Auf einen Blick
- HauptachseMailand, Bologna, Florenz, Rom, Neapel
- SchnellzügeTrenitalia Frecce und Italo, Reservierung inklusive
- RegionalzügeFester Preis, kein Kontingent, spontan nutzbar
- AutofreiVenedig und die Dörfer der Cinque Terre
- Schwierig ohne AutoSardinien, Toskana-Dörfer, Dolomiten-Täler, Valle d'Itria
- PlanungsprinzipBasisstädte mit Bahnanschluss statt täglicher Ortswechsel
Warum die Bahn in Italien meistens gewinnt
Italienische Städte sind für Autos schlecht gebaut und für Züge gut. Fast jede Altstadt liegt in einer ZTL, einer verkehrsbeschränkten Zone mit Kameras, in die du ohne Berechtigung nicht einfahren darfst, und jeder Fehler dort kommt Wochen später als Bescheid nach Hause. Parkhäuser am Rand sind teuer, die Zufahrten eng. Der Bahnhof dagegen liegt in vielen Städten mitten drin oder wenige Gehminuten von der Altstadt entfernt.
Dazu kommt das Netz: Die Schnellzüge von Trenitalia und Italo fahren auf der Achse Mailand, Bologna, Florenz, Rom, Neapel im dichten Takt, dazwischen bringen dich Regionalzüge in fast jede mittelgroße Stadt. Wie die Zugarten funktionieren, wo du buchst und warum eine vergessene Entwertung teuer wird, steht im Guide Mit dem Zug durch Italien. Hier geht es um die Routen, die ohne Auto wirklich funktionieren.
1 Der Klassiker: Mailand bis Neapel
Die Hochgeschwindigkeitsstrecke ist die Rückgratroute des Landes und die einfachste Italienreise überhaupt. Mailand als Start, dann Bologna, Florenz, Rom und Neapel. Von Mailand nach Rom bist du in gut drei Stunden unterwegs, Bologna nach Florenz dauert keine vierzig Minuten, Rom nach Neapel gut eine Stunde. Alle fünf Bahnhöfe liegen zentral, du steigst aus und stehst in der Stadt.
Plane zehn bis vierzehn Tage, dann bleibt Zeit für Abstecher: Pisa und Lucca per Regionalzug ab Florenz, Orvieto als Zwischenstopp zwischen Florenz und Rom, ab Neapel die Regionalbahn nach Pompeji und weiter nach Sorrent. Wer mehr Kunst will, hängt die Etappen der Kunststädte-Route an.
2 Die Nordost-Schleife: Venedig, Verona und die Berge
Diese Runde ist kompakt und liegt komplett an Hauptstrecken. Venedig ist der ideale Start, weil die Stadt ohnehin autofrei ist und der Bahnhof Santa Lucia direkt am Canal Grande endet. Von dort sind es rund dreißig Minuten nach Padua, danach folgen Vicenza mit den Palladio-Bauten und Verona.
Ab Verona führt die Brennerlinie nach Norden zu Trient und Bozen, in Bozen zweigt eine Nebenstrecke nach Meran ab. So schneidest du die Dolomiten ohne Auto an. Alternativ hängst du im Osten Triest an, das per Direktzug ab Venedig erreichbar ist. Für den Gardasee steigst du in Peschiera oder Desenzano aus und fährst mit dem Schiff weiter, das ist die schönste Art, an diesem See voranzukommen.
3 Ligurien: die Küste, die ohne Auto besser ist
An der ligurischen Küste ist der Zug nicht der Kompromiss, sondern die erste Wahl. Die Bahnlinie läuft dicht am Wasser, und in den Cinque Terre endet die Straße vor den Ortskernen: Die Zentren sind ZTL, die wenigen Parkplätze liegen oberhalb der Dörfer, kosten pro Stunde und sind im Sommer früh voll. Die Regionalzüge zwischen Levanto und La Spezia verbinden dagegen alle fünf Orte im dichten Takt, dazwischen liegen die Wanderwege. Es gibt ein kombiniertes Ticket für Züge und Wanderwege, das du am Bahnhof oder online bekommst.
Genua ist der Ankerpunkt im Westen, von dort erreichst du Portofino per Zug bis Santa Margherita Ligure und dann mit Bus oder Boot. Portovenere hängt an La Spezia, per Linienbus oder im Sommer per Schiff. Nach Süden geht es weiter nach Pisa und Lucca, damit lässt sich diese Route bequem an den Klassiker anschließen.
4 Der Süden mit Fähre: Neapel, Sizilien, Sardinien
Ab Neapel wird es abenteuerlicher, funktioniert aber. Die Nachtfähre nach Palermo spart dir eine Hotelnacht, und auf Sizilien läuft die Bahn genau dort, wo die Städte liegen: Palermo, Cefalù und weiter an der Nordküste, dann die Ostküste mit Taormina, Catania und Syrakus. Wer lieber am Boden bleibt, nimmt den Zug über Kalabrien, der bei Messina auf eine Fähre verladen wird.
