Region in Italien

Basilikata & Kalabrien: Städte & Highlights

Basilikata und Kalabrien bilden den Fußspann und die Stiefelspitze Italiens. Es ist der Teil des Landes, in dem sich am wenigsten für Besucher verbogen wird: karge Berge, leere Strände, Dörfer auf Felsnadeln und mit Matera eine der außergewöhnlichsten Städte Europas.

Dazu kommen zwei Küstenorte, für die sich die Fahrt allein schon lohnt: Tropea auf seinem Felsbalkon über türkisem Wasser und Maratea an der steilen Tyrrhenischen Küste. Hier liest du, was sich wirklich lohnt, und vor allem, wie weit alles voneinander entfernt ist, denn das unterschätzen die meisten.

Basilikata & Kalabrien: Städte & Highlights
Foto: Norbert Nagel, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • HauptstädtePotenza (Basilikata), Catanzaro (Kalabrien)
  • UNESCO-WelterbeSassi und Felsenkirchen von Matera
  • Bekannt fürHöhlenstadt Matera, Tropea-Zwiebeln, Bronzen von Riace, Peperoncino
  • NationalparksPollino, Sila, Aspromonte
  • Empfohlene Dauer8 bis 12 Tage für beide Regionen
  • Beste ReisezeitMai bis Juni und September

Warum in den tiefen Süden?

Weil hier noch Italien zu finden ist, das nicht für Besucher gemacht wurde. In den Bergdörfern der Basilikata sitzen abends immer noch mehr Alte auf Plastikstühlen vor der Tür als Gäste im Café. Strände an der ionischen Küste sind selbst im Juni halbleer, und die Preise für Essen und Unterkünfte liegen deutlich unter denen der Amalfiküste. Dafür bekommst du Landschaft in ungewöhnlichen Dimensionen: drei Nationalparks, Küstenstraßen über Steilklippen und Felsstädte, die aussehen, als seien sie gewachsen statt gebaut.

Die andere Seite gehört zur Wahrheit dazu. Die Infrastruktur ist die schwächste des Landes, Züge fahren selten oder umständlich, und die Entfernungen sind größer, als die Landkarte suggeriert. Wer beide Regionen in fünf Tagen abhaken will, verbringt den Urlaub im Auto. Plane lieber weniger Orte und mehr Zeit. Weitere Ziele abseits der Klassiker sammeln wir unter Italien-Geheimtipps.

Historisch war ausgerechnet dieser Landstrich einmal das Zentrum. An der ionischen Küste lagen mit Sybaris, Metapont und Locri einige der reichsten Städte der Magna Graecia, der griechisch besiedelten Gebiete Süditaliens. Übrig sind Ausgrabungsfelder, Säulenreste und sehr gute Museen, die fast leer sind. Wer sich für Antike interessiert und in Pompeji nur Schlangen gesehen hat, findet hier das Gegenprogramm.

Die Highlights der Region

1 Matera

Matera ist der Grund, warum die meisten überhaupt in die Basilikata fahren, und der Ort hält, was die Bilder versprechen. Die Sassi sind ganze Stadtviertel aus Höhlenwohnungen, die über Jahrtausende in den weichen Tuffstein geschlagen wurden. Bis in die 1950er Jahre galten sie als Schandfleck und wurden zwangsgeräumt, seit 1993 sind sie UNESCO-Welterbe, 2019 war Matera Kulturhauptstadt Europas. Übernachte in einem der Höhlenhotels, das ist die halbe Erfahrung. Alles Weitere im Guide zu Matera.

2 Tropea und die Costa degli Dei

Tropea sitzt auf einer Sandsteinklippe direkt über dem Meer, unten liegt ein breiter Strand, davor die kleine Klosterkirche Santa Maria dell’Isola auf ihrem eigenen Felsen. Das ist das meistfotografierte Motiv Kalabriens und zu Recht. Ringsum zieht sich die Costa degli Dei mit Buchten bis Capo Vaticano, bei klarem Wetter siehst du den Stromboli am Horizont. Berühmt sind auch die milden roten Zwiebeln, die es hier sogar als Marmelade gibt.

