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Sizilien-Rundreise: Route für 10 bis 14 Tage

Sizilien lässt sich nicht in vier Tagen abhaken. Die Insel ist groß, die Straßen sind langsamer als die Karte verspricht, und die Höhepunkte liegen weit auseinander: griechische Tempel im Süden, normannische Goldmosaike im Norden, ein aktiver Vulkan im Osten. Genau deshalb lohnt eine geplante Runde statt eines Stützpunkts mit Tagesausflügen.

Hier bekommst du zwei erprobte Varianten: die kompakte Ost-Route mit Catania, Taormina, Syrakus und Noto für sieben bis zehn Tage, und die komplette Runde mit Agrigent, Trapani, Palermo und Cefalù für zwölf bis vierzehn Tage. Dazu die Mietwagen-Realität, die auf Sizilien wichtiger ist als jede Sehenswürdigkeit.

Sizilien-Rundreise: Route für 10 bis 14 Tage
Foto: Arnoldius, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Empfohlene Dauer10 bis 14 Tage für die ganze Insel
  • Kurze VarianteOst-Route in 7 bis 10 Tagen
  • Streckerund 400 km im Osten, rund 900 km komplett
  • FlughäfenCatania und Palermo
  • FortbewegungMietwagen, in den Städten zu Fuß
  • Beste ReisezeitApril bis Juni, September und Oktober

Erst entscheiden: halbe oder ganze Insel

Sizilien ist größer, als es auf der Karte wirkt. Von Catania nach Trapani sind es je nach Route drei bis vier Stunden Fahrt, und dazwischen liegt kein Ort, an dem du nur eben schnell vorbeischaust. Deshalb gibt es zwei sinnvolle Zuschnitte, statt eines Kompromisses, der beides halb macht.

Die Ost-Route umfasst Catania, den Ätna, Taormina, Syrakus und den Barock des Val di Noto. Sie kommt mit sieben bis zehn Tagen aus, hat kurze Etappen und startet und endet am selben Flughafen. Die komplette Runde nimmt den Westen dazu: Agrigent, Trapani mit Erice und Segesta, Palermo mit Monreale und Cefalù an der Nordküste. Dafür brauchst du zwölf bis vierzehn Tage, sonst wird es eine Fahrerreise mit Sehenswürdigkeiten am Straßenrand.

Variante Dauer Strecke Flughäfen
Ost-Route 7 bis 10 Tage rund 400 km Catania hin und zurück
Komplette Runde 12 bis 14 Tage rund 900 km Catania nach Palermo
Nur Westen 7 Tage rund 350 km Palermo hin und zurück

Die Ost-Route Tag für Tag

1 Tag 1 und 2: Catania und der Ätna

Catania ist keine hübsche Postkartenstadt, sondern eine laute Barockstadt aus schwarzem Lavastein, gebaut nach dem Erdbeben von 1693. Die Piazza del Duomo mit dem Elefantenbrunnen und der Fischmarkt La Pescheria am Morgen sind das Beste daran, dazu isst du hier so gut und so günstig wie kaum sonst auf der Insel.

Der Ätna liegt direkt vor der Tür, über 3.300 Meter hoch und Europas aktivster Vulkan. Bis zur Station auf rund 1.900 Metern kommst du selbst mit dem Auto, weiter oben führen Seilbahn und Geländebusse hinauf. Zu den Gipfelkratern darfst du nur mit Bergführer, und ob und wie weit hinauf gefahren wird, hängt von der Aktivität ab. Nimm feste Schuhe und eine Jacke mit, oben ist es auch im August kühl.

2 Tag 3 und 4: Taormina

Taormina hängt an einem Hang über dem Meer, mit dem antiken Theater als Bühne und dem Ätna als Kulisse dahinter. Der Blick aus dem Theater ist genau so gut wie sein Ruf, aber du solltest früh dort sein: Ab dem späten Vormittag füllen Kreuzfahrtgruppen den ganzen Ort.

Zum Baden fährst du mit der Seilbahn hinunter nach Mazzarò oder zur Isola Bella. Wer es ruhiger mag, wohnt unten am Wasser und fährt nur zum Abendessen hinauf. Der Ort ist teuer, das ist der Preis für die Lage.

3 Tag 5 und 6: Syrakus und Ortigia

Syrakus ist für viele der stärkste Ort der Insel. Auf der kleinen Insel Ortigia steht ein Dom, der eine griechische Tempelzelle umschließt: Die dorischen Säulen stecken bis heute in den Außenmauern. Drumherum liegt eine Altstadt aus Barockgassen, Fischläden und Cafés, die sich abends zur Uferpromenade hin öffnet.

Auf dem Festland liegt der archäologische Park mit dem griechischen Theater, dem römischen Amphitheater und dem Ohr des Dionysios, einer Grotte mit sagenhafter Akustik. Geh am Vormittag hin, Schatten gibt es dort kaum. Zwei Nächte in Ortigia sind der Kern jeder Sizilien-Reise.

