Reise-Inspiration

Sicher unterwegs in Rom und Neapel

Rom und Neapel haben einen Ruf, der schlechter ist als die Wirklichkeit. Gewaltkriminalität gegen Reisende ist in beiden Städten selten. Was tatsächlich passiert, ist Taschendiebstahl, und der passiert dort, wo viele Menschen dicht stehen: in bestimmten Bussen, an bestimmten Bahnhöfen, vor bestimmten Sehenswürdigkeiten.

Hier steht, wo diese Orte liegen, welche Maschen es gibt, wie du Taxifahrten sauber abmachst und was du tust, wenn doch etwas weg ist. Ohne Panikmache und ohne den Rat, gar nicht erst hinzufahren.

Sicher unterwegs in Rom und Neapel
Foto: Philip Mallis, CC BY-SA 2.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Notruf112, europaweit und kostenlos
  • Häufigstes DeliktTaschendiebstahl, fast immer ohne Gewalt
  • Hotspots RomBus 64, Bahnhof Termini, Trevi-Brunnen
  • Hotspots NeapelCircumvesuviana, Piazza Garibaldi
  • Nach einem DiebstahlAnzeige (denuncia) bei Polizei oder Carabinieri

Wie gefährlich ist es wirklich?

Wenig, wenn du ein paar Gewohnheiten änderst. In beiden Städten laufen jeden Tag Hunderttausende Touristen herum, und die allermeisten fahren ohne Zwischenfall wieder nach Hause. Was du hörst, sind Erzählungen über gestohlene Handys und aufgeschnittene Rucksäcke, nicht über Überfälle.

Wichtig ist die Unterscheidung: Organisierte Kriminalität existiert in Neapel, betrifft aber Reisende praktisch nie. Wovon du betroffen sein kannst, ist Gelegenheitsdiebstahl. Der lässt sich mit Aufmerksamkeit an drei oder vier Orten fast vollständig ausschließen.

Rom: wo tatsächlich geklaut wird

Bus 64. Die Linie fährt von Termini zum Vatikan und ist unter Taschendieben so bekannt, dass sie einen Spitznamen hat. Gleiches gilt abgeschwächt für den 40er auf fast derselben Strecke. Wenn der Bus voll ist, hast du deinen Rucksack vor dem Bauch oder du steigst nicht ein. Alternativ nimmst du die Metro oder läufst, die Strecke ist zu Fuß angenehm. Mehr zu Linien und Tickets im Verkehrs-Guide für Rom.

Bahnhof Termini und Metro A. Rund um Termini und in den vollen Zügen zwischen Termini und Ottaviano wird am meisten gearbeitet, besonders in der Rushhour und wenn Reisende mit Koffern einsteigen. Der klassische Moment ist das Gedränge in der Tür, kurz bevor sie zugeht.

Trevi-Brunnen, Spanische Treppe, Kolosseum. Überall dort, wo alle nach oben oder aufs Handy schauen, sinkt die Aufmerksamkeit. Am Trevi-Brunnen steht man außerdem so dicht, dass eine fremde Hand an der Hosentasche nicht auffällt.

Neapel: wo tatsächlich geklaut wird

Circumvesuviana. Die Regionalbahn nach Pompeji, Herculaneum und Sorrent ist die klassische Touristenstrecke und entsprechend beliebt. Die Züge sind oft überfüllt, die Bahnsteige unübersichtlich. Rucksack auf den Schoß, Handy nicht in der Gesäßtasche, beim Aussteigen nicht drängeln lassen.

Piazza Garibaldi und Napoli Centrale. Der Bahnhofsvorplatz ist der unruhigste Ort der Stadt. Nicht gefährlich, aber voll und schnell. Halte dort keine Landkarte und kein offenes Portemonnaie in der Hand.

Handy in der Hand am Straßenrand. In Neapel gibt es Diebstähle vom Roller aus. Das trifft vor allem Leute, die dicht an der Fahrbahn stehen und telefonieren oder navigieren. Die Lösung ist banal: Stell dich zum Tippen an die Hauswand, nicht an den Bordstein, und trag die Tasche auf der von der Straße abgewandten Seite. In den engen Gassen von Spaccanapoli ist das ohnehin kein Thema.

Gut zu wissen: Neapel ist abends in den belebten Vierteln völlig normal unterwegs. Was du meidest, sind menschenleere Straßen am Bahnhofsrand nach Mitternacht. Welche Viertel sich zum Übernachten eignen, steht unter Hotels in Neapel.

Die Maschen, die du kennen solltest

1 Das Freundschaftsband

Jemand ist ausgesprochen freundlich, greift nach deinem Handgelenk und knotet ein Bändchen daran. Danach wird Geld verlangt, oft lautstark. Lass dich nicht anfassen, halte die Hände unten und geh weiter. Ein klares Nein reicht, eine Diskussion nicht.

2 Das Klemmbrett

Eine Gruppe hält dir eine angebliche Petition hin. Während du liest, arbeitet unter dem Brett eine zweite Hand an deiner Tasche. Nichts unterschreiben, nicht stehen bleiben.

3 Der Rempler in der Tür

Im Bus oder in der Metro blockiert jemand den Einstieg, hinter dir wird geschoben. In diesen zwei Sekunden ist das Handy weg. Steig deshalb mit dem Rucksack vor dem Körper ein und behalte die Hand auf der Tasche.

4 Der falsche Beamte

Zwei Männer in Zivil zeigen einen Ausweis und wollen dein Bargeld auf Falschgeld prüfen. Echte Polizisten tun das nie. Geh Richtung eines belebten Orts oder eines echten Streifenwagens und gib nichts aus der Hand.