3 Maratea

Die Basilikata hat nur rund 30 Kilometer Küste am Tyrrhenischen Meer, und die sind spektakulär. Maratea verteilt sich auf einen mittelalterlichen Ortskern am Hang, einen kleinen Hafen und mehrere Buchten. Über allem steht auf dem Monte San Biagio eine große Christusstatue aus weißem Marmor mit Blick über den Golf von Policastro. Die Küstenstraße nach Süden ist kurvig, schmal und eine der schönsten Fahrten Süditaliens. Im August wird es hier eng, sonst bleibt es ruhig.

4 Bergdörfer und Felsstädte

Im Landesinneren der Basilikata liegen Pietrapertosa und Castelmezzano zwischen den Zacken der Lukanischen Dolomiten, verbunden durch eine Seilrutsche zwischen den beiden Dörfern. Craco ist eine komplett verlassene Geisterstadt auf einem Lehmhügel, die nur mit Führung betreten werden darf. In Kalabrien lohnen Gerace mit seiner normannischen Kathedrale, Stilo mit der byzantinischen Cattolica und Scilla, wo das Fischerviertel Chianalea buchstäblich im Wasser steht. Mehr davon in unserer Liste der schönsten Dörfer Italiens.

5 Pollino, Sila und Aspromonte

Der Pollino ist der größte Nationalpark Italiens und trennt die beiden Regionen: Schluchten, Kiefernwälder und das Wahrzeichen des Parks, die knorrige Bergkiefer Pino loricato. Weiter südlich liegt die Sila, eine bewaldete Hochebene mit Seen, in der es im Winter schneit, was viele bei Kalabrien nicht erwarten. Der Aspromonte an der Stiefelspitze ist der wildeste Teil. In allen dreien wanderst du fast allein, Ideen unter Wandern in Italien.

6 Reggio Calabria und die Küsten

Reggio Calabria ist kein schöner Ort, hat aber mit den Bronzen von Riace zwei der bedeutendsten griechischen Statuen der Antike, gefunden 1972 vor der Küste und heute im Archäologischen Nationalmuseum. Die Uferpromenade mit Blick nach Sizilien ist der beste Teil der Stadt. Von Villa San Giovanni nebenan setzen die Fähren nach Messina über, das macht die Region zum natürlichen Sprungbrett nach Sizilien.

Tipp: Nimm nicht beide Regionen auf einmal, wenn du weniger als zehn Tage hast. Eine gute Woche funktioniert entweder als Basilikata mit Matera, Bergdörfern und Maratea oder als Kalabrien mit Tropea, Sila und der Stiefelspitze. Beides zusammen ergibt vor allem viele Autostunden.

Ehrlich zu den Entfernungen

Auf der Karte sieht alles nah aus, in der Praxis nicht. Von Matera nach Tropea fährst du gut vier bis fünf Stunden, von Maratea bis Reggio Calabria ähnlich lang. Bergstraßen sind kurvig, und die Autobahn A2 durch Kalabrien hat lange Baustellen- und Tunnelabschnitte. Rechne bei Landstraßen mit rund 50 Kilometern pro Stunde im Schnitt. Matera hat außerdem keinen Anschluss ans nationale Bahnnetz, du kommst mit einer Regionalbahn oder dem Bus ab Bari hin, mehr zum Zugfahren unter mit dem Zug durch Italien.

