Reise-Inspiration

Sardinien-Rundreise: Norden oder Süden in 10 Tagen

Sardinien ist keine Insel, die du an einem Wochenende abhakst. Sie ist rund 270 Kilometer lang, hat drei Flughäfen, zwei sehr verschiedene Hälften und Straßen, die kurvenreicher sind, als die Karte vermuten lässt. Genau deshalb lohnt sich hier eine Rundreise: Du fährst vom karibisch wirkenden Wasser der Gallura über Bronzezeit-Türme im Landesinneren bis zur katalanischen Altstadt von Alghero.

Diese Route führt dich in zehn Tagen einmal um die Insel, mit vier festen Standorten statt täglichem Kofferpacken. Dazu bekommst du eine ehrliche Antwort auf die wichtigste Frage: Wenn du nur eine Woche hast, nimm den Norden oder den Süden, aber nicht beides.

Auf einen Blick

  • RegionSardinien, zweitgrößte Insel im Mittelmeer
  • Empfohlene Dauer10 Tage, machbar ab 8, ideal 14
  • StartpunktFlughafen Olbia, Cagliari oder Alghero
  • Streckegrob 800 bis 900 Kilometer für die ganze Runde
  • Basisvier Standorte: Gallura, Ostküste, Cagliari, Alghero
  • Beste ReisezeitMai, Juni, September, Anfang Oktober

Für wen diese Runde passt

Sardinien passt zu dir, wenn Strandtage keine Nebensache sind: Das Wasser ist der Hauptdarsteller. Dazu kommen Nuraghen, kegelförmige Steintürme aus der Bronzezeit, von denen es tausende gibt und die es sonst nirgends gibt. Willst du beides mischen, dazu ein paar Städtetage, bist du hier richtig.

Weniger passt die Insel, wenn du Kunststädte wie Florenz oder Rom suchst: starke Orte ja, Museumsdichte nein. Ohne Mietwagen wird die Runde zäh: Busse verbinden die größeren Städte, aber Buchten, Nuraghen und Bergdörfer erreichst du praktisch nur selbst fahrend. Wer ohne Auto reisen will, macht lieber Standorturlaub in Cagliari oder Alghero. Ideen dafür stehen unter Italien ohne Auto.

Norden oder Süden: die Grundentscheidung

Der Norden bedeutet Gallura: Granitfelsen, die vom Wind rundgeschliffen wurden, das Inselchen-Gewirr der Maddalena und die Costa Smeralda mit ihren teuren Buchten. Basis ist Olbia. Der Süden bedeutet Cagliari mit seiner Altstadt auf dem Kalkfelsen, Flamingos in der Lagune direkt vor der Stadt und die langen Strände von Chia bis Villasimius.

Der Westen ist die dritte Option und die ruhigste: Alghero, wo bis heute ein katalanischer Dialekt gesprochen wird, dazu Bosa am Fluss und die Steilküste am Capo Caccia. Der Mistral drückt hier oft kräftig, das Meer ist rauer, die Preise sind niedriger. Mit zehn Tagen hängst du alle drei aneinander, so wie in der Tabelle unten.

Gut zu wissen: Sardinien hat keine Autobahn mit Maut. Die Schnellstraße SS131 zieht sich als Rückgrat von Cagliari nach Norden und ist kostenlos. Dafür sind die Küstenstraßen, allen voran die SS125 an der Ostküste, langsam und kurvig. Rechne pauschal ein Drittel mehr Zeit ein, als dir das Navi verspricht.

Die Route auf einen Blick

Vier Standorte reichen. Du fliegst nach Olbia, fährst gegen den Uhrzeigersinn über die Ostküste in den Süden, dann an der Westküste wieder hoch und gibst den Wagen in Olbia oder Alghero ab. Ein Streckenflug rein nach Olbia und raus ab Cagliari spart dir einen ganzen Fahrtag.

