Sizilien · Italien

Syrakus & Ortigia

Syrakus war in der Antike eine der mächtigsten Städte der griechischen Welt, zeitweise größer und reicher als Athen, Heimat des Archimedes. Heute besteht die Stadt aus zwei Welten: dem archäologischen Park Neapolis mit dem riesigen griechischen Theater und dem Ohr des Dionysios, und der Altstadtinsel Ortigia, wo barocke Gassen, Meer und eine der ungewöhnlichsten Kathedralen Italiens aufeinandertreffen.

Dieser Guide führt dich durch beide Teile, erklärt den Dom, der in einem griechischen Tempel steckt, und verrät, warum der Abend auf Ortigia der schönste Moment des Tages ist.

Syrakus & Ortigia
Foto: Falk Petro, CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionSizilien, Südostküste
  • UNESCOSyrakus und die Nekropole von Pantalica, seit 2005
  • Blütezeitgriechische Antike, ab dem 8. Jahrhundert v. Chr.
  • Ideale Dauer1 bis 2 Tage, eine Übernachtung auf Ortigia
  • AnreiseZug oder Bus ab Catania, gut eine Stunde
  • Beste ReisezeitApril bis Juni, September und Oktober

Warum Syrakus?

Weil hier die griechische Antike nicht Museumsstück ist, sondern Stadtplan. Syrakus wurde im 8. Jahrhundert v. Chr. von Korinthern gegründet und stieg zur Supermacht des westlichen Mittelmeers auf; Platon kam zu Besuch, Archimedes rechnete hier und starb bei der römischen Eroberung. Von dieser Größe sind zwei Schauplätze geblieben, die du beide brauchst: der archäologische Park auf dem Festland und die Insel Ortigia, seit fast dreitausend Jahren durchgehend bewohnt. Zusammen mit der Felsnekropole von Pantalica im Hinterland gehört das alles zum UNESCO-Welterbe.

Neapolis: Theater und Ohr des Dionysios

Der Parco Archeologico della Neapolis liegt am Stadtrand und braucht einen halben Tag. Das griechische Theater aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. gehört zu den größten der antiken Welt, seine Sitzreihen sind direkt aus dem Fels geschlagen. Im späten Frühjahr spielt hier oft das klassische Festival antike Tragödien, dann ist die Cavea teilweise mit Holzrängen verbaut, abends aber ein Erlebnis, das dem Originalzweck so nah kommt wie nirgendwo sonst.

Gleich daneben öffnen sich die Latomien, antike Steinbrüche, in denen Kriegsgefangene schuften mussten, heute verwunschene Gärten. Ihr Star ist das Ohr des Dionysios: eine über 20 Meter hohe, ohrmuschelförmig gewundene Höhle mit verblüffender Akustik. Der Name geht der Legende nach auf Caravaggio zurück, der Tyrann Dionysios soll darin seine Gefangenen belauscht haben. Stell dich hinein und flüstere, der Effekt ist verblüffend. Das römische Amphitheater und der monumentale Opferaltar Hierons II. runden den Park ab.

Tipp: Geh gleich zur Öffnung am Morgen, bevor Busgruppen und Hitze kommen; der Park hat wenig Schatten. Tickets bekommst du online oder an der Kasse, in der Hochsaison ist online entspannter. Danach hast du den Nachmittag für Ortigia.

Ortigia: das Herz der Stadt

Die kleine Insel, über zwei Brücken mit dem Festland verbunden, ist einer der schönsten Altstadtkerne Italiens. Gleich am Eingang liegen die Reste des Apollontempels, des ältesten großen Dorischen Tempels Siziliens, mitten am Markt, auf dem vormittags Fisch, Zitronen und Kräuter verkauft werden. Von dort führen Gassen aus honigfarbenem Stein zur Piazza del Duomo, einem barocken Platz von der Eleganz einer Opernbühne.

Der Dom ist das Wunder der Stadt: Er steckt buchstäblich in einem griechischen Tempel. Die Kathedrale wurde in den Athena-Tempel aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. hineingebaut, seine dorischen Säulen stehen bis heute sichtbar in den Seitenwänden, außen wie innen. Nach dem Erdbeben von 1693 bekam das Ganze eine barocke Schaufassade. An kaum einem Ort Europas liegen 2500 Jahre Religionsgeschichte so offen übereinander.

