Auf einen Blick
- HauptstadtL’Aquila (Abruzzen), Campobasso (Molise)
- Höchster BergCorno Grande im Gran Sasso, 2.912 m
- SchutzgebieteDrei Nationalparks, rund ein Drittel der Fläche
- Bekannt fürMarsischer Braunbär, Bergdörfer, Trabocchi, Montepulciano d’Abruzzo
- Empfohlene Dauer5 bis 7 Tage
- Beste ReisezeitMai bis Juni und September bis Oktober
Warum die Abruzzen?
Die Abruzzen sind das grünste Stück Italiens und gleichzeitig das am wenigsten bereiste Festlandgebiet südlich von Rom. Rund ein Drittel der Fläche steht unter Schutz, verteilt auf die Nationalparks Gran Sasso e Monti della Laga, Majella und Abruzzo, Lazio e Molise. Innerhalb einer Autostunde wechselst du von Adriastrand über Hügelland zu Hochplateaus auf 1.800 Metern. Wer Italien bisher als Abfolge von Altstädten kennt, bekommt hier die andere Seite: Weite, Stille und Natur.
Damit du richtig planst, sagen wir es offen: Wir haben zu den Abruzzen und zu Molise bewusst keine eigenen Stadtseiten, weil es hier keine klassische Städtereise gibt. L’Aquila wird nach dem Erdbeben von 2009 immer noch aufgebaut, Pescara ist vor allem Badeort und Verkehrsknoten. Der Reiz liegt in der Landschaft und in den Dörfern, nicht in Museen. Genau deshalb passt die Region gut in unsere Sammlung der Italien-Geheimtipps. Als Startpunkt für die Anreise nutzt du am besten Rom.
Kulinarisch ist die Region Hirtenland und schmeckt auch so: Lamm, Schaf, Käse und kräftige Nudelgerichte. Das Wahrzeichen sind die Arrosticini, kleine Spieße aus Hammelfleisch, die über einer schmalen Kohlenrinne gegrillt und dutzendweise auf den Tisch gestellt werden. Dazu kommen Safran vom Hochplateau von Navelli und dicke, quadratische Nudeln, die auf einem Saitenrahmen geschnitten werden.
Die Highlights der Abruzzen
1 Gran Sasso und Campo Imperatore
Der Gran Sasso ist das höchste Massiv des Apennins, sein Corno Grande misst 2.912 Meter. Zu seinen Füßen liegt Campo Imperatore, eine baumlose Hochebene, die wegen ihrer Weite den Beinamen Klein-Tibet trägt. Im Sommer weiden dort Pferde und Schafherden, im Winter wird Ski gefahren. Die Panoramastraße hinauf ist eine der schönsten Autostrecken Italiens. Nimm auch bei Hitze eine Jacke mit, oben ist es regelmäßig zehn Grad kühler und windig.
2 Die Bergdörfer
Rundherum liegen Dörfer, die zu den schönsten des Landes zählen. Santo Stefano di Sessanio wurde nach dem Erdbeben behutsam restauriert und beherbergt heute ein Hotel, das über den ganzen Ort verteilt ist. Über dem Tal thront die Ruine der Rocca Calascio, eine der höchstgelegenen Burgen der Apenninen, bekannt aus mehreren Filmen. Dazu kommen Scanno am gleichnamigen See, Pacentro, Pescocostanzo und Sulmona, die Stadt der Zuckermandeln. Mehr davon in unserer Liste der schönsten Dörfer Italiens.
3 Nationalpark Abruzzo, Lazio e Molise
Der älteste Nationalpark Süditaliens ist der beste Ort Europas, um Wildtiere in freier Natur zu sehen. Hier lebt der marsische Braunbär, eine eigene Unterart mit nur noch wenigen Dutzend Tieren, dazu Apenninwölfe, Steinadler und Abruzzengämsen. Ausgangsorte sind Pescasseroli, Civitella Alfedena und Barrea. Geführte Touren mit ortskundigen Rangern erhöhen die Chance auf eine Sichtung deutlich. Bären sind scheu, eine Garantie gibt es nie, die Buchenwälder im Herbst lohnen aber auch ohne Tierbeobachtung.
4 Majella und die Einsiedeleien
Der Majella-Nationalpark südöstlich davon ist rauer und weniger besucht. Berühmt sind seine Eremitagen: winzige Klöster, die mittelalterliche Einsiedler in Felsüberhänge und Schluchten gebaut haben, etwa San Bartolomeo in Legio oder Santo Spirito a Majella. Viele erreichst du nur zu Fuß, meist in dreißig bis neunzig Minuten. Dazu kommen tiefe Klammen wie die Gole del Sagittario. Touren aller Schwierigkeitsgrade findest du unter Wandern in Italien.
5 Die Trabocchi-Küste
Zwischen Ortona und Vasto ragen alte Fischfangkonstruktionen aus Holz ins Meer, lange Stege mit Netzarmen, die Trabocchi heißen. Einige sind restauriert, manche arbeiten heute als Restaurants direkt über dem Wasser. Auf der stillgelegten Bahntrasse entlang der Küste verläuft die Via Verde, ein flacher Rad- und Wanderweg mit Blick auf Buchten und Kiesstrände. Das ist der entspannteste Teil der Region und ein guter Kontrast zu den Bergtagen.
6 Molise
Molise ist nach dem Aostatal die kleinste Region Italiens und läuft selbst bei Italienern unter Geheimtipp. Termoli hat eine ummauerte Altstadt auf einer Landzunge und Fähren zu den Tremiti-Inseln, Sepino im Landesinneren eine römische Stadt mit Theater, Toren und Straßenpflaster, fast ohne Absperrungen und Besucher. Dazwischen ziehen die Tratturi durchs Land, jahrhundertealte Viehtriebwege, die heute als Wanderwege dienen.
