Kampanien · Italien

Capri: Besuch & Tipps

Capri ist eine Kalkfelseninsel im Golf von Neapel, zehn Quadratkilometer groß und seit der römischen Kaiserzeit ein Sehnsuchtsort. Kaiser Tiberius regierte von hier aus das Reich, später kamen Schriftsteller, dann der internationale Jetset. Geblieben sind steile Klippen, die Faraglioni-Felsen im Wasser und eine Vegetation, die im Frühjahr über jede Mauer wächst.

Geblieben sind aber auch Massen von Tagesgästen und Preise, die zu den höchsten Italiens gehören. Hier liest du ehrlich, was sich lohnt, wie die Blaue Grotte wirklich abläuft und ob du besser einen Tag bleibst oder übernachtest.

Capri: Besuch & Tipps
Foto: Norbert Nagel, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionKampanien, Golf von Neapel
  • Größerund 10 Quadratkilometer, zwei Orte: Capri und Anacapri
  • Höchster PunktMonte Solaro, 589 Meter
  • AnreiseFähre und Tragflügelboot ab Neapel und Sorrent
  • Empfohlene Dauer1 voller Tag, besser 2 Nächte
  • Beste ReisezeitMai, Juni, September und Anfang Oktober

Warum Capri, und für wen nicht?

Capri ist landschaftlich spektakulär. Von den Aussichtspunkten oberhalb der Faraglioni oder vom Gipfel des Monte Solaro schaust du mehrere hundert Meter senkrecht ins Wasser, und das Blau darunter ist tatsächlich so kräftig, wie es auf Fotos aussieht. Dazu kommt die Insel als Ganzes: Wanderwege über den Klippen, Zitronengärten, weiße Häuser mit Tonnengewölben.

Ehrlich zur Kehrseite: Zwischen zehn und siebzehn Uhr ist Capri im Sommer sehr voll, die Standseilbahn und der Weg zur Piazzetta stauen sich, und die Preise für Essen, Liegen und Bootstouren liegen deutlich über dem Festlandsniveau. Wer nur einen halben Tag hat und im Juli kommt, sieht vor allem Menschen. Wer dagegen früh anreist, sofort nach Anacapri fährt, wandert und am späten Nachmittag bleibt, erlebt eine andere Insel. Für Leute mit Gehschwierigkeiten ist Capri anstrengend: Fast alles läuft über Treppen und steile Wege.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten

1 Piazzetta und Capri-Stadt

Vom Hafen Marina Grande bringt dich die Standseilbahn in wenigen Minuten hinauf zur Piazza Umberto I, die alle nur Piazzetta nennen: ein winziger Platz mit vier Cafés, Uhrturm und Blick über den Golf. Ein Espresso im Stehen kostet einen Bruchteil dessen, was du am Tisch zahlst, das ist in ganz Italien so und hier besonders spürbar. Dahinter beginnen die Gassen mit Boutiquen und, ein paar Ecken weiter, die Ruhe.

2 Blaue Grotte, ehrlich betrachtet

Die Grotta Azzurra ist eine Meeresgrotte, in der das durch eine Unterwasseröffnung einfallende Licht das Wasser leuchtend blau färbt. Der Ablauf ist speziell: Du fährst mit dem Boot ab Marina Grande oder mit Bus und Treppe nach Anacapri hinunter zum Einstieg, wartest dort teils lange auf dem Wasser, steigst in ein kleines Ruderboot um und musst dich flach hinlegen, weil die Einfahrt nur knapp einen Meter hoch ist. Drinnen bleibst du wenige Minuten. Bezahlt wird zweimal, für die Überfahrt und für den Eintritt.

Und die Einschränkungen: Bei Wellengang, auflandigem Wind oder hohem Wasserstand bleibt die Grotte geschlossen, oft kurzfristig. Erwarte also nicht, dass es klappt, und plane sie nie als einzigen Programmpunkt. Wenn du wenig Zeit hast, ist eine Bootsumrundung der Insel das bessere Erlebnis.

3 Faraglioni und Punta Tragara

Die drei Felsnadeln vor der Südostküste sind das Wahrzeichen der Insel. Den besten Blick hast du kostenlos vom Belvedere di Tragara, einem Aussichtspunkt am Ende eines gepflasterten Spazierwegs ab der Piazzetta, gut zwanzig Minuten zu Fuß. Von dort führt ein steiler Treppenweg hinunter ans Wasser, wo du zwischen den Felsen schwimmen kannst.

4 Giardini di Augusto und Via Krupp

Die Gärten des Augustus liegen auf einer Terrasse über dem Meer und bieten den klassischen Blick auf die Faraglioni auf der einen und die serpentinenartige Via Krupp auf der anderen Seite. Der in den Fels gehauene Weg hinunter nach Marina Piccola ist wegen Steinschlaggefahr immer wieder gesperrt, verlass dich also nicht darauf, dass du ihn begehen kannst.