Weiter südlich plätschert die Fonte Aretusa, eine Süßwasserquelle direkt am Meer, in der Papyrus wächst; um sie rankt sich der Mythos der Nymphe Arethusa. An der Südspitze wacht das Kastell Maniace aus der Stauferzeit über den Hafen.

Der Abend auf Ortigia

Bleib über Nacht, denn Ortigia ist eine Abendstadt. Wenn die Tagesausflügler weg sind, färbt die tiefe Sonne den Kalkstein golden, die Passeggiata zieht über die Uferpromenade, und an der Fonte Aretusa und dem Lungomare Alfeo füllen sich die Bars zum Aperitivo. Danach isst du Fisch in einer der Gassen hinter dem Dom. Genau für diese Stunden lohnt die Übernachtung auf der Insel statt auf dem Festland, auch wenn sie etwas mehr kostet.

Gut zu wissen: Ortigia ist ZTL-Zone, mit dem Mietwagen fährst du nicht auf die Insel, sondern parkst auf dem Festland oder im Parkhaus am Inselrand und gehst zu Fuß. Die Insel ist klein genug, dass du alles bequem läufst.

Weitere Sehenswürdigkeiten in Syrakus

1 Museo Archeologico Paolo Orsi

Das Regionalmuseum liegt im Park der Villa Landolina auf dem Festland, wenige Minuten vom archäologischen Park entfernt, und ist eines der größten archäologischen Museen Italiens. Gezeigt wird, was aus Neapolis, aus Pantalica und aus der ganzen Südostecke der Insel ans Licht kam: Keramik, Grabbeigaben, Skulpturen, dazu Modelle der antiken Stadt. Das Haus ist sachlich und ohne Show, aber es ordnet ein, was du im Park nur als Steine siehst. Häng den Besuch direkt an Neapolis an, dann sparst du dir den zweiten Weg über die Brücke.

2 Katakomben von San Giovanni

Unter der Ruine der Basilika San Giovanni Evangelista zieht sich ein Netz frühchristlicher Grabgänge durch den weichen Fels: breite Hauptachsen, Tausende Nischen, dazwischen runde Kammern, die aus antiken Zisternen entstanden. Wer die römischen Katakomben kennt, merkt den Unterschied sofort, hier ist alles weiter und heller. Besichtigt wird in der Regel mit Führung, und unten bleibt es das ganze Jahr kühl.

3 Santa Lucia alla Badia und der Caravaggio

An der Piazza del Duomo steht die Kirche der heiligen Lucia, der Stadtpatronin von Syrakus. Ihr Schatz ist ein spätes Gemälde von Caravaggio, das Begräbnis der heiligen Lucia, entstanden während seiner Flucht durch Sizilien: eine riesige leere Wand, unten am Bildrand die Trauernden, das Drama ganz ins Dunkel gerückt. Das Bild ist zuletzt mehrfach zwischen Kirchen der Stadt gewandert, frag vor Ort nach, wo es gerade hängt.

4 Castello Maniace an der Inselspitze

Die staufische Festung riegelt Ortigia nach Süden ab und stammt aus der Zeit Friedrichs II. Sehenswert sind das kunstvolle Hauptportal, der weite Säulensaal im Inneren und vor allem der Rundgang auf den Mauern: vor dir das offene Meer, hinter dir die Silhouette der Altstadt. Der Weg dorthin führt über den Lungomare an der Westseite der Insel, einer der schönsten Spaziergänge der Stadt.

Essen und Trinken in Syrakus

Der Südosten Siziliens ist Fischland, und das schmeckt man. Auf den Karten stehen Antipasti vom Meer, Spaghetti mit Seeigel oder Vongole, gegrillter Schwertfisch und Sarde a beccafico, gefüllte Sardinen. Dazu kommt, was das Umland liefert: Tomaten aus Pachino, Zitronen, Mandeln, Ricotta und mit dem Nero d’Avola der bekannteste Rotwein der Insel, benannt nach einem Nachbarort südlich der Stadt.

Die Bestell-Logik bei Fisch solltest du kennen: Ganze Fische werden nach Gewicht abgerechnet, der Preis auf der Karte gilt pro hundert Gramm. Lass dir vor dem Bestellen sagen, wie schwer dein Stück ungefähr ist. Der Coperto, das Gedeck pro Person, steht auf fast jeder Rechnung, das ist normal und kein Trick. Drei Gänge musst du auch nicht nehmen, ein Antipasto mit Primo reicht völlig.