Tipp: Übernachte nicht an der Küste und fahre täglich in die Berge, das kostet zu viel Zeit. Nimm zwei Basen: eine im Gran-Sasso-Gebiet um Santo Stefano di Sessanio oder L’Aquila, eine zweite an der Trabocchi-Küste oder in Pescasseroli. So sparst du jeden Tag ein bis zwei Stunden Fahrt.
Beste Reisezeit
Von Mai bis Oktober funktioniert alles, ideal sind Juni, September und Anfang Oktober. Im Frühling blühen die Hochebenen, im Herbst färben sich die Buchenwälder und die Wildtiere sind aktiver. Im Juli und August ist die Adriaküste voll mit italienischen Familien, während es in den Bergen angenehm bleibt. Auf über 1.500 Metern kann bis in den Mai Schnee liegen, manche Passstraßen öffnen erst spät. Der Winter gehört den Skiorten wie Roccaraso, Ovindoli und Campo Felice.
Anreise und unterwegs
Der einfachste Weg führt über Rom. Von dort fährst du über die A24 und A25 in gut zwei Stunden ins Gebirge, Direktbusse nach L’Aquila, Sulmona und Pescara verkehren mehrmals täglich. Auch von Neapel aus bist du in rund drei Stunden da. An der Adria hält der Zug in Pescara und Termoli. Ins Landesinnere kommst du damit aber kaum, dort brauchst du ein Auto, mehr dazu unter Italien mit dem Mietwagen.
Achtung: Auch kleine Orte wie Sulmona oder Scanno haben eine ZTL, also eine kameraüberwachte Zone im historischen Kern. Park außerhalb und lauf die letzten Minuten, sonst kommt die Rechnung Monate später über die Mietwagenfirma. Wie das System funktioniert, steht unter ZTL-Zonen in Italien. Auf Bergstraßen gilt außerdem: Tanken, wenn die Gelegenheit da ist, die nächste Säule kann 40 Kilometer entfernt sein.
Route: eine Woche in den Abruzzen
Bewährt hat sich diese Reihenfolge: Anreise ab Rom, drei Nächte im Gran-Sasso-Gebiet mit Campo Imperatore, Rocca Calascio und den Dörfern ringsum. Dann zwei Nächte in Pescasseroli für den Nationalpark und die Tierbeobachtung, unterwegs Sulmona und Scanno mitnehmen. Zum Schluss zwei Nächte an der Trabocchi-Küste zum Runterkommen. Wer weiter nach Süden will, erreicht Apulien in etwa drei Stunden. Zurück Richtung Norden liegen Umbrien und die Marken auf dem Weg.
Gut zu wissen: Der bekannteste Wein der Region ist der rote Montepulciano d’Abruzzo, kräftig und meist günstig, dazu der Rosé Cerasuolo. Verwechsle ihn nicht mit dem toskanischen Ort Montepulciano, hier ist die Rebsorte gemeint und nicht der Anbauort.
Häufige Fragen
Lohnen sich die Abruzzen für einen Urlaub?
Ja, wenn du Natur, Berge und Ruhe suchst. Die Region hat drei Nationalparks, das höchste Massiv des Apennins und Dörfer, die kaum touristisch überformt sind. Wer dagegen Kunststädte, Museen und Nachtleben will, ist in der Toskana, in Rom oder Neapel besser aufgehoben. Ideal sind die Abruzzen als ruhiger zweiter Teil einer Rom-Reise.
Wie kommt man von Rom in die Abruzzen?
Am schnellsten mit dem Auto über die A24 und A25, je nach Ziel zwischen zwei und drei Stunden. Fernbusse fahren mehrmals täglich von Rom nach L’Aquila, Sulmona und Pescara. Züge gibt es ebenfalls, sie sind aber langsamer und mit Umstiegen verbunden. Für die Bergdörfer und Nationalparks brauchst du vor Ort ohnehin einen Mietwagen.
Kann man in den Abruzzen Bären sehen?
Möglich ist es, garantiert nie. Im Nationalpark Abruzzo, Lazio e Molise lebt der marsische Braunbär, eine stark bedrohte Unterart mit nur wenigen Dutzend Tieren. Die besten Chancen hast du im Frühjahr und Herbst bei Dämmerung, mit einem ortskundigen Guide und einem Fernglas. Halte immer Abstand, füttere nie und folge den Hinweisen der Parkverwaltung.
Gibt es in den Abruzzen eigene Stadtseiten auf dieser Website?
Nein, und das hat einen Grund: Die Region punktet mit Landschaft und Dörfern, nicht mit klassischen Städtezielen. L’Aquila wird nach dem Erdbeben von 2009 weiter restauriert, Pescara ist vor allem Badeort. Als Ausgangspunkt für die Anreise nutzt du unsere Seite zu Rom, weitere ruhige Ziele findest du in den Italien-Geheimtipps.
Was sind Trabocchi?
Trabocchi sind hölzerne Fischfangplattformen, die auf Stelzen ins Meer gebaut wurden, mit langen Auslegern zum Aussetzen der Netze. Sie stehen vor allem an der Küste zwischen Ortona und Vasto. Ein Teil ist restauriert, einige werden heute als Restaurants genutzt. Wer dort essen will, reserviert vorab, die Plätze sind begrenzt und im Sommer schnell vergeben.






