Ligurien · Italien

Genua: Sehenswürdigkeiten & Tipps

Genua ist die unterschätzteste Großstadt Italiens: eine stolze alte Seerepublik mit prunkvollen Palästen, einem der größten mittelalterlichen Altstadtviertel Europas und einem Hafen, an dem seit über tausend Jahren gearbeitet wird. Poliert ist hier wenig, dafür ist alles echt.

Zwischen den engen Caruggi-Gassen warten die UNESCO-gelisteten Rolli-Paläste, das Aquarium am Porto Antico begeistert Kinder wie Erwachsene, und das Pesto stammt tatsächlich von hier. Dieser Guide zeigt dir, was du sehen musst und wie du die Stadt richtig angehst.

Genua: Sehenswürdigkeiten & Tipps
Foto: Julian Lupyan, CC0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionLigurien
  • UNESCOLe Strade Nuove und die Rolli-Paläste, seit 2006
  • AltstadtEines der größten mittelalterlichen Zentren Europas
  • Empfohlene Dauer1 bis 2 Tage
  • AnreiseBahn ab Mailand ca. 1,5 bis 2 Std., ab Turin ca. 2 Std.
  • Beste ReisezeitApril bis Juni, September und Oktober

Warum Genua?

Genua war jahrhundertelang eine der reichsten Städte des Mittelmeers, Rivalin Venedigs und Geburtsstadt von Christoph Kolumbus. Diesen Reichtum siehst du bis heute: Die Bankiersfamilien der Renaissance bauten sich entlang der Strade Nuove Paläste, die so prächtig waren, dass die Republik sie per Los als offizielle Gästehäuser für Staatsbesuche nutzte, das sogenannte Rolli-System. Gleichzeitig ist Genua eine ehrliche Hafen- und Arbeiterstadt geblieben. Wer nach Mailand oder Florenz eine Stadt ohne Kulissencharakter sucht, wird hier glücklich.

Die Caruggi: ehrlich betrachtet

Das Gassenlabyrinth zwischen Hafen und Via Garibaldi ist das Herz der Stadt: teils kaum zwei Meter breite Caruggi, in denen sich Friggitorie, Weinbars und winzige Läden aneinanderreihen. Die Wäsche hängt über den Köpfen, das Licht kommt nur mittags bis zum Pflaster. Ganz ehrlich: Einige Ecken rund um die Via di Prè und den Hafenrand wirken nachts heruntergekommen, hier gibt es Straßenprostitution und dunkle Winkel. Tagsüber ist das Viertel unproblematisch, abends bleibst du auf den belebten Achsen und behältst die Wertsachen wie in jeder Großstadt im Blick.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten

1 Via Garibaldi und die Rolli-Paläste

Die „Goldene Straße“ der Renaissance ist eine einzige Abfolge von Prunkfassaden. Drei Paläste bilden zusammen die Musei di Strada Nuova: Palazzo Rosso mit Gemäldegalerie und Aussichtsterrasse, Palazzo Bianco mit flämischer und genuesischer Malerei, Palazzo Doria Tursi mit dem Rathaus und Erinnerungsstücken an den Geiger Paganini. Allein die Treppenhäuser und Innenhöfe lohnen den Eintritt.

2 Acquario di Genova

Das größte Aquarium Italiens liegt direkt am Porto Antico und ist mit Kindern der beste Programmpunkt der Stadt: Delfine, Haie, Robben, Quallen und begehbare Tropenhallen, konzipiert für gut zwei bis drei Stunden. In den Ferien bilden sich lange Schlangen, buche dein Zeitfensterticket vorab online.

Tickets: Fürs Aquarium gibt es Zeitfenstertickets, die du am besten vorab auf der offiziellen Website buchst. An Ferienwochenenden sind die Vormittagsslots schnell weg, dann ist der späte Nachmittag die entspannteste Wahl.

Zur offiziellen Website

3 Porto Antico

Den alten Hafen hat Stararchitekt Renzo Piano, selbst Genuese, zum Flanierviertel umgebaut: mit dem Panorama-Aufzug Bigo, der Glaskugel Biosfera und viel Platz am Wasser. Abends treffen sich hier Familien und Studenten, es ist der entspannteste Ort der Stadt für einen Aperitivo.