Frühstück heißt im Sommer Granita mit Brioche, klassisch mit Mandel, Maulbeere oder Kaffee. Am Markt von Ortigia bekommst du vormittags belegte Brote mit Käse, Sardellen und eingelegtem Gemüse, die ein Restaurant locker ersetzen. Mehr zur Küche der Insel steht im Beitrag über italienische Gerichte.

Anreise, Parken und Wege durch die Stadt

Der Bahnhof liegt auf dem Festland, rund fünfzehn Gehminuten von der Brücke nach Ortigia; vom Flughafen Catania fahren zusätzlich direkte Busse in den Süden. Wie du Italien ohne Auto bereist, steht im Beitrag mit dem Zug durch Italien.

Mit dem Mietwagen gilt: Ortigia ist ZTL, also eine kameraüberwachte Zone mit beschränkter Zufahrt, und die Bußgelder kommen zuverlässig per Post nach Hause. Stell den Wagen ins Parkhaus am Nordrand der Insel oder an die Uferstraße auf dem Festland und geh zu Fuß weiter. Wie diese Zonen funktionieren, erklärt der Beitrag über ZTL-Zonen in Italien.

Auf Ortigia selbst brauchst du kein Verkehrsmittel, die Insel ist gut einen Kilometer lang. Zum archäologischen Park sind es dagegen rund drei Kilometer entlang großer Durchgangsstraßen, zu Fuß eine gute halbe Stunde ohne viel Schatten. Angenehmer sind Stadtbus oder Taxi.

Praktisch: Anreise und Kombinationen

Ab Catania erreichst du Syrakus mit Zug oder Bus in gut einer Stunde, der Flughafen Catania ist damit das Tor zur Region. Syrakus ist die perfekte Basis für den Südosten: Die Barockstadt Noto liegt eine halbe Stunde entfernt, auch Taormina ist als Tagesausflug machbar. Auf einer Sizilien-Rundreise ist Syrakus der klassische Gegenpol zu Palermo im Westen: hier die griechische, dort die normannisch-arabische Insel. Den Überblick gibt die Seite Sizilien.

Der Plan für einen perfekten Tag

Morgens Neapolis mit Theater und Ohr des Dionysios, mittags zurück nach Ortigia zum Markt, ein Panino mit lokalem Käse und Sardellen auf die Hand. Nachmittags Dom, Apollontempel und die Gassen, dann eine Pause am Meer; an der Ostseite der Insel kannst du von den Felsplattformen sogar baden. Abends Aperitivo an der Fonte Aretusa und Fisch zum Abendessen. Mit einem zweiten Tag hängst du Noto oder das Naturreservat Vendicari mit seinen Stränden an.

Wie viel Zeit brauchst du wirklich?

Ein halber Tag reicht nur für Ortigia mit Apollontempel, Markt, Dom und Fonte Aretusa. Ein voller Tag deckt Neapolis und die Insel ab. Zwei Tage sind die ehrliche Empfehlung: Tag eins gehört der Antike mit Park, Museum und Katakomben, Tag zwei der Insel mit Markt, Dom, Castello Maniace, Baden und Passeggiata. Wer drei Tage hat, fährt am dritten nach Noto oder an die Strände im Süden.

Ehrlich: was überschätzt wird

Die Fonte Aretusa ist ein Teich mit Papyrus, kein Naturwunder; der Mythos ist größer als der Anblick. Schön ist sie trotzdem, vor allem im Abendlicht, aber plan keinen Umweg dafür ein. Auch der moderne Wallfahrtsbau Madonna delle Lacrime auf dem Festland, ein Betonkegel, den du von überall siehst, spaltet die Gemüter: innen weit und kühl, sonst verpasst du dort wenig.