Anreise und beste Reisezeit

Für die Basilikata fliegst du am besten nach Bari oder Neapel, für Kalabrien nach Lamezia Terme. Ein Mietwagen ist praktisch Pflicht. Die beste Zeit sind Mai, Juni und September: warm genug zum Baden, ohne die Hitze und den Andrang des Hochsommers. Im August füllen sich die Küstenorte mit italienischen Familien, viele Restaurants im Landesinneren machen dann Betriebsferien. Der Winter ist an der Küste mild, in Sila und Pollino fällt dagegen zuverlässig Schnee.

Achtung: Auch Matera und Tropea haben ZTL-Zonen mit Kameras. In Matera fährst du gar nicht erst in die Sassi hinein, sondern parkst oben in der Neustadt und läufst hinunter, zurück geht es steil bergauf. In Tropea stellst du das Auto außerhalb der Altstadt ab. Sonst kommt das Bußgeld später über den Vermieter.

Route: zehn Tage im Süden

Ein bewährter Ablauf: Anreise über Bari, zwei bis drei Nächte in Matera, danach zwei Nächte in den Lukanischen Dolomiten oder an der ionischen Küste. Weiter nach Maratea für zwei Nächte, dann über den Pollino nach Tropea für drei bis vier Nächte mit Ausflügen nach Capo Vaticano, Scilla und Reggio Calabria. Willst du anschließend übersetzen, bist du von Villa San Giovanni in 30 Minuten in Sizilien. Nach Norden schließt Apulien mit Lecce gut an.

Gut zu wissen: Kalabrische Küche ist die schärfste Italiens, das Peperoncino steckt in fast allem. Probier Nduja, eine streichfähige, sehr scharfe Wurst aus Spilinga bei Tropea. In der Basilikata ist es milder, dort dominieren Lammfleisch, Hülsenfrüchte und der getrocknete Paprika Peperone di Senise.

Häufige Fragen

Lohnt sich eine Reise nach Basilikata und Kalabrien?

Ja, wenn du bereit bist zu fahren und keine perfekte Infrastruktur erwartest. Du bekommst mit Matera eine der ungewöhnlichsten Städte Europas, mit Tropea und Maratea zwei Spitzenorte am Meer und Nationalparks, in denen kaum jemand unterwegs ist. Wer Bequemlichkeit, kurze Wege und dichte Zugverbindungen braucht, ist im Norden besser aufgehoben.

Wie viele Tage braucht man für Matera?

Zwei volle Tage reichen, um die Sassi in Ruhe zu erkunden, ein paar Felsenkirchen zu sehen und einmal auf die andere Schluchtenseite in den Murgia-Park zu wechseln. Plane mindestens eine Übernachtung ein, denn Matera ist am schönsten früh morgens und nach Sonnenuntergang, wenn die Tagesgäste aus Apulien wieder weg sind.

Wie weit ist es von Matera nach Tropea?

Mit dem Auto sind es je nach Route gut vier bis fünf Stunden, meist über die Autobahn A2 durch den Pollino. Ohne eigenes Fahrzeug wird die Strecke aufwendig, weil Matera keinen Anschluss ans nationale Bahnnetz hat. Plane den Wechsel als eigenen Reisetag und quetsche ihn nicht zwischen zwei Besichtigungen.

Ist Tropea überlaufen?

Im August ja, dann sind Strand und Altstadt voll mit italienischen Urlaubern und die Parkplätze knapp. Im Mai, Juni, September und Anfang Oktober bleibt es angenehm, das Wasser ist warm und die Preise sind niedriger. Für noch mehr Ruhe wohnst du in einem der Nachbarorte Richtung Capo Vaticano und fährst für den Abend nach Tropea.

Braucht man dort ein Auto?

Praktisch ja. Züge fahren entlang der Küsten, aber selten und langsam, und ins Landesinnere kommst du damit fast nicht. Bergdörfer, Nationalparks und die schönsten Buchten sind nur mit eigenem Fahrzeug sinnvoll erreichbar. Achte auf schmale Straßen, denk an die ZTL in den Altstädten und rechne im Bergland mit deutlich längeren Fahrzeiten als geplant.