4 Kathedrale San Lorenzo

Die schwarz-weiß gestreifte Kathedrale ist Genuas geistliches Zentrum. Im rechten Seitenschiff erinnert eine britische Schiffsgranate daran, dass beim Beschuss der Stadt 1941 ein Geschoss die Mauern der Kathedrale durchschlug, ohne zu explodieren. Das Kirchenschatzmuseum zeigt unter anderem den Sacro Catino, eine Schale, die lange für den Heiligen Gral gehalten wurde.

5 Palazzo Ducale und Piazza De Ferrari

Der frühere Sitz der Dogen ist heute das Kulturzentrum der Stadt mit großen Wechselausstellungen. Direkt dahinter liegt die Piazza De Ferrari mit ihrem runden Brunnen, das repräsentative Scharnier zwischen Altstadt und dem eleganten 19.-Jahrhundert-Genua.

6 Spianata Castelletto

Der beste Blick über das Dächermeer: Ein Jugendstil-Aufzug von 1909 bringt dich von der Piazza Portello hinauf zur Aussichtsterrasse Castelletto. Von oben verstehst du erst, wie dicht sich die Altstadt zwischen Hafen und Hügel drängt. Ideal zum Sonnenuntergang.

7 Boccadasse

Am östlichen Stadtrand liegt das alte Fischerdorf Boccadasse: pastellfarbene Häuser um eine kleine Kiesbucht, Boote auf dem Strand, Gelaterie mit Blick aufs Meer. Mit dem Bus oder in einem langen Spaziergang über die Uferpromenade Corso Italia erreichbar, perfekt für den späten Nachmittag.

8 Palazzo Reale

An der Via Balbi steht der frühere Königspalast: ein Adelspalast, den später das Haus Savoyen übernahm. Höhepunkt ist die Spiegelgalerie, dazu kommen Prunkräume mit Deckenfresken und eine Terrasse über dem Hafen. Wer nach den Musei di Strada Nuova noch Lust auf Innenräume hat, bekommt hier den prächtigsten Palast der Stadt.

9 Galata Museo del Mare

Das Seefahrtsmuseum an der Darsena erzählt Genuas Geschichte als Seemacht: eine begehbare Galeere, eine Abteilung über die Auswanderung nach Amerika und ein echtes U-Boot, das draußen im Wasser liegt. Für Regentage und für Kinder ab Grundschulalter ist das die beste Alternative zum Aquarium nebenan.

10 Mercato Orientale

Die große Markthalle liegt zwischen der Via XX Settembre und der Altstadt: Gemüse, Fisch, Käse, Kräuter, dazwischen Stände, an denen direkt gegessen wird. Hier siehst du, was in der ligurischen Küche wirklich landet, und kaufst Pesto oder Olivenöl dort ein, wo die Genueser einkaufen. Vormittags ist am meisten los.

11 Cimitero di Staglieno

Der Monumentalfriedhof im Tal des Bisagno ist eine der größten Sammlungen bürgerlicher Grabskulptur in Europa: Marmorfiguren des 19. Jahrhunderts, lange Säulenhallen, dazwischen das Grab von Giuseppe Mazzini. Er liegt außerhalb des Zentrums und ist per Stadtbus erreichbar, ein starker Programmpunkt für den zweiten Tag.

Tipp: Nimm die Reihenfolge ernst: morgens Rolli-Paläste und Caruggi, mittags Aquarium oder Hafen, abends Castelletto und Boccadasse. So läufst du mit dem Licht und gegen die Besucherströme der Kreuzfahrtschiffe, die meist mittags durch die Altstadt ziehen.

Pesto, Focaccia und die Küche Genuas

Genua ist die Heimat des Pesto Genovese: Basilikum, Pinienkerne, Parmesan, Pecorino, Knoblauch und ligurisches Olivenöl, klassisch zu Trofie oder Trenette serviert. Ebenso wichtig sind Focaccia, die hier zum Frühstück in den Cappuccino getunkt wird, und Farinata, ein Kichererbsenfladen aus dem Holzofen. Die besten Adressen sind unscheinbare Sciamadde und Friggitorie in den Caruggi, nicht die Restaurants mit Bildern in der Speisekarte. Das Gedeck (Coperto) auf der Rechnung ist übrigens normal und kein Betrug.

