Auf einen Blick
- HauptstadtBari
- LageAbsatz des italienischen Stiefels, zwischen Adria und Ionischem Meer
- UNESCO-WelterbeTrulli von Alberobello, Castel del Monte
- Bekannteste OrteLecce, Alberobello, Ostuni, Polignano a Mare
- Empfohlene Dauer8 bis 12 Tage
- Beste ReisezeitMai, Juni, September und Oktober
Was Apulien ausmacht
Apulien ist flach, hell und weit. Statt Hügeln und Zypressen wie in der Toskana bestimmen hier Kalkstein, Trockenmauern und Olivenbäume das Bild, viele davon uralt und knorrig wie Skulpturen. Dazwischen liegen die weißen Städte, Ostuni und Locorotondo etwa, die von Weitem wie Schneehauben auf den Hügeln wirken. Die Küste wechselt den Charakter: Im Norden ragt der bewaldete Gargano ins Meer, in der Mitte fallen Felsklippen ab, im Süden im Salento liegen lange Sandstrände an beiden Küsten.
Kulturell ist die Region ein Nachzügler im Tourismus und dadurch bis heute günstiger als Mittel- und Norditalien. Gegessen wird bäuerlich und sehr gut: Orecchiette mit Rübstiel, Focaccia barese, Burrata aus Andria, Taralli zum Wein, viel Gemüse, wenig Fleisch. Der Primitivo aus Manduria und der Negroamaro sind kräftige Rotweine, die zur Sonne passen. Wer erwartet, überall Englisch zu hören, wird sich umstellen müssen, und genau das macht den Reiz aus.
Die schönsten Städte
1 Lecce
Lecce heißt nicht ohne Grund das Florenz des Südens. Der weiche Kalkstein der Gegend ließ sich schnitzen wie Holz, und die Baumeister des 17. Jahrhunderts haben das ausgenutzt: Die Fassade der Basilica di Santa Croce ist ein Rausch aus Figuren, Tieren und Ranken.
Dazu kommen ein römisches Amphitheater mitten auf dem Hauptplatz, gute Restaurants und ein Nachtleben mit Studenten. Lecce ist die logische Basis für den ganzen Salento.
2 Alberobello
Alberobello ist die Trulli-Stadt und seit 1996 UNESCO-Welterbe: über 1.500 Rundhäuser mit Kegeldächern aus geschichteten Steinplatten, ohne Mörtel gebaut. Die Viertel Rione Monti und Aia Piccola sind komplett erhalten.
Tagsüber ist der Ort voll und stark auf Souvenirs ausgerichtet. Komm früh morgens oder am Abend, dann bekommst du die stillen Gassen, für die du gekommen bist.
3 Ostuni
Ostuni ist die berühmteste der weißen Städte, ein Gewirr aus kalkgeweißten Häusern, Treppen und Bögen auf einem Hügel, von dem der Blick über Olivenhaine bis zur Adria reicht.
Der Ort ist touristisch, aber verkraftet es gut, weil die Altstadt so verwinkelt ist. Rundherum liegen viele der schönsten Masserien der Region, was Ostuni zur besten Basis für den mittleren Landesteil macht.
4 Bari
Bari ist die Hauptstadt und wird von Reisenden oft übersprungen, zu Unrecht. Die Altstadt Bari Vecchia mit der Basilica di San Nicola ist inzwischen lebendig und sicher, und in der Via Arco Basso rollen Frauen vor den Haustüren Orecchiette von Hand.
Bari hat den wichtigsten Flughafen der Region, gute Bahnverbindungen und Fähren nach Griechenland und Kroatien. Als An- und Abreisestadt ist es praktisch, ein Tag reicht.
5 Polignano a Mare und Monopoli
Polignano a Mare liegt auf einer Klippe über einer Bucht, an der die Klippenspringer starten, und ist der meistfotografierte Ort der Adriaküste. Der Ort ist klein, die Terrassen über dem Wasser sind sein Kapital.
Monopoli nebenan hat einen echten Hafen, eine hübsche Altstadt und deutlich weniger Tagesgäste. Beide liegen an der Bahnlinie ab Bari und lassen sich ohne Auto besuchen.