5 Sessellift auf den Monte Solaro

Ab der Piazza Vittoria in Anacapri schwebst du in gut zehn Minuten allein in einem offenen Sessel auf 589 Meter Höhe. Oben siehst du bei klarem Wetter die ganze Insel, den Golf, die Sorrentiner Halbinsel und den Vesuv. Das ist der beste Blick auf Capri überhaupt und für viele der schönste Programmpunkt. Wer will, geht zu Fuß über den Weg an der Eremitage Santa Maria a Cetrella wieder hinunter.

6 Anacapri und Villa San Michele

Der zweite Ort der Insel liegt höher, ist ruhiger und deutlich weniger auf Tagesgäste ausgerichtet. Hauptattraktion ist die Villa San Michele des schwedischen Arztes Axel Munthe, gebaut auf den Resten einer römischen Villa, mit antiken Fragmenten im Garten und einer Pergola über der Steilküste. Sehenswert ist außerdem die Kirche San Michele mit einem Majolikaboden, der das Paradies zeigt.

7 Villa Jovis

Am Ostende der Insel liegen die Ruinen des größten der römischen Kaiservillen, von der aus Tiberius seine letzten Jahre regierte. Der Weg dorthin dauert ab der Piazzetta rund 45 Minuten und steigt stetig an, dafür wird es unterwegs schnell still. Oben stehst du auf einer Terrasse hoch über dem Meer, mit Blick auf die Sorrentiner Küste.

8 Bootsumrundung und Baden

Die Insel vom Wasser aus zu sehen, gehört zum Besten, was Capri zu bieten hat: Grotten in allen Farben, die Durchfahrt zwischen den Faraglioni, versteckte Buchten. Die Touren starten in Marina Grande, es gibt Sammelboote und private Charter. Zum Schwimmen eignen sich Marina Piccola, die Bagni di Tiberio im Norden und die Felsen unterhalb von Tragara. Sandstrände hat die Insel praktisch nicht.

Tipp: Nimm eine der ersten Fähren am Morgen und fahr direkt mit dem Bus nach Anacapri, bevor die Tagesgäste dort ankommen. Sessellift und Villa San Michele am Vormittag, mittags eine Wanderung, nachmittags Capri-Stadt und Tragara, wenn sich die Insel wieder leert. So drehst du den Strom um.

Fähren, Busse und Autos

Fähren und Tragflügelboote fahren ganzjährig ab Neapel und Sorrent, in der Saison zusätzlich ab Positano, Amalfi und Salerno. Ab Sorrent bist du am schnellsten drüben. Kauf Hinfahrt und Rückfahrt möglichst früh, in der Hochsaison sind einzelne Kurse ausgebucht. Wichtig: Bei starkem Wind oder Seegang werden Verbindungen gestrichen, manchmal erst kurz vorher. Wer nur einen Tag Zeit hat, sollte den Wetterbericht ernst nehmen und die letzte Rückfahrt nicht zu knapp planen.

Achtung: Fahrzeuge von Auswärtigen dürfen die Insel in der Hauptsaison in der Regel nicht befahren, und du brauchst auch keins. Auf Capri fahren kleine Busse zwischen Marina Grande, Capri und Anacapri, dazu die Standseilbahn vom Hafen hinauf. Beide sind im Sommer voll, plane Wartezeiten ein. Taxis sind offene Cabrios und teuer.

Preisniveau und wo du sparst

Capri ist teuer, das lässt sich nicht schönreden: Hotels, Restaurants mit Aussicht, Liegen an den Badeplätzen und private Bootstouren liegen deutlich über dem Festlandsniveau. Sparen kannst du an ein paar Stellen. Trink den Kaffee an der Bar statt am Tisch. Iss in Anacapri statt rund um die Piazzetta. Nutze die Linienbusse statt Taxis. Nimm die kostenlosen Aussichtspunkte mit, Tragara und der Arco Naturale kosten nichts. Und der Coperto auf der Rechnung ist normal und kein Aufschlag für Touristen, er steht auf der Karte.

Tagesausflug oder übernachten?

Ein Tagesausflug funktioniert, wenn du früh startest: erste Fähre, Anacapri, Sessellift, Mittagessen oben, nachmittags Capri-Stadt und Tragara, abends zurück. Realistisch schaffst du dabei nicht auch noch die Blaue Grotte. Wer zwei Nächte bleibt, erlebt das, wofür Capri berühmt ist: den Abend, wenn die letzten Boote weg sind und auf der Piazzetta plötzlich Platz ist, und den frühen Morgen auf den Wanderwegen. Das kostet deutlich mehr, verändert den Besuch aber komplett.