Anreise, ZTL und Verkehr

Die Bahn ist erste Wahl: Von Mailand und Turin bist du in etwa zwei Stunden da, die Stationen Genova Piazza Principe und Brignole liegen beide stadtnah. Mit dem Auto brauchst du Genua nicht: Die Innenstadt ist teilweise ZTL-Zone mit Kameraüberwachung, Parkplätze sind rar und teuer, und die Stadtautobahn ist berüchtigt. Mehr dazu im Guide zu den ZTL-Zonen in Italien. In der Stadt selbst gehst du fast alles zu Fuß, für die Hügel gibt es Aufzüge und Zahnradbahnen.

Wie viel Zeit und was kombinieren?

Ein voller Tag zeigt dir die Highlights, mit Aquarium und Boccadasse sind zwei Tage das bessere Maß. Genua ist außerdem der ideale Startpunkt für Ligurien: Die Züge der Riviera di Levante bringen dich in einer halben bis dreiviertel Stunde nach Santa Margherita und Portofino und in gut einer Stunde zu den Cinque Terre. Wer Städte am Meer liebt, findet in unserer Übersicht italienischer Städte am Meer weitere Ideen.

Zwei Tage in Genua: ein konkreter Plan

Tag eins gehört der Altstadt: morgens die Via Garibaldi mit einem der Musei di Strada Nuova, danach hinüber zur Via Balbi und in den Palazzo Reale. Mittags Focaccia oder Farinata in den Caruggi, nachmittags San Lorenzo, Palazzo Ducale und die Piazza De Ferrari. Zum Sonnenuntergang fährst du mit dem Aufzug hinauf nach Castelletto, abends gibt es Aperitivo in der Altstadt.

Tag zwei gehört dem Meer: vormittags das Aquarium mit vorab gebuchtem Zeitfenster, danach der Porto Antico und, wenn dich Seefahrt interessiert, das Galata Museo del Mare. Nachmittags an die Uferpromenade Corso Italia und weiter nach Boccadasse, wo du den Tag mit einem Eis am Wasser beendest. Wer lieber Skulptur als Strand mag, tauscht Boccadasse gegen Staglieno. Für einen einzigen Tag streichst du Museen und läufst nur die Achse Via Garibaldi, Caruggi, San Lorenzo, Porto Antico.

Was du dir in Genua sparen kannst

Das kleine Haus neben der Porta Soprana, das als Haus des Kolumbus vermarktet wird, ist ein Wiederaufbau und in wenigen Minuten gesehen, von außen anschauen reicht. Auch der Aussichtskran Bigo am Hafen ist mehr Attraktion als Aussicht, der Blick von Castelletto ist besser. Richtig voll wird die Stadt, wenn Kreuzfahrtschiffe anlegen: Dann schieben sich mittags Gruppen durch die Via Garibaldi und über den Porto Antico. Geh in diesen Stunden bewusst in die Seitengassen, dort liegt ohnehin das interessantere Genua. Und unterschätze die Hügel nicht, Genua ist zu Fuß anstrengender, als der Stadtplan aussieht.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Genua27°Cteils bewölkt
  • Wärmster MonatAugust, 29 °C
  • Kühlster MonatJanuar, 5 °C
  • Trockenster MonatJuli
  • Höhe19 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

11°5°J
12°6°F
15°8°M
18°10°A
21°14°M
25°19°J
28°21°J
29°21°A
25°18°S
20°14°O
15°9°N
12°6°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

102mm10 TageJ
137mm12 TageF
124mm11 TageM
102mm11 TageA
112mm15 TageM
81mm11 TageJ
40mm8 TageJ
60mm9 TageA
106mm10 TageS
256mm13 TageO
168mm12 TageN
134mm11 TageD

