Auf einen Blick
- StartpunktBari, Rückreise ab Brindisi
- Empfohlene Dauer10 Tage, mit Gargano 14
- Basiszwei Standorte: Valle d'Itria und Salento
- FortbewegungMietwagen, Städte zu Fuß
- Beste ReisezeitMai, Juni, September und Oktober
- UnterkunftMasseria im Landesinneren, Stadtquartier in Lecce
Die Route auf einen Blick
Apulien ist lang. Vom Gargano im Norden bis zur Südspitze bei Santa Maria di Leuca sind es mehrere hundert Kilometer, und wer versucht, alles mitzunehmen, verbringt den Urlaub auf der Staatsstraße. Deshalb arbeitet diese Route mit zwei Basen statt mit sechs Hotels: eine im Valle d’Itria zwischen Alberobello und Ostuni, eine im Salento in oder bei Lecce.
Von diesen beiden Standorten erreichst du fast alles als Tagesausflug. Du packst zweimal aus statt achtmal, und die gesparte Zeit steckst du in lange Abendessen und Nachmittage am Wasser. Ein Mietwagen ist auf dieser Route Pflicht, die Bahn deckt nur die Achse Bari, Brindisi und Lecce ab.
| Tag | Etappe | Übernachtung | Fahrzeit |
|---|---|---|---|
| 1 | Ankunft Bari, Altstadt und Lungomare | Bari | ohne Auto |
| 2 | Polignano a Mare und Monopoli, weiter ins Valle d’Itria | Valle d’Itria | rund 1,5 Stunden mit Stopps |
| 3 | Alberobello, Locorotondo, Cisternino | Valle d’Itria | kurze Etappen |
| 4 | Ostuni und die Strände bei Torre Guaceto | Valle d’Itria | unter 1 Stunde |
| 5 | Matera als Tagesausflug | Valle d’Itria | gut 1 Stunde je Richtung |
| 6 | Martina Franca, danach Umzug in den Salento | bei Lecce | rund 1,5 Stunden |
| 7 | Lecce | bei Lecce | kurz |
| 8 | Otranto und die Adriaküste | bei Lecce | rund 1 Stunde |
| 9 | Gallipoli und die ionische Seite | bei Lecce | rund 1 Stunde |
| 10 | Santa Maria di Leuca und Rückweg über die Küstenstraße | bei Lecce | rund 3 Stunden gesamt |
Tag 1: Bari, mehr als nur der Flughafen
Die meisten sehen von Bari nur den Flughafen und das Mietwagenschalter-Häuschen. Das ist ein Fehler. Bari Vecchia auf der Halbinsel ist ein Gassengewirr mit offenen Türen, Hausaltären und der Basilika San Nicola, in der die Gebeine des heiligen Nikolaus liegen. Südlich davon liegt das Murat-Viertel, im 19. Jahrhundert am Reißbrett gebaut, mit Cafés und Einkaufsstraßen.
Nimm den Mietwagen deshalb erst am zweiten Tag. In der Stadt brauchst du keinen, die Altstadt ist eng und verkehrsbeschränkt, und ein Parkplatz kostet dich mehr Nerven als der Tag wert ist.
Tag 2 bis 5: das Valle d’Itria als Basis
Auf dem Weg nach Süden liegen zwei Orte, die keine eigene Seite bei uns haben und trotzdem jeden Stopp wert sind. Polignano a Mare klebt auf einer Kalkklippe über dem Meer, unter der Altstadt liegt in einer schmalen Schlucht die Kiesbucht Lama Monachile, das meistfotografierte Motiv Apuliens. Der Sänger Domenico Modugno stammt von hier, sein Denkmal steht an der Uferpromenade. Monopoli, ein paar Kilometer weiter südlich, ist größer, weniger fotografiert und dafür alltäglicher: ein alter Hafen mit bunten Booten, eine geschlossene weiße Altstadt und kleine Stadtstrände direkt darunter.
Danach geht es ins Landesinnere. Das Valle d’Itria ist eine flache Senke voller Olivenhaine, Trockenmauern und weißer Städtchen auf niedrigen Hügeln. Alberobello mit seinen Trulli ist der bekannteste Ort und seit 1996 UNESCO-Welterbe, er ist tagsüber allerdings voll. Locorotondo und Cisternino sind kleiner, weißer und ruhiger, Martina Franca ist die größte und bringt üppigen Barock mit. Ostuni, die weiße Stadt auf dem Hügel, sieht man schon von weitem.
Am fünften Tag lohnt der Sprung über die Regionsgrenze nach Matera in der Basilikata. Die Sassi, die in den Fels gegrabene Altstadt, sind eines der eindrucksvollsten Stadtbilder Europas und liegen gut eine Autostunde entfernt. Mehr zur Nachbarregion steht unter Basilikata und Kalabrien.
