Auf einen Blick
- HauptstadtTurin
- UNESCOWeinberglandschaften von Langhe, Roero und Monferrato
- Berühmt fürBarolo, weiße Alba-Trüffel, Schokolade, Vermouth
- Empfohlene Dauer5 bis 7 Tage
- AnreiseFlughäfen Turin und Mailand, Bahnknoten Turin
- Beste ReisezeitApril bis Juni und September bis November
Warum Piemont?
Kaum eine italienische Region wird so unterschätzt. Das Piemont hat große Kunst und Königspaläste in Turin, eine Weltklasse-Küche, sanfte Weinhügel mit UNESCO-Status und dahinter die Viertausender der Alpen. Trotzdem bleibt es angenehm ruhig: Die meisten Deutschen fahren auf der Autobahn daran vorbei Richtung Süden. Genau das macht den Reiz aus. In den Dörfern der Langhe sitzt du mittags zwischen Einheimischen, Weinproben finden oft beim Winzer selbst statt, und selbst im Oktober, zur Trüffelzeit, ist der Trubel überschaubar. Das Piemont ist kein Ziel für die Sehenswürdigkeiten-Jagd im Stundentakt, sondern für langsame Tage aus Kultur, Essen und Landschaft.
Die schönsten Orte im Piemont
1 Turin
Die Regionshauptstadt ist eine der elegantesten Städte Italiens: barocke Plätze, kilometerlange Arkaden, historische Cafés und die Mole Antonelliana als Wahrzeichen. Das Ägyptische Museum gehört zu den bedeutendsten der Welt, und die Schokoladen- und Aperitivo-Kultur ist ein Kapitel für sich. Plane zwei bis drei Tage ein. Alles Wichtige findest du in unserem Überblick über Turins Sehenswürdigkeiten und im Guide zu Essen und Trinken in Turin.
2 Die Langhe: Barolo, La Morra und die Weinberge
Südlich von Alba rollen sich die Weinhügel der Langhe auf, seit 2014 UNESCO-Welterbe. Hier wachsen Barolo und Barbaresco, zwei der größten Rotweine Italiens. Die schönste Art, die Gegend zu erleben: ein Quartier in einem Dorf wie La Morra oder Barolo nehmen und von dort Weingüter, Burgen und Aussichtspunkte abfahren. La Morra hat den besten Panoramablick über das gesamte Hügelmeer, das Dorf Barolo ein Weinmuseum im Schloss. Viele Kellereien empfangen Besucher zur Verkostung, meist mit Voranmeldung.
3 Alba
Alba ist die heimliche Genusshauptstadt Italiens: eine kompakte Altstadt mit Backsteintürmen, dazu Haselnüsse, Wein und vor allem der weiße Alba-Trüffel. Von Oktober bis Anfang Dezember dreht sich auf der internationalen Trüffelmesse alles um die Knolle, dann duftet die halbe Stadt danach. Auch außerhalb der Saison ist Alba der beste Ausgangspunkt für die Langhe: genug Restaurants und Läden für den Abend, kurze Wege in die Weinberge.
4 Sacra di San Michele
Westlich von Turin thront die Sacra di San Michele auf einem Felsgipfel über dem Susatal, eine tausend Jahre alte Abtei, die Umberto Eco zu „Der Name der Rose“ inspiriert haben soll. Der Blick von der Klosterterrasse über das Tal und die Alpen ist der eindrucksvollste der Region. Vom Parkplatz läufst du ein Stück bergauf, festes Schuhwerk hilft. Als Halbtagesausflug ab Turin ideal.
5 Lago Maggiore und Ortasee
Der Westrand des Lago Maggiore gehört zum Piemont, mit Stresa und den Borromäischen Inseln als Klassikern. Noch stiller ist der kleine Ortasee nebenan: Orta San Giulio mit seiner Klosterinsel gehört zu den schönsten Dörfern Italiens. Beide Seen lassen sich gut an den Anfang oder das Ende einer Piemont-Reise legen, von Turin fährst du gut anderthalb Stunden.
6 Asti und das Monferrato
Zwischen Turin und Alba liegt das Monferrato, die dritte große Weinlandschaft der Region: Barbera-Reben, Haselnusshaine und Dörfer, in denen kaum ein Tourist auftaucht. Asti selbst ist für seinen Spumante und das historische Pferderennen im September bekannt. Wer nach den Langhe noch einen Gang runterschalten will, ist hier richtig.
7 Die Savoyer Residenzen
Rund um Turin liegt ein ganzer Kranz von Schlössern, die das Haus Savoyen als Jagd- und Sommersitze bauen ließ und die gemeinsam zum UNESCO-Welterbe gehören. Die Reggia di Venaria Reale nördlich der Stadt ist die größte davon, mit einer riesigen lichtdurchfluteten Galerie und weitläufigen Gärten. Südlich der Stadt steht die Palazzina di Caccia di Stupinigi, ein Jagdschloss mit ungewöhnlichem Grundriss und einem Hirsch auf der Kuppel. Beide erreichst du von Turin aus als Halbtagesausflug, für Venaria mit Garten plane eher einen ganzen Tag.
