Region in Italien

Ligurien: Städte & Highlights

Ligurien ist ein schmaler Streifen zwischen Meer und Apennin, kaum irgendwo mehr als 30 Kilometer breit und in einem weiten Bogen um den Golf von Genua gelegt. Weil dahinter sofort die Berge aufsteigen, klebt fast alles am Hang: Häuser, Weinterrassen, Bahnlinien und Straßen.

Hier bekommst du den Überblick: der Unterschied zwischen Levante und Ponente, welche Orte sich lohnen, warum du die Küste besser mit dem Zug bereist und was du an Focaccia und Pesto wirklich probieren solltest.

Ligurien: Städte & Highlights
Foto: Mathieu Chollet - MChollet, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • HauptstadtGenua
  • Bekannteste OrteGenua, Cinque Terre, Portofino, Portovenere
  • UNESCO-WelterbeCinque Terre mit Portovenere, Palazzi dei Rolli in Genua
  • Empfohlene Dauer4 bis 7 Tage
  • Beste ReisezeitMai, Juni, September und Anfang Oktober
  • AnreiseFlug nach Genua, Bahn ab Mailand, Turin oder Pisa

Was Ligurien ausmacht

Ligurien ist Italiens steilste Küstenregion. Zwischen der französischen Grenze und der Toskana ziehen sich Felsküsten, kleine Buchten und Orte, die sich in Schluchten hineinzwängen oder an Hängen kleben. Landwirtschaft war hier über Jahrhunderte nur auf Terrassen möglich, deren Trockenmauern das Landschaftsbild bis heute prägen. Das erklärt auch die Küche: viel Kräuter, viel Fisch, wenig Fleisch.

Für die Reiseplanung heißt das vor allem eines: Entfernungen sind hier länger, als sie auf der Karte aussehen. Die Küstenstraße windet sich, die Autobahn verschwindet halbe Kilometer lang in Tunneln, und Parkplätze in den bekannten Orten sind rar und teuer. Die Bahn dagegen fährt fast überall direkt am Wasser entlang und hält in jedem Ort, der zählt.

Levante und Ponente: die zwei Hälften

Ligurien teilt sich an Genua. Östlich davon liegt die Riviera di Levante, die Küste der Sonnenaufgänge: felsig, grün, mit Pinien bis ans Wasser, den Cinque Terre, Portofino und dem Golf von La Spezia. Hier sind die berühmten Bilder entstanden, hier ist es im Sommer voll, und hier sind die Preise am höchsten.

Westlich von Genua liegt die Riviera di Ponente, die Küste der Sonnenuntergänge. Sie ist flacher, breiter und stärker auf italienischen Badeurlaub ausgelegt: lange Strandbäder, Palmen, Blumenzucht im Hinterland, Orte wie San Remo, Alassio, Finale Ligure und Bordighera. Wer Strand mit Sand statt Fels sucht, Kinder dabei hat oder schlicht bezahlbare Zimmer will, ist im Ponente oft besser aufgehoben. Wer die Postkarten sucht, fährt in den Levante.

Die Orte, die sich lohnen

1 Genua

Genua ist die große Unterschätzte. Die Altstadt aus engen Gassen, den Caruggi, gehört zu den größten geschlossenen Altstadtgebieten Europas und wirkt teils düster, teils prächtig. In der Via Garibaldi stehen die Palazzi dei Rolli, Adelspaläste, die im 16. Jahrhundert Staatsgäste beherbergen mussten und heute Museen sind. Am alten Hafen zieht das Aquarium Familien an.

Genua ist keine hübsche Stadt im Sinne von Lucca oder Verona, sie ist rau, laut und lebt vom Hafen. Genau das macht sie interessant. Zwei Tage lohnen sich, und als Verkehrsknoten kommst du ohnehin durch.