Tipp: Wohne im Valle d’Itria in einer Masseria, einem ehemaligen befestigten Gutshof. Viele sind heute Agriturismi mit Pool und eigenem Olivenöl, sie liegen zwischen den Feldern und sind der beste Grund, abends nicht mehr wegzufahren. Buche früh, die guten Häuser sind im Sommer Monate vorher weg.
Tag 6 bis 10: der Salento
Der Salento ist der Absatz des Stiefels, flach, heiß und von zwei Meeren umgeben. Lecce ist sein Zentrum und die schönste Barockstadt Süditaliens: Der weiche, gelbliche Kalkstein ließ sich schnitzen wie Holz, entsprechend überbordend sind die Fassaden. Dazu kommt ein römisches Amphitheater, das mitten auf der Piazza Sant’Oronzo im Boden steckt.
Von Lecce aus erreichst du beide Küsten in etwa einer Stunde. Otranto an der Adria ist die östlichste Stadt Italiens, hat eine kleine Altstadt hinter Wehrmauern und in der Kathedrale ein Bodenmosaik aus dem 12. Jahrhundert, das einen riesigen Lebensbaum zeigt. Südlich davon wird die Küste felsig und dramatisch. Gallipoli liegt auf der ionischen Seite, die Altstadt sitzt auf einer kleinen Insel und ist über eine Brücke mit dem Festland verbunden, davor liegen lange Sandstrände. Ganz im Süden markiert Santa Maria di Leuca die Spitze, dort treffen Adria und Ionisches Meer aufeinander.
Für die Strände gilt die apulische Grundregel: Die Adriaseite ist felsiger, das Wasser tiefer und klarer, die ionische Seite hat den Sand und die flachen Einstiege. Beides findest du sortiert in der Übersicht der schönsten Strände Italiens.
Essen unterwegs: die apulische Grundausstattung
Apulien isst bäuerlich, gemüselastig und günstig. Die Nudel der Region ist die Orecchietta, das kleine Öhrchen aus Hartweizengrieß, klassisch mit Stängelkohl, Sardellen und Knoblauch. In Bari gehört die Focaccia barese mit Tomaten und Oliven zum Vormittag wie anderswo das Croissant, dazu kommen Taralli als Knabbergebäck zu jedem Glas Wein. Die Burrata stammt aus Andria im Norden der Region und schmeckt hier tatsächlich anders als zu Hause aus dem Kühlregal.
Im Valle d’Itria kommst du an den Bombette nicht vorbei: kleine Fleischröllchen mit Käse, die du in der Metzgerei aussuchst und die dir gleich daneben gegrillt werden. Beim Wein bleibst du regional, Primitivo und Negroamaro sind kräftig und sonnenschwer. Und der Coperto auf der Rechnung ist die übliche Gedeckpauschale pro Person, kein Aufschlag für Auswärtige.
Gut zu wissen: Im Süden hält der Nachmittag Pause. Viele Geschäfte und auch manche Kirchen schließen mittags für ein paar Stunden, Restaurants öffnen abends spät, vor acht Uhr sitzt du oft allein im Lokal. Leg Besichtigungen deshalb auf den Vormittag und den späten Nachmittag und reservier in der Hochsaison einen Tisch, in Lecce und in den Küstenorten sind die guten Adressen abends voll.
Der Norden als Zugabe: Trani und Castel del Monte
Wer nach Bari fliegt und einen Tag übrig hat, fährt nach Norden statt nach Süden. Trani liegt rund eine Autostunde von Bari entfernt und hat die beste Lage aller apulischen Kirchen: Die romanische Kathedrale steht auf einer Landzunge direkt am Wasser, heller Stein gegen blaues Meer, davor ein kleiner Hafen mit Fischerbooten und Restaurants am Kai.
Im Landesinneren dahinter steht Castel del Monte, der achteckige Bau Friedrichs II. aus dem 13. Jahrhundert, seit 1996 UNESCO-Welterbe. Achteckig ist der Grundriss, achteckig sind auch die acht Ecktürme, und wozu die Anlage genau diente, ist bis heute umstritten: Jagdschloss, Machtdemonstration, Rechenexempel in Stein. Geparkt wird unterhalb, das letzte Stück legst du zu Fuß oder mit dem Shuttle zurück.
Beides zusammen ergibt einen ruhigen Tag ab Bari. Vom Valle d’Itria aus ist es dagegen schon eine weite Fahrt, häng den Abstecher deshalb lieber an den ersten oder letzten Tag, wenn du ohnehin in Flughafennähe bist.