Tag Etappe Übernachtung Fahrzeit (Schätzung)
1 bis 2 Ankunft Olbia, Gallura und Costa Smeralda Olbia oder Umgebung kurze Wege
3 La Maddalena mit der Fähre ab Palau Olbia oder Umgebung rund 1 Stunde je Richtung
4 bis 5 Golfo di Orosei und Cala Gonone Cala Gonone rund 2 Stunden
6 Ostküste hinunter nach Villasimius Villasimius oder Cagliari rund 3 Stunden
7 bis 8 Cagliari, Nora und der Süden Cagliari kurze Wege
9 Barumini, Oristano und die Sinis-Halbinsel Oristano oder Bosa rund 2,5 Stunden mit Stopps
10 Küstenstraße über Bosa nach Alghero Alghero rund 1,5 Stunden

Die Zeiten sind vorsichtige Schätzungen ohne Pausen; an der Ostküste liegen zwischen zwei Punkten auf der Karte gern mehrere Serpentinenketten.

1 Tag 1 und 2: Olbia und die Gallura

Olbia ist der Startpunkt, weil hier der meistgenutzte Flughafen liegt und die Fähren aus Genua, Livorno und Civitavecchia anlanden. Die Stadt wird unterschätzt: Der Corso Umberto ist am Abend voll, die Basilika San Simplicio stammt aus romanischer Zeit, und die Fischrestaurants am Hafen sind günstiger als alles an der Costa Smeralda.

Am zweiten Tag fährst du nach Norden. Die Costa Smeralda ist zurecht berühmt für ihr Wasser, aber die schönsten Buchten liegen hinter Schranken oder kosten Parkgebühr. Weniger Aufwand machen die Strände um San Teodoro oder die Granitlandschaft am Capo Testa bei Santa Teresa Gallura, wo der Wind Felsen zu Skulpturen geschliffen hat. Mehr Auswahl steht in der Übersicht der schönsten Strände Italiens.

2 Tag 3: La Maddalena

Ab Palau setzt eine Autofähre in etwa einer Viertelstunde auf die Hauptinsel des Maddalena-Archipels über. Von dort führt eine Brücke nach Caprera, wo Garibaldi seine letzten Jahre verbrachte, heute ein Museum. Der Rest der Insel ist Nationalpark: flache Granitrücken, Macchia, dazwischen Buchten mit hellem Sand.

Wenn du nur einen Bootstag hast, nimm diesen. Die kleineren Inseln erreichst du nur mit organisierten Touren, und der Nationalpark begrenzt, wo angelandet werden darf. Buche im Sommer ein bis zwei Tage vorher.

3 Tag 4 und 5: Golfo di Orosei

Der Golf von Orosei ist die spektakulärste Küste der Insel: weiße Kalkwände, die senkrecht ins Wasser fallen, dazwischen Buchten wie Cala Luna, Cala Mariolu und Cala Goloritzè. Fast alle sind nur per Boot oder auf mehrstündigen Wanderungen erreichbar. Basis ist Cala Gonone, das komplett von diesem Golf lebt.

Plane zwei Nächte, damit du einen Bootstag und einen Landtag hast. Landeinwärts liegt der Supramonte, ein karstiges Bergmassiv mit Schluchten und Hirtenpfaden, und dahinter die Barbagia mit Dörfern wie Orgosolo, das für seine politischen Wandbilder bekannt ist. Wer gern zu Fuß unterwegs ist, findet weitere Reviere unter Wandern in Italien.

Achtung: Für Cala Goloritzè und einige andere Buchten gelten Zugangsbeschränkungen mit begrenzten Tagesplätzen, die vorab reserviert werden müssen. Die Regeln ändern sich von Saison zu Saison. Prüfe kurz vor der Reise die offiziellen Seiten der jeweiligen Gemeinde, statt dich auf ältere Reiseberichte zu verlassen.