8 Die Berge: Susatal und Gran Paradiso
Der Westen des Piemont ist Hochgebirge. Das Susatal zieht sich von Turin Richtung Frankreich, an seinem oberen Ende liegen die Skiorte um Sestriere, die zu den Olympischen Winterspielen von Turin 2006 gehörten. Weiter nördlich grenzt der Nationalpark Gran Paradiso an, der älteste Italiens, bekannt für Steinböcke und lange Talwanderungen. Für eine erste Piemont-Reise sind die Berge Kür statt Pflicht, sie erklären aber, warum die Region im Sommer angenehm bleibt und im Winter ein Skiziel ist.
Tipp: Für die Trüffelmesse in Alba (Oktober bis Anfang Dezember) buchst du Unterkünfte Monate im Voraus, die Wochenenden sind schnell voll. Wer nur die Landschaft will, kommt im Mai oder Juni: gleiche Hügel, deutlich entspanntere Buchungslage.
Essen und Trinken im Piemont
Unter Italienern gilt das Piemont als eine der besten Küchenregionen des Landes, und das merkst du schon am Anfang des Essens: In einer klassischen Trattoria kommen mehrere Antipasti nacheinander, bevor überhaupt die Nudeln auf den Tisch kommen. Zu den Klassikern gehören Vitello tonnato, kalt aufgeschnittenes Kalbfleisch mit Thunfischsauce, Carne cruda, fein gehacktes rohes Rindfleisch mit Öl und Zitrone, Tajarin, sehr dünne Eiernudeln mit viel Eigelb, und Agnolotti del plin, kleine mit den Fingern zugekniffene Teigtaschen. In der kalten Jahreszeit steht die Bagna cauda auf der Karte, eine warme Sauce aus Öl, Knoblauch und Sardellen, in die Gemüse getunkt wird. Als Dessert ist der Bonet gesetzt, ein Pudding aus Schokolade und Amaretti.
Beim Wein reicht die Spanne vom kräftigen Barolo und Barbaresco aus der Nebbiolo-Traube über den alltagstauglichen Barbera und Dolcetto bis zum leichten, süßlichen Moscato d’Asti. Und die Haselnüsse der Langhe stecken in der Gianduia-Schokolade, die Turin berühmt gemacht hat.
Zur Bestell-Logik: Der Coperto auf der Rechnung ist eine normale Gedeckpauschale pro Person und kein Trick. Trüffel wird frisch über den Teller gehobelt und nach Gewicht berechnet, frag vorher nach der Menge, dann gibt es hinterher keine Überraschung. Und weil die Gangfolge lang ist: lieber weniger bestellen und nachlegen.
Beste Reisezeit
Die schönsten Monate sind Mai, Juni, September und Oktober. Im Frühling leuchten die Hügel grün, im Herbst färben sich die Weinberge golden und die Trüffelsaison beginnt. Der Hochsommer ist im Talkessel von Turin und in den Hügeln oft drückend heiß und diesig, dann flüchten die Piemonteser selbst in die Berge. Der November kann neblig sein, hat aber mit Trüffel und Nebbiolo-Wein seinen eigenen Charme, der Name der Traube kommt tatsächlich von „nebbia“, dem Nebel.
Anreise
Turin hat einen eigenen Flughafen, oft ist aber Mailand die praktischere Wahl mit mehr Direktflügen; von dort bist du mit dem Zug in rund einer Stunde in Turin. Mit dem Auto kommst du aus der Schweiz über den Gotthard oder den Großen Sankt Bernhard, aus Frankreich durch den Fréjus- oder Mont-Blanc-Tunnel. In die Langhe fährst du ab Turin etwa eine Stunde.
Achtung: Turins Innenstadt ist ZTL-Zone mit Kameraüberwachung. Fahr nicht ins Zentrum, sondern direkt in ein Parkhaus am Rand, sonst kommt das Bußgeld Wochen später per Post. In den Weinbergen brauchst du das Auto dagegen wirklich, dort fährt kaum ein Bus.
Route: So planst du deine Piemont-Woche
Die bewährte Aufteilung: zwei bis drei Tage Turin ohne Auto, dann Mietwagen und drei bis vier Tage Langhe mit Basis in Alba oder einem Weindorf wie La Morra. Die Sacra di San Michele nimmst du als Ausflug von Turin mit, das Monferrato liegt auf dem Weg zwischen Stadt und Langhe. Mit ein bis zwei Extratagen hängst du den Ortasee und Stresa an. Wer weiter ans Meer will: Genua und die ligurische Küste liegen nur rund zwei Autostunden von den Langhe entfernt, mehr dazu in unserem Überblick über Ligurien. Und wenn dich die Weinseite besonders reizt, findest du im Guide zu den Weinregionen Italiens den größeren Zusammenhang.