2 Cinque Terre

Die Cinque Terre sind fünf Dörfer an einem Steilküstenabschnitt im Osten: Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore. Zusammen mit Portovenere und den vorgelagerten Inseln bilden sie ein UNESCO-Welterbe. Verbunden sind sie durch Wanderwege über die Terrassen und durch eine Bahnlinie, die fast komplett im Fels verläuft.

Sei auf Andrang eingestellt: An Sommertagen und bei Kreuzfahrtanläufen sind die Gassen von Vernazza und Riomaggiore stellenweise kaum passierbar. Übernachte in einem der Dörfer oder in Levanto und La Spezia, dann hast du die frühen und späten Stunden für dich.

3 Portofino

Portofino ist ein winziger Fischerhafen, der seit Jahrzehnten Luxusadresse ist: pastellfarbene Häuser um ein Hafenbecken, Yachten davor, Preise entsprechend. Der Ort selbst ist in einer Stunde durchschritten, der Reiz liegt im Weg dorthin und in den Blicken von der Kirche San Giorgio und dem Leuchtturm.

Fahre auf keinen Fall mit dem eigenen Auto hinein. Nimm den Zug nach Santa Margherita Ligure und von dort Bus oder Boot, das ist billiger, schneller und nervenschonender.

4 Portovenere

Portovenere liegt am Südende des Golfs von La Spezia und ist für viele die schönere Alternative zu den Cinque Terre: eine Reihe hoher, bunter Häuser als geschlossene Front zum Wasser, dahinter eine Burg, am Felsvorsprung die schwarz-weiß gestreifte Kirche San Pietro über der offenen See.

Einen Bahnhof gibt es nicht, du kommst mit dem Bus ab La Spezia oder per Boot. Genau deshalb ist es hier merklich ruhiger als in den fünf Dörfern nebenan.

Focaccia, Pesto und der Rest der Küche

Ligurien isst anders als der Rest Norditaliens. Focaccia ist hier Grundnahrungsmittel und wird schon morgens gegessen, salzig, ölig und am besten warm aus einer Bäckerei ohne Sitzplätze. Eine eigene Klasse ist die Focaccia di Recco, hauchdünn und mit weichem Käse gefüllt, benannt nach dem Ort östlich von Genua.

Pesto alla genovese ist die zweite Institution: Basilikum, Pinienkerne, Knoblauch, Pecorino und Parmesan, Olivenöl, klassisch im Mörser gerieben. Serviert wird es meist zu Trofie oder Trenette, oft mit Kartoffelwürfeln und Bohnen in derselben Schüssel, das gehört so. Dazu kommen Farinata, ein dünner Fladen aus Kichererbsenmehl, gefüllte Teigtaschen und viel kleiner Fisch, Sardellen zumal.

Gut zu wissen: Das Coperto auf der Rechnung ist keine Abzocke, sondern ein üblicher Gedeckpreis pro Person, der in Ligurien fast überall erhoben wird. Er steht auf der Speisekarte und deckt Brot, Besteck und Service ab. Trinkgeld ist danach kein Muss, ein paar aufgerundete Euro für gutes Essen sind trotzdem gern gesehen.

Küstenzüge: die beste Fortbewegung

Die Bahnlinie von Genua über Levanto und La Spezia Richtung Toskana ist das Rückgrat der Region. Zwischen La Spezia und Levanto verkehrt tagsüber ein dichter Takt, der alle fünf Cinque-Terre-Dörfer bedient, dazu gibt es Tagesfahrkarten, die Zug und Wanderwege kombinieren. Details und Preise ändern sich, prüfe sie im offiziellen Verkauf am Bahnhof.

Mit dem Auto ist die Küste dagegen Arbeit: enge Serpentinen, ausgebuchte Parkhäuser, in den Ortskernen ZTL-Zonen mit Kameras, deren Bescheide Monate später ankommen. Wie das System funktioniert, erklärt die Übersicht zu den ZTL-Zonen in Italien. Wenn du ohnehin mit der Bahn anreist, findest du unter mit dem Zug durch Italien die Grundlagen zu Ticketarten und Reservierung.