4 Tag 6: die Ostküste hinunter

Der Fahrtag über die SS125 ist der längste der Runde und einer der schönsten. Die Straße windet sich durch die Berge des Ogliastra, mit Blick auf Felsnadeln und leere Täler. Ein Stopp lohnt in Arbatax mit seinen roten Porphyrfelsen am Hafen.

Am Nachmittag erreichst du den Südosten. Villasimius und die Costa Rei haben feinen hellen Sand und flach abfallendes Wasser, die familienfreundlichste Ecke der Insel; bis Cagliari sind es keine 90 Minuten mehr.

5 Tag 7 und 8: Cagliari und der Süden

Cagliari ist die Hauptstadt und die interessanteste Stadt der Insel. Das Viertel Castello sitzt auf einem Kalkfelsen über dem Hafen, umgeben von pisanischen Mauern, mit zwei wuchtigen Türmen. Von der Bastione di Saint Remy schaust du über die Dächer bis zum Meer. Unten liegt die Marina mit ihren Gassen und Trattorien.

Nimm dir einen ganzen Tag für die Stadt und einen für die Umgebung. Direkt vor den Toren steht in der Lagune von Molentargius eine Flamingokolonie, gleich daneben liegt der Stadtstrand Poetto. Nach Westen führt der Weg zur antiken Hafenstadt Nora bei Pula und weiter nach Chia mit Dünen und Wacholder. Cagliari hat eine Innenstadt mit Zufahrtsbeschränkungen, deshalb gilt auch hier: Auto ins Parkhaus, Rest zu Fuß. Die Regeln erklärt der Beitrag zu den ZTL-Zonen in Italien.

6 Tag 9: Barumini, Oristano und Sinis

Su Nuraxi bei Barumini ist die bekannteste Nuraghe der Insel und UNESCO-Welterbe: ein Zentralturm aus Basaltblöcken, um den sich eine ganze Siedlung legt. Der Zutritt ist nur mit Führung möglich, die die Anlage erst verständlich macht. Rechne mit gut einer Stunde vor Ort.

Weiter im Westen liegt die Sinis-Halbinsel mit der punisch-römischen Ausgrabung Tharros auf einer Landzunge und dem Strand Is Arutas, dessen Sand aus winzigen Quarzkörnern besteht. Das Mitnehmen dieses Sandes ist verboten und wird kontrolliert. Übernachtet wird in Oristano oder gleich in Bosa. Die großen Zusammenhänge der Insel stehen auf der Regionsseite zu Sardinien.

7 Tag 10: Bosa und Alghero

Die Küstenstraße zwischen Bosa und Alghero ist eine der schönsten Strecken Italiens: kaum Bebauung, hohe Steilküste, Gänsegeier über den Hängen. Bosa selbst liegt am Fluss Temo, mit bunten Häuserzeilen unter einer Burg der Malaspina. Die Strecke ist kurvig und dauert länger, als sie aussieht.

Alghero ist der Abschluss: eine ummauerte Altstadt aus honigfarbenem Stein, katalanische Straßenschilder, Bastionen direkt über dem Wasser. Vor der Stadt liegt das Kap Capo Caccia mit der Neptungrotte, in die eine lange Treppe hinabführt oder ein Boot hineinfährt. Der Flughafen Fertilia liegt gut zehn Kilometer außerhalb, das macht den Rückflug entspannt.

Wenn du nur eine Woche hast

Sieben Tage reichen nicht für die ganze Insel, entscheide dich für eine Hälfte. Der Norden funktioniert als Dreieck aus Olbia, La Maddalena und Cala Gonone, mit Abstecher nach Castelsardo. Der Süden verbindet Cagliari, Villasimius, Chia, Nora und Barumini und braucht kaum mehr als zwei Standorte. Beides zusammen wird zur Fahrerei, und die Insel bestraft Hetze mit endlosen Kurven.