6 Matera als Ausflug
Matera gehört zur Nachbarregion Basilikata, liegt aber nur gut eine Stunde von Bari entfernt und ist der eindrucksvollste Ausflug der Gegend: eine ganze Stadt aus Höhlenwohnungen in einer Schlucht, jahrzehntelang verrufen, heute UNESCO-Welterbe.
Plane einen ganzen Tag ein und bleib möglichst über Nacht, denn die Sassi bei Dunkelheit sind der eigentliche Höhepunkt.
Trulli und das Valle d’Itria
Die Trulli sind nicht auf Alberobello beschränkt. Zwischen Locorotondo, Cisternino und Martina Franca stehen sie über die ganze Landschaft verstreut, viele davon bewohnt oder als Ferienhaus vermietet. Das Valle d’Itria ist ein Hochplateau mit Trockenmauern, Weinbergen und kleinen weißen Städten, und es ist der schönste Teil Apuliens zum Herumfahren. Locorotondo lohnt sich für den Rundblick, Cisternino für die Fornelli, Metzgereien, in denen du dir dein Fleisch aussuchst und es direkt gegrillt bekommst. Weitere Ortstipps findest du unter schönste Dörfer Italiens.
Gut zu wissen: Eine Masseria ist ein befestigtes Landgut, oft mehrere hundert Jahre alt, häufig umgebaut zu Hotel oder Ferienhaus mit Pool, Olivenhain und Abendessen aus eigener Produktion. Das ist die typische Art, in Apulien zu wohnen, und meist die schönste. Rechne mit Lage im Nirgendwo: Ohne Auto geht dort gar nichts, und die guten Häuser sind für Mai, Juni und September früh ausgebucht.
Strände an zwei Meeren
Der Gargano im Norden ist felsig und bewaldet, mit Buchten bei Vieste und Mattinata und den vorgelagerten Tremiti-Inseln. Die mittlere Adriaküste zwischen Polignano und Ostuni besteht aus Klippen mit kleinen Badeplattformen. Der Salento hat die besten Sandstrände: An der Adriaseite Torre dell’Orso und die Grotta della Poesia, an der ionischen Seite Punta Prosciutto, Porto Cesareo und die Dünen bei Pescoluse, wo das Wasser sehr flach ausläuft und für Kinder ideal ist. Mehr dazu unter schönste Strände Italiens.
Castel del Monte und der Salento
Zwei Ziele fallen aus dem üblichen Raster. Castel del Monte im Landesinneren nördlich von Bari ist ein achteckiges Jagdschloss Kaiser Friedrichs II. aus dem 13. Jahrhundert, mathematisch durchkonstruiert, ohne Wehrfunktion und ohne Vorbild. Seit 1996 ist es UNESCO-Welterbe und steht allein auf einer Hügelkuppe, ein Umweg von rund einer Stunde ab Bari.
Der Salento ganz im Süden ist fast eine eigene Region: Otranto mit dem Bodenmosaik im Dom als östlichster Stadt Italiens, das barocke Gallipoli auf einer Insel im Meer, dazu Dörfer, in denen noch Griko gesprochen wird, ein Rest des Griechischen. Für diesen Zipfel solltest du mindestens drei Tage einplanen.
Beste Reisezeit und die Hitze im Hochsommer
Mai, Juni, September und Oktober sind die richtige Wahl. Im Frühjahr ist alles grün, das Meer allerdings noch kühl. Der September ist der beste Kompromiss: warmes Wasser, weniger Menschen, Erntezeit. Juli und August muss man ehrlich benennen: In der Ebene werden regelmäßig 35 bis 40 Grad erreicht, Schatten ist rar, und die Küstenorte füllen sich mit italienischen Urlaubern, weil Apulien ein beliebtes Inlandsziel ist. Rund um Ferragosto Mitte August sind Strände, Straßen und Preise am Anschlag. Wer dann kommt, braucht eine Unterkunft mit Klimaanlage und Pool und verlegt Besichtigungen auf den frühen Morgen. Der Winter ist mild, aber viele Küstenbetriebe machen zu. Mehr dazu steht im Beitrag Italien im Sommer.
