Emilia-Romagna · Bologna

Die zwei Türme (Due Torri): Bolognas schiefes Wahrzeichen

Die Due Torri sind für Bologna, was der schiefe Turm für Pisa ist, nur mit weniger Rummel und mehr Alltag drumherum. Der Asinelli ragt gut 97 Meter über die Altstadt, sein kleiner Bruder Garisenda lehnt sich daneben so bedenklich zur Seite, dass schon Dante ihn in der Göttlichen Komödie verewigte.

Beide Türme stehen mitten im Verkehrsknoten der Altstadt, an der Piazza di Porta Ravegnana. Hier erfährst du, warum Bologna einmal ein Wald aus Türmen war, wie es aktuell um Besteigung und Restaurierung steht und wie du den besten Blick auf die beiden bekommst.

Auf einen Blick

  • RegionEmilia-Romagna, Herz der Altstadt
  • ErbautAnfang 12. Jahrhundert
  • Höhe Asinellirund 97 Meter, 498 Stufen
  • Garisendarund 47 Meter, deutlich geneigt
  • Besuchsdauer30 Minuten bis 1 Stunde

Als Bologna ein Wald aus Türmen war

Im Mittelalter bauten Bolognas reiche Familien Geschlechtertürme, als Statussymbol und Rückzugsort in Fehden. Zeitweise standen wohl an die hundert davon in der Stadt. Übrig geblieben sind rund zwei Dutzend, und keiner prägt das Stadtbild so wie das ungleiche Paar an der Piazza di Porta Ravegnana: der hohe, schlanke Asinelli und die gedrungene, sichtbar kippende Garisenda.

Benannt sind beide nach den Familien, die sie Anfang des 12. Jahrhunderts errichten ließen. Die Garisenda war ursprünglich höher, wurde aber schon im 14. Jahrhundert gekappt, weil der Untergrund nachgab. Ihre Schieflage ist also kein neues Problem, sondern ein sehr altes.

Asinelli: 498 Stufen über die Dächer

Der Aufstieg auf den Asinelli ist ein Klassiker: 498 Holzstufen schrauben sich im Inneren nach oben, oben wartet der beste Rundblick der Stadt, über rote Ziegeldächer bis zu den Hügeln mit der Wallfahrtskirche San Luca. Der Aufstieg lief zuletzt mit Zeitfenster-Tickets, die du vorab online buchst, denn das Treppenhaus ist eng und die Plätze pro Slot sind begrenzt.

Achtung: Seit Ende 2023 wird die Garisenda aufwendig gesichert und restauriert. Der Bereich direkt an den Türmen war zeitweise abgesperrt, auch die Besteigung des Asinelli wurde ausgesetzt. Ob der Aufstieg zu deinem Reisetermin wieder möglich ist, prüfst du am besten auf der offiziellen Website, bevor du Pläne machst.

Garisenda: der schiefe Bruder mit Dante-Zitat

Die Garisenda misst heute nur noch rund 47 Meter, hängt dafür aber mehrere Meter aus dem Lot. Dante verglich im Inferno einen sich herabbeugenden Riesen mit genau diesem Turm, eine Zeile, die heute auf einer Tafel am Fuß des Turms zitiert wird. Betreten konnte man die Garisenda nie, sie ist reines Anschauungsobjekt, und aktuell eben auch Patient: Die Stadt stabilisiert den Turm in einem langfristigen Restaurierungsprojekt.

Besuch planen: so lohnt es sich trotzdem

Auch ohne Aufstieg lohnt der Weg, denn die Türme sind das Scharnier der Altstadt: Von hier laufen die alten Ausfallstraßen sternförmig auseinander, die Piazza Maggiore liegt fünf Gehminuten entfernt, das Marktviertel Quadrilatero beginnt gleich um die Ecke, und die Via Santo Stefano führt dich direkt zum Kirchenkomplex Santo Stefano. Den schönsten Blick auf beide Türme hast du übrigens aus ein paar Metern Abstand, etwa von der Via Rizzoli oder aus der Strada Maggiore unter den Arkaden.

Tickets: Der Asinelli war zuletzt nur mit Zeitfenster-Ticket besteigbar, gebucht über das offizielle Tourismusportal der Stadt. Prüfe dort den aktuellen Stand von Aufstieg und Restaurierung, bevor du buchst.

Zur offiziellen Website

Mehr Ideen für deinen Tag rund um die Türme findest du in der Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Bologna.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istSind die Slots für den Asinelli weg oder ist der Turm gesperrt, weiche auf den Torre Prendiparte ein paar Gassen weiter aus oder genieße die Aussicht von der Terrasse von San Petronio, falls geöffnet. Der Blick auf die Türme von der Via Rizzoli kostet ohnehin nichts.
  • Wenn es regnetBei Regen sind die Türme schnell abgehakt: Stell dich unter die Arkaden der Strada Maggiore, schau dir die Schieflage der Garisenda im Trockenen an und flüchte dann ins nahe Quadrilatero oder ins Archiginnasio.
  • Mit KindernKinder lieben die Geschichte vom schiefen Turm und vom Turmwald. Für den Aufstieg gilt: nur mit trittsicheren Kindern, die Stufen sind steil und es gibt keinen Aufzug. Unten reicht ein Eis und die Suche nach der Dante-Tafel.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDer Platz um die Türme ist eben und gut zugänglich, teils mit Kopfsteinpflaster. Der Aufstieg selbst ist komplett barrierefrei unmöglich: 498 steile Holzstufen, kein Aufzug.

Häufige Fragen

Kann man die zwei Türme von Bologna besteigen?

Nur der Asinelli war für Besucher geöffnet, über 498 Stufen mit Zeitfenster-Ticket. Wegen der Sicherungsarbeiten an der Garisenda wurde der Aufstieg allerdings zeitweise ausgesetzt. Prüfe vor deiner Reise auf der offiziellen Website, ob er wieder möglich ist. Die Garisenda selbst war noch nie öffentlich zugänglich.

Warum ist die Garisenda schief?

Der Untergrund gab schon kurz nach dem Bau im 12. Jahrhundert nach, deshalb wurde der Turm bereits im 14. Jahrhundert gekürzt. Heute hängt die Garisenda mehrere Meter aus dem Lot und wird mit einem langfristigen Projekt gesichert und restauriert.

Wie viele Türme hatte Bologna früher?

Genaue Zahlen gibt es nicht, Schätzungen gehen von bis zu hundert Geschlechtertürmen im Mittelalter aus. Reiche Familien nutzten sie als Statussymbol und Schutzbau. Rund zwei Dutzend Türme sind bis heute erhalten, viele davon versteckt zwischen Wohnhäusern.

Lohnt sich der Aufstieg auf den Asinelli?

Ja, wenn er geöffnet ist: Du bekommst den besten Rundblick über Bologna, bei klarer Sicht bis zu den Hügeln von San Luca. Rechne mit steilen, engen Holztreppen und buche das Zeitfenster vorab, spontan sind die Plätze oft weg.

Was kostet der Blick auf die Due Torri?

Nichts. Die Türme stehen mitten in der Stadt an der Piazza di Porta Ravegnana, du läufst auf fast jedem Weg durch die Altstadt daran vorbei. Nur der Aufstieg auf den Asinelli kostet Eintritt, wenn er freigegeben ist.