Was du kombinieren kannst

Capri liegt vor der Sorrentiner Halbinsel und lässt sich gut mit Sorrent als Standort verbinden, von dort erreichst du auch Pompeji und den Vesuv. Aus Neapel ist die Insel ein bequemer Tagesausflug. In der Saison bringen dich Boote direkt an die Amalfiküste, etwa nach Positano. Eine Woche Kampanien mit Neapel, Pompeji, Capri und der Küste ist eine der runderen Italienreisen überhaupt.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Capri27°Cklar
  • Wärmster MonatAugust, 25 °C
  • Kühlster MonatJanuar, 8 °C
  • Trockenster MonatJuli
  • Höhe460 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

11°8°J
11°8°F
11°9°M
13°11°A
17°14°M
21°19°J
24°22°J
25°22°A
22°19°S
19°16°O
16°13°N
12°10°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

119mm13 TageJ
94mm10 TageF
83mm11 TageM
47mm8 TageA
57mm8 TageM
23mm4 TageJ
9mm2 TageJ
20mm3 TageA
83mm8 TageS
119mm10 TageO
181mm15 TageN
104mm11 TageD

Entfernung ab deutschen Flughäfen

AbEntfernungFlugzeit ca.
München (MUC)889 km1 Std. 40 Min.
Stuttgart (STR)987 km1 Std. 50 Min.
Frankfurt (FRA)1.143 km2 Std. 0 Min.
Köln/Bonn (CGN)1.271 km2 Std. 10 Min.
Berlin (BER)1.315 km2 Std. 15 Min.
Düsseldorf (DUS)1.325 km2 Std. 15 Min.
Hamburg (HAM)1.489 km2 Std. 25 Min.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Flugzeit ist aus der Luftlinie geschätzt und setzt einen Direktflug voraus, nicht von jedem Flughafen gibt es eine direkte Verbindung.

Städte in der Nähe

StadtEntfernungMit dem Auto etwa
Sorrent15 kmnur mit Fähre oder Flug
Positano23 kmnur mit Fähre oder Flug
Amalfi33 kmnur mit Fähre oder Flug
Ravello34 kmnur mit Fähre oder Flug
Neapel34 kmnur mit Fähre oder Flug
Matera201 kmnur mit Fähre oder Flug

Entfernungen sind Luftlinie, die Fahrzeit ist aus der Straßenentfernung geschätzt und hängt von Route und Verkehr ab.

Häufige Fragen

Lohnt sich die Blaue Grotte auf Capri?

Das hängt von deiner Erwartung ab. Das Licht im Inneren ist wirklich außergewöhnlich, der Aufenthalt dauert aber nur wenige Minuten, davor stehen oft lange Wartezeiten auf dem Wasser, und bezahlt wird zweimal. Bei Wellengang oder hohem Wasserstand bleibt die Grotte geschlossen. Wenn du nur einen Tag hast, ist eine Inselumrundung per Boot meist lohnender.

Reicht ein Tag für Capri?

Ein voller Tag reicht für Anacapri mit Sessellift auf den Monte Solaro, Villa San Michele, Capri-Stadt, die Gärten des Augustus und den Aussichtspunkt Tragara. Für Blaue Grotte, Villa Jovis oder ausgiebiges Baden wird es zu knapp. Zwei Nächte machen aus dem Hetzprogramm einen entspannten Aufenthalt, kosten aber deutlich mehr.

Wie kommt man nach Capri?

Mit Fähre oder Tragflügelboot ab Neapel und Sorrent, ganzjährig und mehrmals täglich, in der Saison zusätzlich ab Positano, Amalfi und Salerno. Ab Sorrent ist die Überfahrt am kürzesten. Buche Hin- und Rückfahrt früh, und rechne damit, dass Kurse bei starkem Wind kurzfristig gestrichen werden.

Braucht man auf Capri ein Auto?

Nein, und in der Hauptsaison dürfen Auswärtige ohnehin in der Regel kein Fahrzeug auf die Insel bringen. Kleine Linienbusse verbinden Marina Grande, Capri und Anacapri, dazu fährt eine Standseilbahn vom Hafen hinauf zur Piazzetta. Vieles geht zu Fuß, allerdings über Treppen und steile Wege. Taxis sind offene Cabrios und teuer.

Ist Capri sehr teuer?

Ja, die Insel gehört zu den teuersten Zielen Italiens, besonders bei Hotels, Liegen und Restaurants mit Aussicht. Günstiger wird es in Anacapri, an der Bar statt am Tisch und mit dem Linienbus statt dem Taxi. Aussichtspunkte wie Tragara und der Arco Naturale sowie die Wanderwege kosten nichts.

Wann ist die beste Zeit für Capri?

Mai, Juni, September und die erste Oktoberhälfte. Dann ist das Wasser warm genug, die Fähren fahren zuverlässig, und der Andrang ist geringer als im Hochsommer. Im Juli und August ist die Insel tagsüber sehr voll. Im Winter schließen viele Hotels und Lokale, dafür hast du die Wanderwege für dich.