Tipp: Buche Mietwagen und Fähre für Juli und August früh, gern Monate im Voraus. Sardinien ist im Hochsommer das Urlaubsziel der Italiener selbst, rund um Ferragosto Mitte August ist die Insel voll und teuer. Bist du flexibel, fährst du Ende Mai, Juni oder in der zweiten Septemberhälfte, wenn das Meer noch warm und die Küste wieder ruhig ist.

Anreise, Fähre und Mietwagen

Es gibt zwei Wege auf die Insel. Der Flug nach Olbia, Cagliari oder Alghero ist schnell, dann brauchst du einen Mietwagen vor Ort. Die Fähre ab Genua, Livorno oder Civitavecchia bringt dein eigenes Auto mit, kostet dafür Zeit und meist eine Nachtüberfahrt mit Kabine. Für längere Reisen mit viel Gepäck oder mit dem Wohnmobil lohnt sich die Fähre, siehe dazu Italien mit dem Wohnmobil.

Tanke rechtzeitig, im Landesinneren liegen zwischen zwei Tankstellen lange Strecken. Handyempfang ist an den Küsten gut, in den Bergen der Barbagia löchrig. Rechne bei Buchten mit Parkgebühren in der Hochsaison, oft nur in bar. Wie sich Sardinien im Vergleich schlägt, steht unter italienische Inseln und in der Sizilien-Rundreise.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für eine Sardinien-Rundreise?

Zehn Tage sind das sinnvolle Minimum für die ganze Insel, vierzehn machen die Sache entspannt. Mit sieben Tagen fährst du besser nur eine Hälfte, also Norden oder Süden. Sardinien ist rund 270 Kilometer lang, und die Küstenstraßen sind deutlich langsamer, als die Entfernung vermuten lässt.

Norden oder Süden: was ist besser für die erste Sardinien-Reise?

Der Norden punktet mit dem klarsten Wasser, der Maddalena und der Granitlandschaft der Gallura, ist im Sommer aber teurer und voller. Der Süden bietet mit Cagliari die interessanteste Stadt, dazu lange Strände und antike Stätten wie Nora. Wer Kultur und Strand mischen will, nimmt den Süden, wer nur ans Wasser will, den Norden.

Braucht man auf Sardinien ein Auto?

Für eine Rundreise ja. Busse verbinden die größeren Orte, aber Buchten, Nuraghen und Bergdörfer erreichst du damit kaum, und Fahrpläne dünnen am Wochenende aus. Ohne Auto funktioniert Sardinien trotzdem, dann aber als Standorturlaub in Cagliari oder Alghero mit Ausflügen per Boot und Bus.

Wann ist die beste Reisezeit für Sardinien?

Mai bis Anfang Juli und September bis Anfang Oktober. Im Mai ist die Insel grün und leer, das Meer aber noch frisch. Im September ist das Wasser noch warm, die Strände sind aber schon leerer. Juli und August bringen Hitze, volle Strände und hohe Preise, besonders um Ferragosto Mitte August. Im Winter schließen viele Küstenbetriebe.

Fliegen oder mit der Fähre nach Sardinien?

Fliegen ist schneller und meist unkomplizierter, du mietest dann vor Ort ein Auto. Die Fähre ab Genua, Livorno oder Civitavecchia lohnt sich, wenn du mit dem eigenen Wagen, dem Wohnmobil oder mit viel Gepäck reist. Nachtüberfahrten mit Kabine sparen eine Hotelnacht, brauchen aber frühe Buchung im Sommer.

Ist Sardinien teurer als das italienische Festland?

An der Costa Smeralda ja, deutlich. Der Rest der Insel liegt auf normalem italienischem Niveau, im Landesinneren sogar darunter. Teuer wird es vor allem im August, wenn Unterkünfte, Fähren und Mietwagen gleichzeitig knapp sind. Reist du im Juni oder September, zahlst du für dieselbe Bucht spürbar weniger.