Anreise und unterwegs
Am einfachsten fliegst du nach Bari oder Brindisi, beide werden aus Deutschland direkt angeflogen und liegen günstig für Norden beziehungsweise Salento. Mit der Bahn erreichst du Bari von Rom, Bologna und Mailand mit Schnellzügen, die Strecke ab Rom dauert rund vier Stunden. Innerhalb der Region fahren Züge entlang der Adriaküste bis Lecce zuverlässig, ins Landesinnere und an die ionische Küste kommst du damit kaum. Für Valle d’Itria, Masserien und Salento-Strände brauchst du einen Mietwagen. Die Altstädte von Bari, Lecce, Ostuni und Alberobello sind ZTL-Zonen, park also außerhalb, Details im Guide zu den ZTL-Zonen in Italien und unter Italien mit dem Mietwagen.
Tipp: Teile die Reise in zwei Standorte: eine Masseria im Valle d’Itria oder bei Ostuni für Trulli, weiße Städte und Adriaküste, danach Lecce oder ein Ort im Salento für Barock und Strände. Zwischen beiden liegt gut eine Stunde Fahrt. Das spart Kofferpacken und deckt trotzdem beide Gesichter der Region ab.
Ehrliche Einordnung
Apulien ist lang. Vom Gargano im Norden bis Santa Maria di Leuca an der Südspitze sind es rund vier Stunden Fahrt, und wer alles sehen will, sitzt viel im Auto. Der öffentliche Verkehr abseits der Adriabahn ist schwach, Sehenswürdigkeiten schließen mittags, und Alberobello ist zwischen zehn und siebzehn Uhr ein Souvenirmarkt. Dafür bekommst du eine Region, die spürbar günstiger ist als die Toskana, hervorragendes Essen zu fairen Preisen, Strände in beide Himmelsrichtungen und Städte, die noch nicht auf Besucher zugeschnitten sind. Mit acht bis zwölf Tagen, zwei Standorten und einer Reisezeit außerhalb des Hochsommers ist Apulien eines der besten Ziele Süditaliens.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für Apulien?
Acht bis zwölf Tage sind sinnvoll, wenn du Trulli, weiße Städte, Lecce und Strände verbinden willst. Für einen ersten Eindruck reichen fünf Tage rund um Valle d'Itria und Ostuni. Wer auch den Gargano im Norden und die Südspitze sehen möchte, sollte zwei Wochen einplanen, denn die Region ist sehr langgestreckt.
Braucht man in Apulien ein Auto?
Für alles außerhalb der Adriabahn ja. Züge verbinden Bari, Polignano, Monopoli, Ostuni und Lecce gut, aber Valle d'Itria, Masserien und die ionischen Strände erreichst du nur mit dem Auto. Da die meisten Unterkünfte auf dem Land liegen, ist ein Mietwagen faktisch Pflicht. Beachte die ZTL in allen Altstädten.
Wann ist die beste Reisezeit für Apulien?
Mai, Juni, September und Oktober. Der September ist ideal, weil das Meer warm und der Andrang geringer ist. Juli und August bringen 35 Grad und mehr, volle Strände und Höchstpreise, vor allem um Ferragosto. Im Winter ist es mild, aber an der Küste haben viele Hotels und Restaurants geschlossen.
Was ist eine Masseria?
Eine Masseria ist ein historisches befestigtes Landgut, meist inmitten von Olivenhainen. Viele sind heute Hotels oder Ferienhäuser mit Pool, oft mit Küche aus eigener Landwirtschaft. Das ist die typische apulische Unterkunft, aber sie liegt fast immer abgelegen, du brauchst also ein Auto. Für die Nebensaison früh buchen.
Lohnt sich Alberobello wirklich?
Ja, aber zur richtigen Zeit. Tagsüber schieben sich Reisegruppen durch die Trulli-Viertel, und viele Häuser sind Souvenirläden. Früh morgens oder nach 18 Uhr ist der Ort still und beeindruckend. Kombiniere ihn mit Locorotondo, Cisternino und Martina Franca, dort stehen Trulli in der freien Landschaft ohne Rummel.
Kann man Matera von Apulien aus besuchen?
Ja, Matera liegt in der Basilikata, aber nur gut eine Autostunde von Bari und rund anderthalb Stunden von Ostuni entfernt. Ein Tagesausflug funktioniert, schöner ist eine Übernachtung, weil die Höhlenstadt am Abend am eindrucksvollsten wirkt. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Verbindung umständlich.






