Auf einen Blick
- TypischCicchetti in den Bacari, im Stehen mit einem Glas Wein
- KlassikerSarde in saor, Baccalà mantecato, Risotto al nero di seppia
- GetränkSpritz, in Venedig erfunden, und die Ombra (kleines Glas Wein)
- Beste GegendenCannaregio, San Polo am Rialto, Dorsoduro
Bacari und Cicchetti: die venezianische Esskultur
Ein Bacaro ist eine kleine, oft winzige Weinbar. Auf dem Tresen: Cicchetti, belegte Weißbrotscheiben und Häppchen, etwa mit cremigem Baccalà mantecato, mit Sarde in saor oder mit Polpette, den frittierten Fleisch- oder Fischbällchen. Du zeigst auf zwei, drei Stück, bestellst dazu eine Ombra, ein kleines Glas Hauswein, und isst im Stehen am Tresen oder draußen am Kanal. Danach ziehst du weiter zur nächsten Bar. Dieser Giro di Ombre ersetzt problemlos ein Abendessen und ist nebenbei die beste Art, mit der Stadt in Kontakt zu kommen. Eine geführte Runde für den Einstieg findest du unter Aktivitäten und Touren.
Das solltest du probieren
Venedigs Küche kommt aus der Lagune und aus der Handelsgeschichte der Seerepublik. Sarde in saor sind Sardinen in süßsaurer Zwiebelmarinade mit Rosinen und Pinienkernen, das Signaturgericht der Stadt. Baccalà mantecato ist aufgeschlagener Stockfisch, cremig auf Brot oder Polenta. Dazu kommen Risotto al nero di seppia, tiefschwarz von der Tinte des Tintenfischs, Bigoli in salsa, dicke Nudeln mit Zwiebel-Sardellen-Sauce, und Fritto misto aus frittierten Lagunenfischen. Beim Trinken führt kein Weg am Spritz vorbei, der hier erfunden wurde: mit Aperol milder, mit Select oder Campari herber. Mehr italienische Klassiker erklärt der Beitrag Italienische Gerichte.
Gut zu wissen: Das Coperto, ein kleiner Gedeckpreis pro Person, ist in Italien normal und steht in der Karte. Es ist kein Betrug. Auffällig wird es erst, wenn ein Lokal es gar nicht ausweist oder mit versteckten Service-Zuschlägen arbeitet.
Touristenfallen erkennen
Die Faustregel: Je näher am Markusplatz und an der Hauptroute zur Rialtobrücke, desto größer das Risiko. Warnsignale sind immer dieselben: Kellner, die dich auf Deutsch hereinwinken, Speisekarten mit Fotos in sechs Sprachen, ein „Tourist Menu“ mit Pizza und Spaghetti Bolognese, aufgetauter Fisch als „frisch vom Markt“. Die Traditionscafés am Markusplatz sind ein Sonderfall: Der Kaffee dort ist ein Erlebnis mit Geschichte, aber wenn draußen das Orchester spielt, kommt oft ein Musikzuschlag auf die Rechnung. Das ist legal und ausgewiesen, du solltest es nur vorher wissen.
Achtung: Bestelle Fisch nie ohne Preisangabe. Positionen „nach Gewicht“ (all’etto, pro 100 Gramm) können die Rechnung vervielfachen. Frag im Zweifel vorher, was die Portion kostet, ein seriöses Lokal antwortet dir ohne Zögern.
Wo du gut isst
Cannaregio ist die verlässlichste Adresse: Entlang der Fondamenta della Misericordia und in den Seitengassen reiht sich ein Bacaro an die nächste Osteria, mit Publikum aus dem Viertel. In San Polo rund um den Rialto-Markt isst du dort gut, wo morgens der Fisch verkauft wird, die Bacari dort sind mittags am besten. Dorsoduro, das Universitätsviertel, hat lässige Plätze und faire Preise, besonders am Campo Santa Margherita. Als Dessert: Gelato abseits der Hauptrouten, erkennbar an gedeckten Farben und Metallbehältern mit Deckel, oder ein Stück Tiramisù, dessen Ursprung sich das nahe Treviso zuschreibt.
Tipp: Iss mittags in den Bacari und abends in einer Osteria mit Reservierung. Wer erst um 20 Uhr ohne Plan loszieht, landet fast zwangsläufig in den Lokalen, die niemand reserviert hat. Mehr Strategien findest du in den Insider-Tipps.
Häufige Fragen
Was sind Cicchetti?
Cicchetti sind venezianische Häppchen, die in den Bacari auf dem Tresen stehen: kleine Brotscheiben mit Belag wie Baccalà mantecato oder Sarde in saor, dazu Frittiertes wie Polpette. Du bestellst ein paar Stück, trinkst dazu ein kleines Glas Wein und isst im Stehen. Mehrere Bacari an einem Abend ergeben ein vollwertiges, günstiges Abendessen auf venezianische Art.
Wo isst man in Venedig günstig und gut?
In den Bacari, vor allem in Cannaregio entlang der Fondamenta della Misericordia, rund um den Rialto-Markt in San Polo und in Dorsoduro beim Campo Santa Margherita. Dort isst du dich mit Cicchetti und einem Glas Wein satt, ohne Restaurantpreise zu zahlen. Meide dagegen Lokale mit Fotokarten und Einwinkern direkt an der Hauptroute zwischen Rialto und Markusplatz.
Ist das Coperto in Venedig Abzocke?
Nein. Das Coperto ist ein in ganz Italien üblicher Gedeckpreis pro Person, der Brot und Gedeck abdeckt und in der Speisekarte ausgewiesen sein muss. Es gehört zur normalen Rechnung und ist kein Trick. Kritisch wird es nur, wenn Zuschläge nirgendwo ausgewiesen sind. Am Markusplatz kommt bei Live-Musik oft ein separater, ebenfalls ausgewiesener Musikzuschlag hinzu.
Was ist das typischste Gericht Venedigs?
Sarde in saor: Sardinen, gebraten und in einer süßsauren Marinade aus Zwiebeln, Essig, Rosinen und Pinienkernen eingelegt. Das Gericht stammt aus der Seefahrerzeit, als Fisch haltbar gemacht werden musste. Ebenso typisch sind Baccalà mantecato, cremig aufgeschlagener Stockfisch, und Risotto al nero di seppia, das durch Tintenfischtinte schwarz gefärbt wird.
Wo trinkt man den besten Spritz in Venedig?
Nicht an den Terrassen der Hauptplätze, sondern in den Bacari und an Kanal-Ufern in Cannaregio und Dorsoduro, wo auch Venezianer stehen. Der Spritz wurde in Venetien erfunden und ist hier Alltagsgetränk, kein Touristenprodukt. Probiere neben der Aperol-Version die herbere Variante mit Select, dem Bitter aus Venedig, die viele Einheimische bevorzugen.