4 Tag 7: Noto und das Val di Noto

Noto wurde nach dem großen Beben von 1693 komplett neu gebaut, auf einem anderen Hügel, in einem einzigen Stil. Herausgekommen ist eine Barockstadt aus honigfarbenem Kalkstein, deren Hauptstraße bei Abendsonne regelrecht leuchtet. Zusammen mit Modica, Ragusa Ibla und Scicli bildet sie das UNESCO-Ensemble des Val di Noto.

Wenn du Zeit hast, häng Modica und Ragusa Ibla als eigenen Tag an, beide liegen spektakulär in Schluchten und sind weniger besucht. In Modica gibt es die berühmte, körnige Schokolade nach altem Rezept.

Die West-Erweiterung

5 Tag 8: Agrigent und das Tal der Tempel

Von Noto fährst du in gut zwei Stunden quer über die Insel nach Agrigent. Das Tal der Tempel ist die größte Ansammlung dorischer Tempel außerhalb Griechenlands und UNESCO-Welterbe, der Concordia-Tempel gehört zu den besterhaltenen der Antike. Die Anlage ist weitläufig und schattenlos, geh früh morgens oder am späten Nachmittag und nimm Wasser mit. Unterwegs lohnt ein Abstecher zur römischen Villa del Casale bei Piazza Armerina mit ihren riesigen Bodenmosaiken.

6 Tag 9 und 10: Trapani, Erice und Segesta

Trapani liegt auf einer schmalen Landzunge und ist der Ausgangspunkt für den Westen: Salinen mit Windmühlen zwischen Trapani und Marsala, Fähren zu den Ägadischen Inseln, und über der Stadt das Bergdorf Erice, das du mit der Seilbahn erreichst. Nördlich davon steht der einsame dorische Tempel von Segesta auf einem Hügel, daneben ein Theater mit Blick bis zum Meer. Beides gehört zu den ruhigsten großen Antikenstätten Italiens.

7 Tag 11 und 12: Palermo und Monreale

Palermo ist laut, ungeschminkt und die kulturell dichteste Stadt der Insel. Normannische Bauten mit arabischen und byzantinischen Elementen stehen neben Barockkirchen und Märkten wie Ballarò und Capo, auf denen gegrillt und gerufen wird. Die Cappella Palatina im Normannenpalast mit ihren Goldmosaiken ist der Höhepunkt, dazu der Dom von Monreale wenige Kilometer außerhalb, dessen Mosaikfläche fast die ganze Kirche bedeckt.

Fahr in Palermo nicht selbst herum. Stell den Wagen im bewachten Parkhaus ab und geh zu Fuß, der Verkehr in der Altstadt ist nichts für Ortsfremde.

8 Tag 13 und 14: Cefalù und Ausklang

Cefalù an der Nordküste ist der versöhnliche Abschluss: normannischer Dom mit Goldmosaiken direkt hinter dem Sandstrand, eine Altstadt bis ans Wasser und der Felsen La Rocca darüber, den du in etwa einer Stunde ersteigst. Von hier ist es eine Stunde zurück zum Flughafen Palermo, das passt auch für einen frühen Rückflug.

Mietwagen: die ehrliche Realität

Ohne Auto ist eine Sizilien-Rundreise nicht sinnvoll. Züge fahren an der Ostküste und zwischen Palermo und Catania, alles andere ist Bus oder gar nichts. Der Fahrstil ist zügiger und enger als in Deutschland, Blinker gelten als optional und an Kreuzungen entscheidet, wer sich traut. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber nach zwei Tagen berechenbar. Halte Abstand, fahr defensiv und lass dich nicht drängen.

Praktische Punkte: Die Autobahn A18 zwischen Messina und Catania kostet Maut, die A19 zwischen Palermo und Catania und die A29 in den Westen sind mautfrei, dafür stellenweise in mäßigem Zustand. Nimm einen kleinen Wagen, buche Automatik früh, prüf bei der Übernahme jeden Kratzer und fotografiere ihn. Wenn du in Catania startest und in Palermo abgibst, fällt eine Einweggebühr an, die je nach Anbieter deutlich ausfällt. Rechne sie durch, bevor du die Route festlegst.

Achtung: Catania, Palermo, Syrakus und Taormina haben ZTL-Zonen, also kameraüberwachte Altstadtbereiche mit Fahrverbot. Die Bußgelder kommen Monate später über die Autovermietung, samt Gebühr. Parke immer in einem ausgewiesenen Parkhaus oder auf einem bewachten Platz außerhalb und lauf hinein. Wie das System funktioniert, erklärt der Guide zu den ZTL-Zonen in Italien, die Grundlagen zur Anmietung stehen unter Italien mit dem Mietwagen.

Tipp: Plane pro Tag höchstens zwei Stunden Fahrt und nie mehr als einen Standortwechsel. Vier Basisorte reichen für die ganze Insel: Catania oder Taormina im Nordosten, Ortigia im Südosten, Agrigent oder Trapani im Westen, Palermo im Norden. Alles andere sind Tagesausflüge von dort.

