Piemont · Turin

Essen & Trinken in Turin: Bicerin, Aperitivo & Gianduja

Turin ist eine der großen Genuss-Städte Italiens, nur redet sie nicht so laut darüber wie Bologna oder Neapel. Hier wurden Wermut und Aperitivo erfunden, hier gibt es eine Kaffeehauskultur wie in Wien, und das Piemont liefert mit Trüffeln, Haselnüssen und Barolo die beste Speisekammer des Nordens direkt vor die Tür.

Das musst du in Turin probieren: vom Bicerin am Morgen über Agnolotti am Mittag bis zum Vermouth am Abend.

Auf einen Blick

  • RegionPiemont, Herzland der italienischen Genusskultur
  • Erfunden in TurinWermut, Aperitivo, Giandujotto, Tramezzino
  • KlassikerBicerin, Agnolotti del Plin, Vitello tonnato, Tajarin
  • WeineBarolo, Barbaresco, Barbera, Nebbiolo
  • EssgewohnheitenTuriner essen mittags meist ab halb eins, abends ab halb acht

Aperitivo: hier wurde er geboren

Ende des 18. Jahrhunderts mischte Antonio Benedetto Carpano in Turin Weißwein mit Kräutern und Gewürzen, der Wermut war geboren und mit ihm die Kultur des Aperitivo. Bis heute ist der frühe Abend die beste Zeit der Stadt: Du bestellst einen Vermouth di Torino, einen Spritz oder etwas Alkoholfreies und bekommst Häppchen oder Zugang zu einem kleinen Buffet dazu.

Die klassischen Reviere sind die Piazza Vittorio Veneto, das Quadrilatero Romano und San Salvario. Ein ausgedehnter Aperitivo ersetzt locker ein Abendessen, und niemand schaut schief, wenn du dir Zeit lässt. Mehr Touren-Ideen dazu findest du unter Aktivitäten in Turin.

Bicerin: Turins Nationalgetränk

Der Bicerin ist ein Schichtgetränk aus Espresso, heißer Schokolade und kalter Sahnehaube, serviert im Glas und traditionell nicht umgerührt: Du trinkst dich durch die Schichten. Die historische Adresse ist das Caffè Al Bicerin an der Piazza della Consolata, das seit dem 18. Jahrhundert ausschenkt, aber auch die großen Kaffeehäuser der Innenstadt beherrschen den Klassiker. Bestell dazu nichts Süßes, das Getränk ist Dessert genug.

Gianduja, Giandujotto und heiße Schokolade

Turins Chocolatiers mischten Kakao einst mit gerösteten piemontesischen Haselnüssen und schufen damit Gianduja, den Vorfahren aller Nuss-Nougat-Cremes, und das Giandujotto, die goldverpackte Praline. Eine Runde durch die Schokoladengeschäfte der Innenstadt gehört zum Pflichtprogramm, im Winter ergänzt um eine cioccolata calda, so dick, dass der Löffel fast stehen bleibt. Als Mitbringsel schlägt eine Schachtel Giandujotti jeden Magneten.

Piemontesische Küche: das solltest du bestellen

In der Trattoria führt kein Weg an den Klassikern vorbei: Agnolotti del Plin, kleine gefüllte Nudeln, oft in Butter und Salbei. Tajarin, feine Eiernudeln, im Herbst mit Trüffel gehobelt. Vitello tonnato, dünn geschnittenes Kalbfleisch mit Thunfischsauce, das hier erfunden wurde und nichts mit der Buffet-Version aus Deutschland zu tun hat. Dazu Carne cruda, das piemontesische Tatar, und im Winter Bagna Cauda, der warme Dip aus Anchovis und Knoblauch. Sogar die Grissini stammen aus Turin.

Beim Wein bist du in der besten Gesellschaft Italiens: Barolo und Barbaresco für große Abende, Barbera und Dolcetto für jeden Tag. Mehr zu den Anbaugebieten liest du unter Weinregionen Italiens, und wer die Klassiker des ganzen Landes sortieren will, findet sie im Beitrag über italienische Gerichte.

Historische Caffès und praktische Hinweise

In den historischen Kaffeehäusern sitzt Turin am liebsten: Baratti & Milano in der Galleria Subalpina, das Caffè San Carlo mit Kronleuchter-Saal, das winzige Mulassano, in dem das Tramezzino erfunden wurde, und das Al Bicerin für das gleichnamige Getränk. Rund um die Piazza Castello liegen sie alle in Gehweite. Am Tisch zahlst du mehr als an der Bar, dafür sitzt du in Sälen, die seit dem 19. Jahrhundert kaum verändert wurden.

Gut zu wissen: Der Coperto, ein kleiner Fixbetrag pro Person auf der Rechnung, ist in Italien normal und kein Touristen-Trick. Er deckt Gedeck und Brot ab. Trinkgeld ist dagegen freiwillig und fällt kleiner aus als in Deutschland, runden reicht.

Tipp: Iss mittags im Kaffeehaus oder am Markt von Porta Palazzo und spar dir den Hunger für den Abend: erst Aperitivo mit Vermouth im Quadrilatero, danach Agnolotti in einer Piola, einer der einfachen Turiner Weinkneipen. Mehr Streckenplanung liefert der Guide zu den Sehenswürdigkeiten in Turin.

Häufige Fragen

Was muss man in Turin unbedingt probieren?

Die großen Vier: einen Bicerin im historischen Kaffeehaus, ein Giandujotto vom Chocolatier, Agnolotti del Plin in der Trattoria und einen Vermouth di Torino zum Aperitivo. Wer im Herbst kommt, ergänzt Tajarin mit weißem Trüffel aus Alba, das teuerste und beste Nudelgericht des Landes.

Was ist ein Bicerin?

Turins traditionsreiches Schichtgetränk aus Espresso, heißer Schokolade und kalter Sahne, serviert im Glas. Es wird nicht umgerührt, du trinkst dich von der Sahne durch die Schichten. Die klassische Adresse ist das Caffè Al Bicerin, aber fast alle historischen Kaffeehäuser der Stadt führen es.

Wurde der Aperitivo wirklich in Turin erfunden?

Ja, die Tradition geht auf Turin zurück: Ende des 18. Jahrhunderts entstand hier der Wermut als Aperitif-Getränk, und die Turiner Cafés machten den Umtrunk vor dem Abendessen zum Ritual. Bis heute gilt die Stadt neben Mailand als Hochburg der Aperitivo-Kultur, mit Häppchen oder Buffet zum Getränk.

Ist der Coperto in Turin Abzocke?

Nein. Der Coperto ist ein üblicher Fixbetrag pro Gast, der Gedeck und Brot abdeckt, und steht in ganz Italien auf der Rechnung. Er muss auf der Karte ausgewiesen sein. Misstrauisch werden solltest du nur bei Lokalen ohne Preisangaben oder mit aufdringlichen Anwerbern vor der Tür.

Wo isst man in Turin gut und günstig?

In den Piole, den einfachen traditionellen Weinlokalen, in den Gassen des Quadrilatero Romano und in San Salvario, wo die Studenten essen. Mittags sind Menüs oft deutlich günstiger als abends, und der Markt von Porta Palazzo liefert Streetfood und Zutaten für ein Picknick im Parco del Valentino.