Auf einen Blick
- EinsteigerrouteEtschtalradweg vom Reschenpass nach Verona
- Flachste RevierePo-Ebene, Salento, Adriaküste
- AnspruchsvollToskana mit Schotterstrecken, Voralpen, Apennin
- Beste JahreszeitApril bis Juni und September bis Oktober
- Radmitnahme im Zugin Regionalzügen üblich, im Schnellzug stark begrenzt
- PflichtWarnweste außerorts bei Dunkelheit und in Tunneln
Welche Route passt zu dir
Bevor du eine Region wählst, klär zwei Dinge: Wie viele Höhenmeter willst du am Tag, und willst du Asphalt oder Schotter. Danach sortiert sich fast alles von selbst. Die folgenden fünf Reviere decken die Bandbreite ab, von der reinen Familientour bis zur Gravelrunde mit Steigungen im zweistelligen Prozentbereich.
| Route | Untergrund | Anspruch | Beste Zeit |
|---|---|---|---|
| Etschtal, Reschen bis Verona | Asphalt, meist eigener Radweg | leicht, überwiegend bergab | Mai bis Oktober |
| Po-Ebene und Adria | Asphalt, Deichwege, Nebenstraßen | leicht, aber windig | April bis Juni, September |
| Toskana und Eroica-Schotter | Asphalt und weiße Schotterstraßen | anspruchsvoll, viele Höhenmeter | April bis Juni, September bis Oktober |
| Apulien und Salento | Nebenstraßen, Landwege | leicht bis mittel | März bis Mai, Oktober |
| Gardasee-Umrundung | Straße mit Tunneln, teils Radweg | mittel, mit Vorsicht zu fahren | April bis Juni, September |
1 Etschtalradweg: vom Reschenpass nach Verona
Das ist die bekannteste Radreise Italiens und für viele die erste. Start ist der Reschenpass an der Grenze zu Österreich, wo der Kirchturm aus dem Stausee ragt. Von dort geht es durch den Vinschgau nach Meran, weiter nach Bozen, durch das Etschtal an Trient und Rovereto vorbei bis nach Verona.
Je nach Streckenführung liegt die Strecke grob zwischen 280 und 350 Kilometern, gefahren wird sie meist in vier bis sechs Tagesetappen. Der Reiz: Du verlierst über die ganze Strecke Höhe, der Weg ist fast durchgehend asphaltiert und vom Autoverkehr getrennt, und die Landschaft wechselt von Apfelplantagen über Weinberge bis in die Poebene. Das funktioniert mit Kindern, mit Anhänger und ohne Trainingsplan.
Für die Rückfahrt nimmst du ab Verona den Zug, was auf dieser Achse gut klappt. Wer die Etappen umdrehen will, fährt bergauf und braucht deutlich mehr Kraft. Mehr zur Gegend steht unter Südtirol.
Tipp: Plane die Anreise mit der Bahn bis Mals oder Meran und lass dich das letzte Stück zum Reschen bringen. Für die Strecke im Vinschgau gibt es eine Regionalbahn, die Räder mitnimmt, sowie Busse mit Radanhänger. Beides ist im Sommer schnell voll, sei früh am Bahnsteig.
2 Die Po-Ebene: flach, weit, unterschätzt
Zwischen den Alpen und dem Apennin liegt eine der flachsten Landschaften Europas. Entlang des Po führen Deichwege und Nebenstraßen, dazu kommen Verbindungen zwischen den Städten der Emilia-Romagna. Ferrara ist die Radstadt Italiens schlechthin: eine Renaissance-Stadt mit einem rund neun Kilometer langen Mauerring, auf dem ein fast durchgehender Radweg verläuft, und mit mehr Rädern als Autos im Zentrum.
Sei ehrlich zu dir: Nicht jeder Kilometer ist schön. Zwischen den Höhepunkten liegen Industriezonen und schnurgerade Kanäle, dazu weht in der Ebene oft Wind, und Schatten ist knapp. Dafür sind die Ziele stark: das Po-Delta mit Flamingos, die Lagunenstadt Comacchio, die Mosaiken von Ravenna und das Meer bei Rimini.
3 Toskana und die weißen Straßen
Das Chianti und die Crete Senesi südlich von Siena sind die Postkartenlandschaft Italiens, und sie ist hügelig. Es geht ständig rauf und runter, meist in kurzen, steilen Rampen, selten in langen Anstiegen. Planst du hier Tagesetappen, rechne konservativ und nimm lieber weniger Kilometer.