Ins Landesinnere Siziliens und nach Agrigent kommst du besser mit Überlandbussen als mit dem Zug, dieses Netz ist gut. Sardinien dagegen ist ohne Auto mühsam: Nachtfähre ab Genua, Livorno oder Civitavecchia, dann Bahn zwischen Cagliari, Olbia und Alghero, aber zu den berühmten Buchten fährt kein Zug. Eine Insel-Übersicht steht bei den italienischen Inseln.
Anhang: die Amalfiküste ohne Auto
Die Amalfiküste ist das beste Argument gegen den Mietwagen. Die Küstenstraße ist eng, im Sommer verstopft und Parkplätze sind knapp und teuer. Ohne Auto nimmst du ab Sorrent oder Salerno die Linienbusse, die alle Orte anfahren, und im Sommer zusätzlich die Schiffe zwischen Salerno, Amalfi und Positano. Die Boote sind schneller, ruhiger und der Blick von See auf die Steilküste ist der beste, den es gibt.
Nach Sorrent und Pompeji fährst du ab Neapel mit der Regionalbahn Circumvesuviana. Sie ist voll, oft unpünktlich und selten schön, dafür verbindet sie genau die Orte, die du sehen willst. Fahr früh, halte dein Gepäck im Blick und nimm im Zweifel den etwas teureren Expresszug derselben Linie.
Die vier Routen im Überblick
| Route | Etappen | Dauer | Passt zu |
|---|---|---|---|
| Klassiker | Mailand, Bologna, Florenz, Rom, Neapel | 10 bis 14 Tage | Erste Italienreise |
| Nordost-Schleife | Venedig, Padua, Vicenza, Verona, Trient, Bozen | 7 bis 10 Tage | Städte plus Berge |
| Ligurien | Genua, Cinque Terre, La Spezia, Pisa, Lucca | 5 bis 7 Tage | Küste und Wandern |
| Süden mit Fähre | Neapel, Palermo, Cefalù, Catania, Syrakus | 12 bis 16 Tage | Zweite oder dritte Reise |
Tipp: Buche Schnellzüge früh, dort steigen die Preise mit der Nachfrage, und lass Regionalzüge ungebucht. Für die Regionalzüge gilt ein fester Preis, du kannst sie also spontan nehmen. So bleibt deine Route flexibel, ohne dass die teuren Tickets teurer werden.
Wo es ohne Auto schwierig wird
Drei Regionen sind ehrlich gesagt keine Bahnregionen. Das heißt nicht, dass du sie streichen musst, aber du brauchst einen anderen Plan.
Die Toskana-Dörfer
Auf der Bahnlinie liegen Florenz, Pisa, Lucca, Arezzo und Cortona, dessen Bahnhof allerdings unten im Tal liegt. Die Postkartenorte liegen dazwischen: San Gimignano erreichst du per Bus über Poggibonsi, Pienza und Montepulciano per Bus ab Siena oder ab dem Bahnhof Chiusi, Volterra ist am umständlichsten. Nach Siena selbst nimmst du ab Florenz den Direktbus, der ist schneller als der Zug mit Umstieg.
Die Lösung: Nimm Siena oder Florenz als Basis und mach Tagesausflüge mit dem Bus, statt jeden Abend das Quartier zu wechseln. Prüfe die Rückfahrt vorher, am späten Nachmittag wird das Angebot dünn, und an Sonn- und Feiertagen fahren viele Linien seltener.
Apulien und die Trulli
Bari, Lecce und Ostuni hängen am Bahnnetz, wobei der Bahnhof von Ostuni ein paar Kilometer unterhalb der weißen Stadt liegt und ein Shuttlebus hinauffährt. Alberobello mit seinen Trulli erreichst du ab Bari über eine regionale Bahnlinie, das dauert, funktioniert aber. Matera hängt an einer eigenen Regionalbahn ab Bari, am Wochenende gilt dort oft ein anderer Fahrplan.
Die Lösung: eine Basis in Bari oder Lecce, dazu ein Tag mit organisierter Tour oder Taxi ab Bahnhof für die Küste und die Dörfer im Valle d’Itria. Eine Autorundreise bleibt hier klar bequemer, den Vergleich findest du bei der Apulien-Rundreise.
Die Dolomiten-Täler
Bozen, Brixen, Meran und Trient liegen an der Bahn, die spektakulären Täler und Pässe nicht. Südtirol hat dafür allerdings ein dichtes Busnetz, das eng mit der Bahn verzahnt ist, und viele Unterkünfte geben Gästekarten aus, mit denen Bus und Bahn inklusive sind. Frag im Hotel danach, bevor du Einzeltickets kaufst.
Die Lösung: eine Talbasis mit Busanschluss wählen, etwa im Eisacktal oder im Grödnertal, und von dort mit Bus und Seilbahn arbeiten. Was landschaftlich möglich ist, steht bei der Dolomiten-Rundreise und beim Wandern in Italien.