Beste Reisezeit und Route

Mai, Juni, September und der frühe Oktober sind ideal: warm genug zum Baden ab Juni, aber ohne die Julihitze und ohne die Menge, die im August die Küste füllt. Ostern und die Maifeiertage sind kurze Spitzen, danach wird es wieder ruhiger. Im Winter schließt an der Küste vieles, Genua funktioniert als Stadt aber ganzjährig.

Eine gute Woche sieht so aus: zwei Nächte Genua, danach vier Nächte im Levante mit Basis in Levanto, Monterosso oder La Spezia. Von dort erreichst du Cinque Terre, Portovenere und Portofino alle per Zug und Boot. Wer Strand will, hängt zwei Nächte im Ponente an. Zum Vergleich mit der anderen berühmten Küste lohnt der Blick auf Amalfiküste oder Cinque Terre.

Tipp: Wandere die Cinque Terre gegen den Strom. Die meisten starten morgens in Riomaggiore und laufen nach Norden. Nimm den ersten Zug nach Monterosso und laufe von dort südwärts, dann hast du die Aussicht im Rücken der Gruppen und bist mittags dort, wo alle erst nachmittags eintreffen. Feste Schuhe sind Pflicht, einzelne Abschnitte können nach Regen gesperrt sein.

Ehrliche Einschätzung

Ligurien ist im Sommer teuer und stellenweise überlaufen, und die Vorstellung vom stillen Fischerdorf hält in Vernazza im August keine zehn Minuten. Trotzdem ist die Region eine der stärksten Küsten Europas, weil sie mit Genua eine echte Stadt hat und nicht nur Ferienorte, weil man sie fast komplett mit dem Zug bereisen kann und weil die Küche eigenständig ist. Komm im Mai oder September, wohne einen Ort neben dem berühmten und lass das Auto stehen, dann stimmt das Verhältnis.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für Ligurien?

Vier bis sieben Tage sind ein guter Rahmen. Zwei Nächte Genua und vier Nächte im Levante reichen für die Cinque Terre, Portovenere und Portofino, ohne dass es hektisch wird. Wer zusätzlich baden und den Ponente sehen will, plant besser zehn Tage. Für einen reinen Cinque-Terre-Trip genügen drei volle Tage.

Levante oder Ponente: Wo soll ich wohnen?

Der Levante östlich von Genua hat die berühmten Orte, die Steilküste und die höheren Preise. Der Ponente westlich davon ist flacher, hat mehr Sandstrände, Strandbäder und günstigere Zimmer und ist stärker auf italienische Familien ausgelegt. Für Sightseeing nimm den Levante, für Badeurlaub mit Kindern eher den Ponente.

Braucht man in Ligurien ein Auto?

Besser nicht. Die Küstenbahn hält in fast allen relevanten Orten und fährt dicht, während die Straßen eng und die Parkplätze knapp und teuer sind. In den Ortskernen gelten außerdem ZTL-Zonen mit Kameras. Ein Auto lohnt nur, wenn du ins Hinterland willst, dann parkst du es tagsüber am besten am Bahnhof.

Wann ist die beste Reisezeit für die ligurische Küste?

Mai, Juni, September und der frühe Oktober. Ab Juni ist das Meer warm genug, die Menge hält sich außerhalb von Juli und August in Grenzen. Im August ist die ganze Küste voll und teuer, weil dann auch die Italiener Ferien haben. Im Winter schließen viele Betriebe in den kleinen Orten, Genua bleibt ganzjährig lebendig.

Was muss man in Ligurien unbedingt essen?

Focaccia aus einer einfachen Bäckerei, am besten warm und schon zum Frühstück. Dazu Pesto alla genovese zu Trofie oder Trenette, oft mit Kartoffeln und Bohnen gemeinsam angerichtet. Probiere außerdem Farinata aus Kichererbsenmehl und, wenn du östlich von Genua bist, die dünne mit Käse gefüllte Focaccia di Recco.