Entfernung ab deutschen Flughäfen

AbEntfernungFlugzeit ca.
Stuttgart (STR)477 km1 Std. 10 Min.
München (MUC)490 km1 Std. 10 Min.
Frankfurt (FRA)627 km1 Std. 20 Min.
Köln/Bonn (CGN)731 km1 Std. 30 Min.
Düsseldorf (DUS)783 km1 Std. 35 Min.
Berlin (BER)947 km1 Std. 45 Min.
Hamburg (HAM)1.029 km1 Std. 50 Min.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Flugzeit ist aus der Luftlinie geschätzt und setzt einen Direktflug voraus, nicht von jedem Flughafen gibt es eine direkte Verbindung.

Städte in der Nähe

StadtEntfernungMit dem Auto etwa
Portofino24 km30 km, 0 Std. 15 Min.
Cinque Terre72 km90 km, 1 Std. 0 Min.
Portovenere81 km100 km, 1 Std. 15 Min.
Parma118 km150 km, 1 Std. 45 Min.
Mailand119 km150 km, 1 Std. 45 Min.
Turin124 km150 km, 1 Std. 45 Min.

Entfernungen sind Luftlinie, die Fahrzeit ist aus der Straßenentfernung geschätzt und hängt von Route und Verkehr ab.

Häufige Fragen

Lohnt sich Genua wirklich?

Ja, gerade weil es kein Museumsstädtchen ist. Genua bietet mit den Rolli-Palästen große Kunst, mit den Caruggi ein einmaliges Altstadtlabyrinth und mit dem Aquarium einen Top-Programmpunkt für Familien. Die Stadt ist rauer als Florenz oder Verona, aber genau das macht sie interessant: Hier erlebst du italienischen Alltag statt Kulisse.

Wie viele Tage braucht man für Genua?

Ein intensiver Tag reicht für Via Garibaldi, Kathedrale, Caruggi und Porto Antico. Mit dem Aquarium, das allein zwei bis drei Stunden dauert, dem Aufzug nach Castelletto und einem Abstecher nach Boccadasse sind zwei Tage deutlich entspannter. Als Basis für Ausflüge nach Portofino oder in die Cinque Terre kannst du auch länger bleiben.

Ist Genua gefährlich?

Nein, aber Genua ist eine echte Hafenstadt. Tagsüber kannst du dich in der gesamten Altstadt frei bewegen. Nachts wirken einzelne Gassen rund um die Via di Prè und den Hafenrand ungemütlich, dort gibt es Straßenprostitution. Bleib abends auf den belebten Achsen, sichere Wertsachen gegen Taschendiebe, dann ist Genua nicht riskanter als andere Großstädte.

Ist das Aquarium von Genua mit Kindern zu empfehlen?

Unbedingt, es ist einer der besten Familien-Programmpunkte Norditaliens. Delfine, Haie, Pinguine und begehbare Tropenhallen füllen locker zwei bis drei Stunden, alles ist wettergeschützt. Buche vorab ein Zeitfensterticket auf der offiziellen Website, an Ferienwochenenden sind die Vormittage schnell ausgebucht. Danach liegt der Porto Antico mit viel Auslauf direkt vor der Tür.

Was sind die Rolli-Paläste?

Die Rolli waren offizielle Listen von Adelspalästen, die die Republik Genua ab dem 16. Jahrhundert führte: Wer auf der Liste stand, musste Staatsgäste beherbergen, per Los zugeteilt. Rund um die Via Garibaldi kannst du mehrere dieser Paläste besichtigen, allen voran die Musei di Strada Nuova. Seit 2006 gehört das Ensemble zum UNESCO-Welterbe.

Was muss man in Genua gegessen haben?

Drei Dinge: Focaccia, die hier morgens sogar in den Cappuccino getunkt wird, Farinata aus Kichererbsenmehl und Pesto Genovese, klassisch zu Trofie oder Trenette. Dazu kommen die kleinen frittierten Spezialitäten aus den Sciamadde in den Caruggi. Zum Einkaufen von Pesto und Olivenöl lohnt der Mercato Orientale zwischen Altstadt und Via XX Settembre.