Die Hitze: die ehrliche Version
Apulien im Juli und August ist heiß, und zwar anders heiß als die Toskana. Im Landesinneren steht die Luft, Schatten gibt es kaum, und zwischen Mittag und vier Uhr nachmittags ist Sightseeing in Lecce oder Ostuni keine gute Idee. An der Küste weht meist etwas Wind, das macht den Unterschied. Wenn du im Hochsommer kommst, dreh den Tag um: früh raus, mittags an den Strand oder in den Schatten, ab dem späten Nachmittag wieder in die Stadt.
Deutlich angenehmer sind Mai, Juni, September und Oktober. Das Meer ist im September noch warm, denn es kühlt langsamer aus als die Luft, die Städte sind erträglich, und die Preise fallen nach dem 15. August spürbar. Im Winter ist Apulien ruhig und mild, an der Küste schließt dann allerdings vieles.
Achtung: Lecce, Ostuni und Monopoli haben verkehrsbeschränkte Innenstädte mit Kameras, und in kleineren Orten gilt oft dasselbe. Fahre grundsätzlich nicht auf gut Glück in eine Altstadt hinein, sondern stell den Wagen auf einem ausgeschilderten Platz außerhalb ab. Wie diese Zonen funktionieren und wann die Bußgelder kommen, erklärt der Beitrag zu ZTL-Zonen in Italien.
Anreise und Mietwagen
Es gibt zwei Flughäfen: Bari im Norden und Brindisi im Süden. Wer die Route wie beschrieben fährt, fliegt idealerweise nach Bari hin und ab Brindisi zurück, das spart die Rückfahrt. Prüfe beim Mietwagen, was die Einwegmiete zwischen beiden Flughäfen kostet, bei manchen Anbietern ist sie innerhalb der Region günstig oder frei. Mit der Bahn kommst du bis Bari und Lecce, für das Valle d’Itria und die Küsten brauchst du dann trotzdem ein Auto.
Nimm einen kleinen Wagen. Die Altstadtgassen sind eng, die Landstraßen zwischen den Olivenhainen schmal, und Parkplätze sind knapp. Blaue Linien bedeuten gebührenpflichtig, weiße kostenfrei, gelbe sind für Anwohner reserviert.
Die lange Variante: 14 Tage
Mit zwei Wochen hängst du im Norden den Gargano an, die bewaldete Halbinsel über dem Sporn des Stiefels. Dort liegen der Buchenwald der Foresta Umbra, die Küstenorte Vieste und Peschici und die Tremiti-Inseln als Bootsausflug. Rechne für den Gargano mindestens drei Nächte ein, er ist weiter weg, als die Karte vermuten lässt. Alternativ verlängerst du einfach im Salento und nimmst dir Zeit für Strände, Höhlen und die Küstenstraße. Den Überblick über die ganze Region gibt der Apulien-Guide, weitere weiße Dörfer stehen in den schönsten Dörfern Italiens.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für Apulien?
Zehn Tage sind das gute Maß: vier bis fünf im Valle d'Itria, vier bis fünf im Salento, dazu ein Tag Bari. In einer Woche schaffst du eine der beiden Hälften ordentlich, nicht beide. Mit zwei Wochen kommt der Gargano im Norden dazu oder du verlängerst einfach an der Küste.
Braucht man in Apulien ein Auto?
Ja. Die Bahn verbindet Bari, Brindisi und Lecce, alles andere liegt abseits: das Valle d'Itria, die Masserie, die Strände und die Küstenstraßen. Nimm den Wagen erst nach dem Bari-Tag und stell ihn in den Altstädten außerhalb der verkehrsbeschränkten Zonen ab. Ein kleines Auto ist hier klar im Vorteil.
Wann ist die beste Reisezeit für Apulien?
Mai, Juni, September und Oktober. Dann ist es warm, aber nicht drückend, und im September ist das Meer noch angenehm warm, weil es der Luft hinterherkühlt. Juli und August sind heiß und im Landesinneren anstrengend, dazu kommen italienische Ferien und volle Strände. Der Winter ist mild und still, an der Küste schließt dann allerdings ein großer Teil der Betriebe.
Bari oder Brindisi als Ankunftsflughafen?
Am besten beides: hin nach Bari, zurück ab Brindisi. So fährst du die Route in eine Richtung, ohne die Strecke am Ende doppelt zu haben. Bari liegt näher am Valle d'Itria und an Matera, Brindisi näher an Lecce und am Salento. Prüfe vor der Buchung den Aufschlag für die Einwegmiete beim Mietwagen.
Lohnt sich Matera als Tagesausflug aus Apulien?
Ja, unbedingt. Matera liegt in der Nachbarregion Basilikata, aber von einer Basis im Valle d'Itria sind es nur gut eine Autostunde. Die Sassi, die in den Tuffstein gegrabene Altstadt, sind ein Bild, das du sonst nirgends in Europa bekommst. Fahr früh los oder bleib bis zum Abend, das Licht auf den Felswohnungen ist dann am schönsten.