Beste Reisezeit

April bis Juni und September bis Oktober sind ideal: warm, aber nicht brütend, das Meer ist ab Juni bis in den Oktober badetauglich, und die Antikenstätten sind erträglich. Der Juli und August bringen regelmäßig weit über dreißig Grad, in Agrigent und im Landesinneren wird der Mittag dann unangenehm, dazu sind Küstenorte und Preise auf Spitzenniveau. Der Winter ist mild und für Städte und Kultur gut geeignet, viele Badeorte und Hotels an der Küste schließen aber. Eine breitere Einordnung gibt der Guide zur besten Reisezeit für Italien.

Essen und Alltag unterwegs

Die sizilianische Küche ist ein eigener Reisegrund und unterscheidet sich deutlich vom Norden Italiens. Arancini, Pasta alla Norma mit Auberginen, Sardinen mit Fenchel und Rosinen, Schwertfisch, dazu Granita mit Brioche zum Frühstück und Cannoli, die erst beim Bestellen gefüllt werden. Iss dort, wo mittags Handwerker sitzen, und lass dich von einfachen Räumen nicht abschrecken: Auf dieser Insel korreliert Einrichtung selten mit Qualität.

Der Coperto auf der Rechnung ist normal und kein Trick, er deckt Gedeck und Brot und steht auf der Karte. Trinkgeld ist kein Muss, ein Aufrunden reicht. Rechne damit, dass abends spät gegessen wird, viele Küchen öffnen erst gegen zwanzig Uhr. Und plan Bargeld ein: In kleineren Orten, an Marktständen und auf manchen Parkplätzen zahlst du bar.

Was du realistisch erwarten kannst

Sizilien ist kein aufgeräumtes Reiseland. Ortsränder sehen oft unfertig aus, Schilder fehlen, und was im Sommer angeblich täglich öffnet, kann montags trotzdem zu sein. Dafür bekommst du eine Dichte an Kultur, die in Europa selten ist: griechische Tempel, römische Mosaike, normannische Goldkirchen und Barockstädte, dazu eine Küche, die für sich allein die Reise trägt. Wer sich auf das Tempo einlässt und nicht jeden Tag durchtaktet, hat auf dieser Insel die beste Zeit. Weitere Ziele für die Planung findest du bei den Italien Highlights und in der Übersicht zu Sizilien.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für eine Sizilien-Rundreise?

Für die ganze Insel zwölf bis vierzehn Tage. Wer nur eine Woche hat, nimmt die Ost-Route mit Catania, Ätna, Taormina, Syrakus und Noto und lässt den Westen komplett weg. Zehn Tage für die komplette Runde funktionieren zwar auf dem Papier, bedeuten aber täglich Fahrerei und wenig Zeit an den Orten selbst.

Braucht man auf Sizilien ein Auto?

Für eine Rundreise ja. Züge verbinden die Ostküste und Palermo mit Catania, aber Agrigent, Trapani, Segesta und das Val di Noto erreichst du ohne Auto nur mit viel Geduld. Nimm einen kleinen Wagen, fahr defensiv und stell ihn in den Städten konsequent in ein Parkhaus, statt in die Altstadt zu fahren.

Soll man in Catania oder Palermo starten?

Beides geht, die Frage ist die Richtung. Für die Ost-Route ist Catania der klare Startpunkt. Für die komplette Runde fliegst du am besten nach Catania und ab Palermo zurück, dann fährst du die Insel in einem Bogen ab, ohne Strecke doppelt zu machen. Rechne dafür mit einer Einweggebühr beim Mietwagen.

Kann man den Ätna selbst besteigen?

Bis zur Station auf rund 1.900 Metern kommst du mit dem eigenen Auto, von dort führen Seilbahn und Geländefahrzeuge weiter hinauf. Der Bereich um die Gipfelkrater ist nur mit autorisiertem Bergführer erlaubt, und wie weit hinauf gefahren wird, hängt von der aktuellen Aktivität ab. Feste Schuhe, Jacke und Sonnenschutz gehören immer dazu.

Wann ist die beste Reisezeit für Sizilien?

April bis Juni und September bis Oktober. Dann sind die Temperaturen angenehm, das Meer ist ab Juni warm genug und die Ausgrabungsstätten sind ohne Hitzeschlacht machbar. Juli und August bringen oft weit über dreißig Grad und volle Küstenorte. Der Winter ist mild und gut für Städte, aber viele Badeorte machen dann zu.

Ist eine Sizilien-Rundreise mit Kindern machbar?

Ja, wenn du die Etappen kürzt. Vier statt sieben Standorte, höchstens ein Stopp am Tag und immer eine Badebucht in Reichweite. Ätna, das Ohr des Dionysios in Syrakus und die Salinen bei Trapani kommen bei Kindern gut an, lange Tempelbesichtigungen in der Mittagshitze dagegen nicht.