5 Der Helfer am Ticketautomaten

Am Automaten bietet dir jemand ungefragt Hilfe an und tippt für dich. Am Ende fehlt Wechselgeld oder du hast ein falsches Ticket. Kauf am Schalter, in der Tabaccheria oder per offizieller App.

6 Die Rose und das Armband

Ein Geschenk, das keines ist: Rose, Armband, Kastanien. Sobald du es in der Hand hältst, wird kassiert. Freundlich ablehnen und nichts annehmen.

7 Das Restaurant ohne Preise

Klassisch an Touristenplätzen: Der Kellner empfiehlt den Fisch, der nach Gewicht abgerechnet wird, und die Rechnung überrascht. Bestell nur, was auf einer Karte mit Preisen steht, und lass dir bei Fisch den Kilopreis nennen.

Achtung: Der Coperto auf der Rechnung ist kein Betrug. Er ist das übliche Gedeck pro Person, muss auf der Speisekarte ausgewiesen sein und ist in vielen Regionen völlig normal. Beschwer dich also nicht darüber, sondern prüfe lieber, ob die Preise überhaupt angeschrieben waren. Mehr dazu unter Essen und Trinken in Rom.

Taxi: die Absprachen, die du treffen solltest

Nimm nur offizielle Taxis. In Rom sind sie weiß, haben ein Dachschild und eine Lizenznummer an der Tür, in Neapel ebenfalls weiß mit Stadtwappen. Steig nie bei jemandem ein, der dich in der Ankunftshalle anspricht, sondern geh zum ausgeschilderten Taxistand.

Für Fahrten von den römischen Flughäfen ins historische Zentrum gibt es einen amtlich festgelegten Festpreis. Nenn beim Einsteigen dein Ziel und frag ausdrücklich nach der tariffa fissa. In Neapel heißt das Pendant tariffa predeterminata und gilt für viele Standardstrecken, etwa Bahnhof zu Hafen oder Flughafen. Verlang die Liste, sie muss im Wagen vorhanden sein.

Sonst gilt: Taxameter an, keine Pauschalpreise aus dem Bauch, und wenn du unsicher bist, nimm eine der in Italien üblichen Taxi-Apps, dann steht der Preis vorher fest. Öffentliche Alternativen findest du im Verkehrs-Guide für Neapel.

Was du tust, wenn doch etwas weg ist

  • Karten sperren, sofort. Für deutsche Karten funktioniert der zentrale Sperrnotruf 116 116, aus dem Ausland mit der Vorwahl davor. Zusätzlich in der Banking-App sperren, das geht meist schneller.
  • Handy orten und sperren. Aktiviere aus der Ferne den Verlustmodus. Lauf niemandem hinterher und such das Gerät nicht selbst.
  • Anzeige erstatten. Die denuncia bekommst du bei der Polizia di Stato oder den Carabinieri. Du brauchst sie für die Versicherung und für neue Papiere. Nimm dir Zeit, es dauert.
  • Papiere ersetzen. Ist der Pass weg, hilft das zuständige deutsche Konsulat mit einem Reiseausweis. Ein Foto oder eine Kopie deiner Dokumente im Cloud-Speicher beschleunigt das enorm.
  • Notruf 112. Der gilt europaweit, funktioniert auf Englisch und ist kostenlos.

Tipp: Trenn dein Geld. Eine Karte und ein kleiner Schein am Körper, der Rest im Hotelsafe. Dann ist ein Diebstahl ärgerlich statt reiseentscheidend. Weitere Alltagstipps für die Hauptstadt stehen unter Rom: Insider-Tipps, allgemeine Orientierung im Rom-Guide und im Neapel-Guide.

Häufige Fragen

Ist Neapel gefährlicher als Rom?

Für Reisende kaum. Neapel wirkt ungeordneter und lauter, was viele als Bedrohung lesen. Beim Taschendiebstahl nehmen sich beide Städte wenig, die Hotspots sind nur andere: in Rom Busse und Termini, in Neapel die Circumvesuviana und der Bahnhofsvorplatz. Mit denselben Gewohnheiten bist du in beiden gut unterwegs.

Welche Buslinie in Rom ist besonders betroffen?

Der Bus 64 zwischen Termini und Vatikan, weil dort fast nur Touristen mitfahren und der Bus regelmäßig überfüllt ist. Der 40er auf ähnlicher Strecke ist ebenfalls beliebt bei Dieben. Nimm Rucksack und Tasche vor den Körper oder weich auf Metro und Fußweg aus.

Kann ich in Rom und Neapel abends ausgehen?

Ja, das gehört zum Besten, was beide Städte zu bieten haben. Bleib in belebten Vierteln, meide leere Straßen rund um die Bahnhöfe nach Mitternacht und nimm für den Rückweg ein offizielles Taxi oder eine Taxi-App. Trastevere in Rom und die Altstadtgassen Neapels sind abends gut besucht.

Was mache ich, wenn mein Portemonnaie gestohlen wurde?

Erst Karten sperren, dann Anzeige erstatten. Die denuncia bei Polizia di Stato oder Carabinieri brauchst du für die Versicherung und für Ersatzpapiere. Ist der Ausweis weg, stellt das zuständige Konsulat einen Reiseausweis aus. Kopien deiner Dokumente im Cloud-Speicher sparen dabei viel Zeit.

Sind Geldgürtel und Anti-Diebstahl-Rucksäcke nötig?

Nötig nicht, hilfreich teilweise. Wichtiger als teures Zubehör ist, Wertsachen zu verteilen und die Tasche in vollen Bussen vor dem Körper zu tragen. Eine Innentasche mit Reißverschluss reicht meist. Was nichts bringt: die Brieftasche in der hinteren Hosentasche.