Gut zu wissen: Viele Bahnhöfe in Hügelstädten liegen unterhalb der Altstadt, und der Weg hinauf ist gelöst: In Orvieto fährt eine Standseilbahn, in Perugia eine kleine Bahn zum Zentrum, in Siena bringen dich Rolltreppen hinauf, nach Assisi ein Bus vom Bahnhof im Tal. Rechne trotzdem mit fünfzehn bis zwanzig Minuten extra, und nimm Gepäck mit Rollen, kein Hartschalenmonster für Kopfsteinpflaster.
Die Grundregel: Basis statt Etappenhüpfen
Ohne Auto planst du nicht in Kilometern, sondern in Basen. Such dir eine Stadt mit gutem Bahnanschluss, bleib drei bis vier Nächte und fahr sternförmig hinaus. Das spart Umzugstage, macht die Unterkunft günstiger und du kannst morgens nach Wetterlage entscheiden. Gute Basen sind Florenz, Bologna, Verona, Neapel, Genua und Palermo, weil dort viele Linien zusammenlaufen.
Für die letzten Kilometer gibt es fast immer eine Lösung: Linienbus ab Bahnhof, Taxi für die zehn Kilometer ins Dorf, Fähre an den Küsten, im Sommer Schiffe am Gardasee, an der Amalfiküste und im Golf von Neapel. Ein Taxi für eine kurze Strecke ist immer noch billiger als eine Woche Mietwagen plus Parkgebühren.
Achtung: Streiks gehören in Italien zum Alltag und werden vorher angekündigt, meist mit garantierten Zeitfenstern am Morgen und am Abend. Prüfe vor Reisetagen kurz die Website deiner Bahngesellschaft. Und wenn du doch ein Auto mietest: Informiere dich vorher über die ZTL-Zonen und such dir eine Unterkunft mit eigenem Stellplatz außerhalb der Sperrzone.
Wann ein Auto trotzdem sinnvoll ist
Für Sardinien, das Landesinnere Siziliens, die Weinregionen der Toskana und des Piemont sowie für Wanderurlaube abseits der Täler ist ein Wagen die bessere Wahl. Sinnvoll ist oft die Mischung: Städte per Bahn, dann für drei oder vier Tage ein Auto an einem Bahnhof mieten und danach wieder abgeben. Was dabei zu beachten ist, steht unter Italien mit dem Mietwagen und bei Mit dem Auto nach Italien.
Häufige Fragen
Kann man Italien komplett ohne Auto bereisen?
Für Städtereisen ja, ohne Einschränkung. Die Achse Mailand, Bologna, Florenz, Rom und Neapel funktioniert per Schnellzug besser als mit dem Auto, weil die Bahnhöfe zentral liegen und die Altstädte für Autos gesperrt sind. Schwieriger wird es auf Sardinien, in den Toskana-Dörfern und in den Dolomiten-Tälern, dort brauchst du Busse, Taxis oder eine gut gewählte Basis.
Welche Italien-Route eignet sich für die erste Reise ohne Auto?
Der Klassiker von Mailand nach Neapel mit Halten in Bologna, Florenz und Rom. Zehn bis vierzehn Tage reichen für die fünf Städte plus Abstecher nach Pisa, Lucca, Orvieto und Pompeji. Alles liegt an der Hochgeschwindigkeitsstrecke, die Fahrten dauern selten länger als drei Stunden, und du kommst ohne einen einzigen Mietwagentag aus.
Wie kommt man ohne Auto in die Cinque Terre?
Mit dem Regionalzug. Die Bahnlinie zwischen Levanto und La Spezia hält in allen fünf Dörfern und fährt im dichten Takt. Mit dem Auto kommst du nur bis zu den Parkplätzen oberhalb der Orte, die Zentren selbst sind ZTL. Es gibt ein Kombiticket für Züge und Wanderwege. Anreise ab Genua, Pisa oder Florenz, dann bleibst du an einem der Endpunkte oder in einem der Dörfer.
Sind die Toskana-Dörfer ohne Auto erreichbar?
Teilweise. Siena erreichst du ab Florenz am schnellsten mit dem Direktbus, San Gimignano über Poggibonsi, Pienza und Montepulciano mit Bussen ab Siena oder ab dem Bahnhof Chiusi. Volterra ist am umständlichsten. Nimm eine Basis in Siena oder Florenz, prüfe die Rückfahrzeiten am Nachmittag und rechne an Sonntagen mit einem ausgedünnten Fahrplan.
Lohnt sich eine Bahnfahrkarte für mehrere Fahrten in Italien?
Meist nicht. Italienische Schnellzüge werden mit steigender Nachfrage teurer, wer früh bucht, fährt sehr günstig, und Regionalzüge haben ohnehin einen festen Preis. Pässe rechnen sich nur, wenn du sehr viele lange Strecken spontan fährst. Details zur Preislogik stehen im Guide zu den Zügen in Italien.
Wie kommt man ohne Auto nach Sizilien?
Per Nachtfähre ab Neapel nach Palermo, per Flug oder mit dem Zug über Kalabrien, der bei Messina auf eine Fähre verladen wird. Auf der Insel verbindet die Bahn die Küstenstädte von Palermo über Cefalù bis Catania und Syrakus. Ins Landesinnere und nach Agrigent kommst du besser mit den Überlandbussen.




