Auf einen Blick
- RegionEmilia-Romagna, Zentrum der Altstadt
- San PetronioBaubeginn 1390, Fassade unvollendet
- Meridianlinievon Cassini, 1655, rund 67 Meter
- Neptunbrunnenvon Giambologna, 16. Jahrhundert
- Besuchsdauer1 bis 2 Stunden
Der Platz und seine vier Paläste
Vier Paläste rahmen den Platz: der Palazzo d’Accursio als Rathaus, der Palazzo del Podestà, der Palazzo dei Banchi mit seinen Arkaden und der Palazzo dei Notai. In der Mitte liegt der Crescentone, die erhöhte Steinplattform, auf der halb Bologna sitzt, wenn die Sonne scheint. Komm einmal morgens vorbei, wenn die Bar-Stühle noch gestapelt sind, und einmal abends, wenn der Platz zur Bühne wird. Es fühlt sich an wie zwei verschiedene Orte.
Tipp: Unter dem Gewölbe des Palazzo del Podestà, dem Voltone, funktioniert ein akustisches Kuriosum: Flüstert einer in eine Ecke des Kreuzgewölbes, hört ihn der andere diagonal gegenüber klar und deutlich. Probier es aus, es kostet nichts und begeistert auch Kinder.
San Petronio: die unvollendete Riesin
San Petronio wurde ab 1390 als Zeichen städtischen Selbstbewusstseins begonnen und gehört bis heute zu den größten Backsteinkirchen der Welt. Die Fassade blieb unvollendet: unten edler Marmor, oben nackter Backstein. Genau dieser Bruch macht sie unverwechselbar. Innen überrascht der helle, riesige Raum, mit Kapellen voller Fresken, darunter drastische Höllendarstellungen aus dem 15. Jahrhundert.
Der Eintritt in die Basilika ist frei, für einzelne Kapellen oder die zeitweise zugängliche Panoramaterrasse wird ein Beitrag fällig. Ob die Terrasse gerade offen ist, erfährst du am Eingang oder auf der offiziellen Website der Basilika.
Die Meridianlinie von Cassini
Auf dem Boden des linken Seitenschiffs verläuft eine Messinglinie, die der Astronom Giovanni Domenico Cassini 1655 anlegen ließ: eine Meridianlinie von rund 67 Metern, eine der längsten der Welt in einem Innenraum. Durch ein Loch im Gewölbe fällt mittags ein Sonnenstrahl auf die Linie und wandert mit den Jahreszeiten. Mit etwas Glück erwischst du den Moment, in dem der Lichtfleck genau die Linie trifft.
Gut zu wissen: Cassini nutzte die Linie für ernsthafte Astronomie und lieferte Belege für die Ellipsenbahn der Erde. San Petronio war also nicht nur Kirche, sondern auch Observatorium der ältesten Universität Europas, deren Erbe du im nahen Archiginnasio besichtigst.
Neptunbrunnen und Salaborsa
Gleich neben der Piazza Maggiore steht auf der Piazza del Nettuno der Neptunbrunnen von Giambologna aus dem 16. Jahrhundert, von den Bolognesern liebevoll il Gigante genannt. Ein paar Schritte weiter lohnt die Stadtbibliothek Salaborsa: Unter dem Glasboden im Foyer siehst du Ausgrabungen der römischen Vorgängerstadt. Danach bist du in zwei Minuten bei den zwei Türmen oder im Marktviertel Quadrilatero.
Wie sich der Platz in einen kompletten Stadttag einbaut, zeigt dir die Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Bologna, und für Pausen danach liegt die Antwort in Bolognas Küche gleich um die Ecke.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istWirklich voll wird es nur bei Veranstaltungen und im Sommerkino. Dann weiche in die Basilika aus, dort verläuft sich alles, oder komm für Fotos vor 9 Uhr wieder, wenn der Crescentone leer ist.
- Wenn es regnetPerfektes Schlechtwetterziel: Basilika, Salaborsa und die Arkaden der umliegenden Paläste halten dich trocken, und über die Portiken erreichst du das Quadrilatero, ohne nass zu werden.
- Mit KindernDas Flüsterspiel im Voltone, der Neptun mit Dreizack und der Glasboden der Salaborsa funktionieren bei Kindern fast immer. In der Basilika gilt: kurz und gezielt, die Meridianlinie als Schatzsuche verkaufen.
- Mit eingeschränkter MobilitätPlatz und Basilika sind weitgehend eben und gut zugänglich, der Crescentone hat Stufenkanten. In der Altstadt ist Kopfsteinpflaster der Normalfall, die Portiken bieten aber meist glatte Wege.
Häufige Fragen
Kostet San Petronio Eintritt?
Nein, die Basilika ist frei zugänglich. Für einzelne Bereiche wie bestimmte Kapellen oder die zeitweise geöffnete Panoramaterrasse wird ein kleiner Beitrag erhoben. Als Fotograf kann eine Fotoerlaubnis fällig sein, die Regeln stehen am Eingang.
Warum ist die Fassade von San Petronio unvollendet?
Der Marmor ging der Stadt schlicht aus, genauer: Geld, Prioritäten und Jahrhunderte kamen dazwischen. Mehrere Entwürfe zur Vollendung wurden nie umgesetzt. Heute gilt der Kontrast aus Marmorsockel und Backstein als Markenzeichen, kaum jemand wünscht sich die fertige Fassade zurück.
Was ist die Meridianlinie in San Petronio?
Eine rund 67 Meter lange Messinglinie im Boden, angelegt 1655 vom Astronomen Cassini. Durch ein Loch im Gewölbe fällt mittags Sonnenlicht auf die Linie und zeigt den Sonnenstand im Jahreslauf. Sie zählt zu den längsten Meridianlinien der Welt in einem Gebäude.
Lohnt sich die Piazza Maggiore abends?
Unbedingt. Abends sitzen die Bologneser auf dem Crescentone, die Paläste sind angestrahlt, und im Sommer laufen auf dem Platz regelmäßig Open-Air-Kino und Konzerte. Danach bist du in wenigen Minuten in den Gassen des Quadrilatero beim Aperitivo.
Wie viel Zeit braucht man für Platz und Basilika?
Für einen ersten Eindruck reicht eine halbe Stunde, mit Basilika, Meridianlinie und Neptunbrunnen bist du ein bis zwei Stunden unterwegs. Der Platz liegt so zentral, dass du ohnehin mehrfach zurückkommst.