Voll wird Ortigia zwischen elf und drei, wenn die Busgruppen aus Catania und Taormina da sind. Dann verlagerst du dich ans Wasser oder in ein Museum. Und die Restaurants direkt an der Piazza del Duomo verkaufen vor allem die Kulisse: Eine Gasse weiter isst du besser und zahlst weniger.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Syrakus28°Cüberwiegend klar
  • Wärmster MonatJuli, 32 °C
  • Kühlster MonatJanuar, 9 °C
  • Trockenster MonatJuli
  • Höhe17 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

15°9°J
16°9°F
17°10°M
19°13°A
23°16°M
28°21°J
32°24°J
32°24°A
28°21°S
24°18°O
20°14°N
17°11°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

39mm7 TageJ
68mm6 TageF
61mm8 TageM
24mm5 TageA
26mm6 TageM
14mm2 TageJ
7mm1 TagJ
12mm3 TageA
58mm9 TageS
117mm8 TageO
86mm9 TageN
42mm7 TageD

Entfernung ab deutschen Flughäfen

AbEntfernungFlugzeit ca.
München (MUC)1.286 km2 Std. 10 Min.
Stuttgart (STR)1.382 km2 Std. 20 Min.
Frankfurt (FRA)1.538 km2 Std. 30 Min.
Köln/Bonn (CGN)1.664 km2 Std. 40 Min.
Berlin (BER)1.706 km2 Std. 45 Min.
Düsseldorf (DUS)1.718 km2 Std. 45 Min.
Hamburg (HAM)1.886 km2 Std. 55 Min.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Flugzeit ist aus der Luftlinie geschätzt und setzt einen Direktflug voraus, nicht von jedem Flughafen gibt es eine direkte Verbindung.

Städte in der Nähe

StadtEntfernungMit dem Auto etwa
Noto28 km40 km, 0 Std. 30 Min.
Catania50 km60 km, 0 Std. 45 Min.
Taormina87 km110 km, 1 Std. 15 Min.
Agrigent154 km190 km, 2 Std. 15 Min.
Cefalù155 km190 km, 2 Std. 15 Min.
Palermo205 km260 km, 3 Std. 0 Min.

Entfernungen sind Luftlinie, die Fahrzeit ist aus der Straßenentfernung geschätzt und hängt von Route und Verkehr ab.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für Syrakus?

Ein voller Tag deckt die Essenz ab: morgens der archäologische Park, nachmittags und abends Ortigia. Deutlich schöner sind zwei Tage mit Übernachtung auf der Insel, dann erlebst du den goldenen Abend und den Markt am Morgen und hast Zeit für einen Abstecher nach Noto oder zu den Stränden von Vendicari.

Was ist das Ohr des Dionysios?

Eine über 20 Meter hohe, gewundene Höhle in den antiken Steinbrüchen von Syrakus, deren Form an eine Ohrmuschel erinnert. Berühmt ist ihre Akustik: Selbst Flüstern trägt weit. Der Legende nach lauschte hier der Tyrann Dionysios seinen Gefangenen, den Namen soll Caravaggio geprägt haben. Sie liegt im Park Neapolis beim griechischen Theater.

Sollte man auf Ortigia übernachten?

Ja, wenn es das Budget zulässt. Ortigia ist abends am schönsten, wenn die Tagesgäste weg sind: goldenes Licht, Passeggiata, Aperitivo an der Fonte Aretusa. Wer auf dem Festland schläft, spart etwas, verpasst aber genau diese Stimmung. Beachte: Die Insel ist ZTL-Zone, das Auto bleibt am Inselrand stehen.

Kommt man ohne Auto nach Syrakus?

Problemlos. Ab Catania fahren Züge und Busse in gut einer Stunde, in der Stadt selbst läufst du alles zu Fuß, den archäologischen Park erreichst du per Stadtbus, Taxi oder in einer guten halben Stunde zu Fuß von Ortigia. Auch Noto ist per Bahn oder Bus als Tagesausflug gut machbar.

Kann man in Syrakus baden?

Ja. Direkt auf Ortigia gehst du an der Ostseite von Felsplattformen und kleinen Treppen ins klare Wasser, einen klassischen Sandstrand gibt es dort aber nicht. Die schönsten Strände der Umgebung liegen südlich im Naturreservat Vendicari und bei Fontane Bianche, beide gut für einen halben Tag am Meer.

Wie kommt man vom Flughafen Catania nach Syrakus?

Am einfachsten mit dem Direktbus: Vom Flughafen Catania fahren Busse in den Süden bis zum Busbahnhof von Syrakus, die Fahrt dauert gut eine Stunde. Alternativ nimmst du den Shuttle in die Stadt Catania und von dort den Zug. Mit Mietwagen sind es rund 60 Kilometer Autobahn, denk aber daran, dass du auf Ortigia nicht fahren darfst.