit dem Mietwagen.

Tipp: Nimm für Buchten am Ende von Schotterwegen einen kleinen Wagen und fahr am frühen Morgen los. Viele Strandparkplätze sind gebührenpflichtig und ab dem späten Vormittag voll, danach parken die Nachzügler kilometerweit entfernt am Straßenrand. Wasser, Schatten und Verpflegung nimmst du besser selbst mit, an den schönsten Buchten gibt es nichts.

Route und Basis

Bei einer Woche entscheidest du dich für eine Ecke: Süden ab Cagliari mit Chia und Villasimius, Nordwesten ab Alghero mit Bosa und Stintino, Nordosten ab Olbia mit La Maddalena. In zwei Wochen fährst du eine Runde, etwa Cagliari, Barumini, Oristano, Alghero, Castelsardo, Olbia und über den Golf von Orosei zurück. Rechne mit langsameren Fahrzeiten als erwartet, die Küstenstraßen sind kurvig, und Abkürzungen durchs Gebirge sind keine.

Ehrliche Einordnung

Sardinien ist ein Ziel für Leute, die Natur über Kultur stellen. Ohne Auto geht fast nichts, öffentliche Busse fahren selten und langsam, und im August ist die Insel teurer als jede Küstenregion des Festlands. Dafür bekommst du Wasser in einer Farbe, die man auf Fotos für bearbeitet hält, kaum Bebauungssünden an der Küste, ein sehr eigenständiges Landesinneres und eine Küche mit Pecorino, Fregola, Spanferkel und dem papierdünnen Fladenbrot Pane Carasau. Komm im Juni oder September, plan Zeit für zwei bis drei Standorte statt für die ganze Insel, und lass wenigstens einen Tag Platz für das Bergland.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für Sardinien?

Eine Woche reicht für eine Inselecke mit Strandtagen und ein paar Ausflügen. Für eine Runde über Süden, Westen und Norden solltest du zwei Wochen einplanen, denn die Fahrzeiten sind länger als die Kilometer vermuten lassen. Wer nur baden will, bleibt besser an einem Standort und wechselt gar nicht.

Fähre oder Flug nach Sardinien?

Flug, wenn du ohne eigenes Auto reist: Cagliari, Olbia und Alghero werden im Sommer direkt angeflogen, den Mietwagen nimmst du am Flughafen. Die Fähre lohnt sich mit Auto oder Wohnmobil, mit Nachtverbindungen ab Genua, Livorno oder Civitavecchia. Autoplätze im Hochsommer sind das Nadelöhr, buche sie früh.

Wann ist die beste Reisezeit für Sardinien?

Juni und September sind ideal: warmes Meer, angenehme Temperaturen, weniger Andrang. Mai und Anfang Oktober eignen sich für Wanderungen und Städte, das Wasser ist dann kühler. Juli und August sind heiß, voll und teuer. Von November bis März schließen viele Küstenorte, die Städte bleiben geöffnet.

Braucht man auf Sardinien ein Auto?

Ja, praktisch immer. Der öffentliche Verkehr verbindet die Städte, aber die schönsten Buchten, die Nuraghen und die Bergdörfer erreichst du nur mit dem Auto. Ohne Wagen funktioniert nur ein reiner Strandurlaub an einem Ort mit Bushaltestelle. Buche den Mietwagen für Juli und August lange im Voraus.

Welche Strände sind die schönsten?

Im Golf von Orosei liegen die spektakulärsten Buchten wie Cala Goloritzé und Cala Mariolu, meist nur per Boot oder Wanderung erreichbar. Der Süden um Chia und Costa Rei bietet lange Sandstrände für Familien, der Nordosten Granitbuchten um La Maddalena. Beachte die Zugangsregeln, die an einigen Stränden in der Hochsaison gelten.

Was sind Nuraghen?

Nuraghen sind kegelförmige Steintürme aus der Bronzezeit, gebaut etwa zwischen 1800 und 1000 vor Christus. Rund 7.000 davon stehen auf der Insel, ihre genaue Funktion ist bis heute unklar. Die bekannteste Anlage ist Su Nuraxi bei Barumini, UNESCO-Welterbe und nur mit Führung zugänglich, rund eine Stunde nördlich von Cagliari.