Gut zu wissen: Der Vermouth wurde im 18. Jahrhundert in Turin erfunden, und der Aperitivo gehört hier zum Alltag. Bestell in einer der historischen Bars einen Vermouth di Torino mit ein paar Häppchen, das ist die piemontesische Antwort auf den Aperol Spritz.
Wie viel Zeit brauchst du
Ein langes Wochenende reicht für Turin allein: Museen, Arkaden, Aperitivo, dazu ein halber Tag zur Sacra di San Michele oder nach Venaria. Dafür brauchst du kein Auto, Bahn und Nahverkehr genügen.
Fünf bis sieben Tage sind die runde Variante, aufgeteilt wie oben beschrieben. Spannender ist dann die Frage nach der Reiseform: Wer nicht selbst fahren will, kommt mit dem Zug bis Alba und bucht die Weingüter über eine geführte Tour. Bei Verkostungen ist das ohnehin die entspanntere Lösung, weil niemand aus der Runde nüchtern bleiben muss.
Zehn Tage und mehr erlauben die volle Runde: Turin, Monferrato, Langhe, dazu der Ortasee im Norden oder ein Abstecher über die Berge Richtung Küste. Wer im Herbst kommt, legt die Weindörfer bewusst auf Werktage, an den Messewochenenden in Alba ist die ganze Gegend deutlich voller.
Ehrlich gesagt
Das Piemont ist keine Region zum Abhaken von Sehenswürdigkeiten. Außer Turin gibt es keine große Stadt, und die Langhe sind schön, aber weniger spektakulär als die Toskana: sanfte Hügel, Reben, ein paar Burgen auf den Kuppen. Wer vor allem Postkartenmotive sucht, ist im Val d’Orcia besser aufgehoben. Dazu zwei Einschränkungen, die niemand gern liest: Im Hochsommer liegt oft Dunst über den Hügeln, und im Winter verschwindet die Landschaft tagelang im Nebel. Wer dagegen gern isst, trinkt und langsam fährt, findet hier eine der besten Regionen Italiens.
Häufige Fragen
Wofür ist das Piemont bekannt?
Vor allem für Wein und Genuss: Barolo und Barbaresco aus den Langhe, weiße Trüffel aus Alba, Haselnüsse, Schokolade und Vermouth aus Turin. Dazu kommen die barocke Königsstadt Turin mit dem Ägyptischen Museum, die UNESCO-Weinlandschaften und die piemontesischen Alpen. Kulinarisch gilt die Region unter Kennern als beste Italiens, im Piemont wurde auch die Slow-Food-Bewegung gegründet.
Wie viele Tage braucht man für das Piemont?
Eine Woche ist ideal: zwei bis drei Tage für Turin, drei bis vier für die Langhe mit Alba und den Weindörfern, dazu ein Ausflug zur Sacra di San Michele. Wer nur ein verlängertes Wochenende hat, entscheidet sich am besten für eines von beidem, entweder Stadt oder Weinberge, statt beides zu hetzen.
Wann ist Trüffelzeit in Alba?
Die Saison für den weißen Alba-Trüffel läuft im Herbst, die internationale Trüffelmesse in Alba dauert traditionell von Oktober bis Anfang Dezember. An den Messewochenenden ist die Stadt voll und Unterkünfte sind früh ausgebucht. Trüffelgerichte bekommst du in dieser Zeit in fast jedem Restaurant der Gegend, bezahlt wird meist nach Gewicht der gehobelten Menge.
Braucht man im Piemont ein Auto?
Für Turin nicht, die Stadt hat Metro, Tram und kurze Wege. Für die Langhe und das Monferrato dagegen ja: Die Weindörfer und Kellereien liegen verstreut in den Hügeln, Busse fahren selten. Die bewährte Lösung ist, das Auto erst nach den Stadttagen zu übernehmen. Bedenke bei Weinproben, dass in Italien für Fahrer eine niedrige Promillegrenze gilt, am besten wechselt ihr euch ab.
Lohnt sich Turin wirklich?
Ja, und wie. Turin war die erste Hauptstadt des vereinten Italiens und wirkt mit seinen Arkaden, Palästen und historischen Cafés fast französisch-elegant. Das Ägyptische Museum gehört zu den besten der Welt, das Kino-Museum in der Mole Antonelliana ist spektakulär inszeniert, und die Stadt ist deutlich günstiger und entspannter als Mailand oder Florenz.
Piemont oder Toskana?
Die Toskana gewinnt bei Kunst und berühmten Postkartenmotiven, das Piemont bei Essen, Wein und Ruhe. Wer Florenz und Siena schon kennt und sich beim nächsten Mal mehr Zeit am Tisch und weniger Warteschlange wünscht, fährt ins Piemont. Wer zum ersten Mal nach Italien kommt und die großen Namen sehen will, nimmt die Toskana. Verbinden lässt sich beides auch, zwischen den Langhe und Florenz liegen gut vier Autostunden.






