Auf einen Blick
- RegionLatium
- UrsprungStadion des Domitian, 1. Jahrhundert n. Chr.
- HighlightVierströmebrunnen von Bernini (1651)
- MarktCampo de' Fiori, vormittags außer sonntags
- Besuchsdauer1 bis 2 Stunden für beide Plätze
- LageAltstadt, 5 Gehminuten vom Pantheon
Piazza Navona: ein Stadion voller Barock
Die ungewöhnliche langgezogene Form ist kein Zufall: Unter dem Platz liegt das Stadion des Kaisers Domitian, auf dessen Rängen die umliegenden Häuser stehen. Wo einst Athleten liefen, konkurrieren heute drei Brunnen um deine Aufmerksamkeit. Der Star ist Berninis Vierströmebrunnen in der Mitte: Vier muskulöse Flussgötter verkörpern Donau, Ganges, Nil und Río de la Plata, die vier damals bekannten Kontinente, gruppiert um einen ägyptischen Obelisken.
Bernini gegen Borromini
Direkt hinter dem Brunnen erhebt sich Sant’Agnese in Agone mit der geschwungenen Fassade von Francesco Borromini, dem großen Rivalen Berninis. Die römische Anekdote dazu: Der Nil-Flussgott verhülle sein Haupt, um Borrominis Kirche nicht ansehen zu müssen, und die Figur der heiligen Agnes auf der Fassade blicke demonstrativ über den Brunnen hinweg. Zeitlich stimmt das vorn und hinten nicht, der Brunnen war vor der Fassade fertig, aber die Geschichte erzählt wunderbar, wie erbittert die beiden Baumeister des römischen Barock konkurrierten. Ein Blick in die Kirche lohnt, der Eintritt ist frei.
Tipp: Die Piazza Navona ist am schönsten früh am Morgen, wenn die Caféstühle noch gestapelt sind und das Licht flach über den Platz fällt. Die Cafés am Platz selbst sind Kulisse mit Aufschlag: Cappuccino mit Brunnenblick kostet gern das Doppelte. Trink ihn im Stehen in einer Bar in den Seitengassen, mehr dazu unter Essen und Trinken in Rom.
Campo de‘ Fiori: Markt am Morgen, Bühne am Abend
Der Campo de‘ Fiori ist der Kontrast zur barocken Eleganz: Hier stapeln sich an Werktagen und Samstagen von früh bis zum frühen Nachmittag Obst, Gemüse, Blumen und Gewürze auf dem ältesten Markt Roms. Zugegeben, viele Stände zielen inzwischen auf Touristen, mit Limoncello-Flaschen und Pasta-Sets, aber zwischen ihnen behaupten sich echte Händler, und die Atmosphäre ist unschlagbar. In der Mitte wacht düster die Statue des Philosophen Giordano Bruno, der hier im Jahr 1600 als Ketzer verbrannt wurde. Abends drehen die Bars rund um den Platz auf, dann gehört der Campo den Studenten und dem Aperitivo.
Gut zu wissen: Sonntags ruht der Markt, dann wirkt der Campo de‘ Fiori fast nackt. Leg den Besuch auf einen Vormittag unter der Woche oder auf den Samstag und komm vor 13 Uhr, danach wird bereits abgebaut.
Der perfekte Rundgang
Beide Plätze verbindest du mit dem Besten der Altstadt: Vom Pantheon sind es fünf Minuten zur Piazza Navona, weiter zum Campo de‘ Fiori, und über die elegante Via Giulia erreichst du den Tiber mit Blick zur Engelsburg. In der Kirche San Luigi dei Francesi, direkt zwischen Pantheon und Navona, hängen gratis drei Caravaggio-Gemälde, einer der besten Kunst-Stopps der Stadt. Den Trevi-Brunnen hängst du in einer Viertelstunde Fußweg an. Die komplette Routenplanung findest du in der Übersicht der Rom Sehenswürdigkeiten.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istBeide Plätze sind groß genug, um Andrang zu schlucken, richtig eng wird es selten. Wenn die Navona von Reisegruppen geflutet ist, weiche in die Parallelgassen oder nach Santa Maria della Pace aus und komm zur blauen Stunde zurück, dann sind die Brunnen beleuchtet und die Gruppen weg.
- Wenn es regnetDer Rundgang lebt vom Draußensein, bei Regen rettest du ihn mit Kirchen-Hopping: Sant'Agnese, San Luigi dei Francesi mit den Caravaggios und Sant'Andrea della Valle liegen alle auf der Strecke und sind gratis. Das nahe Pantheon ist der beste Unterschlupf.
- Mit KindernAutofreie Plätze, Straßenkünstler, Brunnen und Markttreiben: Das funktioniert mit Kindern erstaunlich gut. Auf dem Campo lassen sich aus Obstständen Proviantstopps machen. Achtung nur auf die Selfiestick-Verkäufer und das Abendgedränge nach Einbruch der Dunkelheit.
- Mit eingeschränkter MobilitätBeide Plätze sind eben und stufenfrei zugänglich, dazwischen liegt Kopfsteinpflaster, holprig, aber mit Rollstuhl machbar. Die Kirchen haben teils einzelne Stufen am Eingang. Metro-Anbindung fehlt in diesem Teil der Altstadt, Busse halten am Corso Vittorio Emanuele II.
Häufige Fragen
Warum hat die Piazza Navona diese langgestreckte Form?
Der Platz übernimmt exakt den Grundriss des antiken Stadions des Domitian aus dem 1. Jahrhundert, in dem Leichtathletik-Wettkämpfe stattfanden. Die umliegenden Häuser stehen auf den früheren Zuschauerrängen. Reste des Stadions kannst du an der Nordseite des Platzes unterirdisch besichtigen.
Was stellt der Vierströmebrunnen dar?
Berninis Brunnen von 1651 zeigt vier Flussgötter, die die großen Ströme der damals bekannten Kontinente verkörpern: Donau für Europa, Nil für Afrika, Ganges für Asien und Río de la Plata für Amerika. Darüber erhebt sich ein ägyptischer Obelisk. Der Nil verhüllt sein Haupt, weil die Quellen des Flusses damals unbekannt waren.
Wann findet der Markt auf dem Campo de' Fiori statt?
Vormittags bis in den frühen Nachmittag, montags bis samstags, sonntags ruht der Markt. Am lebendigsten ist es zwischen etwa 8 und 12 Uhr. Neben touristischen Ständen mit Limoncello und Pasta-Sets findest du weiterhin echte Obst-, Gemüse- und Blumenhändler, je früher, desto authentischer.
Wer war Giordano Bruno und warum steht seine Statue auf dem Campo de' Fiori?
Der Philosoph und ehemalige Dominikaner Giordano Bruno wurde im Jahr 1600 auf dem Campo de' Fiori als Ketzer verbrannt, unter anderem, weil er ein unendliches Universum lehrte. Die düstere Bronzestatue von 1889 markiert die Stelle der Hinrichtung und wurde bewusst mit Blick Richtung Vatikan aufgestellt.
Kosten Piazza Navona und Campo de' Fiori Eintritt?
Nein, beide Plätze sind öffentlich und rund um die Uhr frei zugänglich, auch die Kirchen am Weg wie Sant'Agnese in Agone und San Luigi dei Francesi mit seinen Caravaggio-Gemälden kosten keinen Eintritt. Nur das unterirdische Stadion des Domitian und Sonderausstellungen sind kostenpflichtig.