Die Besonderheit sind die strade bianche, weiße Schotterstraßen aus hellem Kalkstaub, die durch Zypressenalleen und über Kämme führen. Auf ihnen wird jedes Jahr im Herbst die Eroica gefahren, eine Ausfahrt mit historischen Rennrädern rund um Gaiole in Chianti, aus der die ganze Gravel-Bewegung mit hervorgegangen ist. Für diese Wege brauchst du breite Reifen, ein Rennrad mit schmalen Pneus ist die falsche Wahl.
Landschaftlich am schönsten wird es im Val d’Orcia zwischen Pienza und Montepulciano. Wer die Region lieber im Auto abfährt, findet die Toskana-Rundreise, und die Weine ordnet die Seite zu den Weinregionen Italiens ein.
4 Apulien und der Salento
Der Süden ist flacher, als viele denken. Der Salento, der Absatz des Stiefels, ist fast eben, und zwischen den Küsten liegen selten mehr als 40 Kilometer. Dazu kommt das Valle d’Itria mit Trockenmauern, Olivenhainen und Trulli, wo die Landwege ein feines Netz bilden. Basisorte sind Lecce, Ostuni oder ein Quartier bei Alberobello.
Der Haken ist das Klima. Von Juni bis September wird es sehr heiß, und Schatten gibt es kaum. Fahr im Frühjahr oder im Oktober, dann ist es angenehm und die Küstenorte sind ruhig. Für die Autoversion derselben Gegend siehe Apulien-Rundreise, für den Überblick die Region Apulien.
5 Die Gardasee-Umrundung
Die Runde um den Gardasee liegt grob bei 140 bis 160 Kilometern und ist ein Klassiker, aber kein reines Vergnügen. Die Uferstraße, die Gardesana, führt durch zahlreiche Tunnel, ist eng und stellenweise stark befahren. Einzelne Tunnel sind für Räder gesperrt. Zwischen Riva del Garda und Limone gibt es einen spektakulären Radweg, der als Steg über dem Wasser an der Felswand hängt, aber der Weg ist nicht rund um den See durchgehend.
Deshalb der praktische Rat: Fahr Teilstücke und nutz die Fähren als Abkürzung, sie nehmen Räder mit. Das flache Südufer um Sirmione und die Strecke Richtung Peschiera und Mantua ist entspannt, das steile Ostufer bei Malcesine verlangt Aufmerksamkeit. Am Nordende beginnen außerdem die Bergstrecken, für die der See bei Mountainbikern berühmt ist.
Bahn und Rad in Italien: was wirklich geht
Hier hilft nur Ehrlichkeit: Die Radmitnahme in Italien ist möglich, aber deutlich begrenzter als in Deutschland oder Österreich. In Regionalzügen gibt es meist einen Wagen mit Radabteil, gekennzeichnet durch ein Fahrradsymbol im Fahrplan, und du brauchst dafür ein zusätzliches Ticket. Die Plätze sind nicht reservierbar, es gilt das Prinzip: wer zuerst da ist.
Bei den schnellen Zügen wird es schwierig. Ein Teil der Fernverkehrszüge nimmt gar keine kompletten Räder mit. Wo es geht, sind es wenige Stellplätze mit Reservierungspflicht. Die verlässliche Lösung ist ein zerlegtes Rad in einer Transporttasche, das als Gepäck gilt. Falträder sind in der Tasche fast überall unproblematisch.
Tickets: Im Regionalzug brauchst du für das Rad ein eigenes Ticket zusätzlich zur Fahrkarte, im Fernverkehr hängt die Mitnahme vom einzelnen Zug ab. Die Regeln zur Fahrradmitnahme stehen auf der offiziellen Website von Trenitalia, prüfe sie vor der Buchung.
Achtung: An Sommerwochenenden sind die Radabteile in den Regionalzügen an Seen und in den Alpen früh voll, und dann bleibst du am Bahnsteig stehen. Plane Zugstrecken deshalb nie als einzige Rückfahrtmöglichkeit am Abreisetag. Ein Puffertag oder ein Radtransfer per Anbieter vor Ort spart Nerven.
Zwei Alternativen funktionieren gut: Auf den großen Seen und in der Lagune von Venedig nehmen Fähren Räder mit, das ersetzt oft eine unangenehme Straßenetappe. Und in vielen Regionen gibt es Gepäcktransfer von Unterkunft zu Unterkunft, sodass du ohne Packtaschen fährst. Wie du Italien sonst ohne eigenes Auto bereist, steht unter Italien ohne Auto und im Beitrag mit dem Zug durch Italien.
Sicherheit, Ausrüstung, Jahreszeit
Eine Helmpflicht gibt es für Radfahrende in Italien nicht, aufsetzen solltest du ihn trotzdem. Vorgeschrieben ist dagegen eine Warnweste, wenn du außerorts bei Dunkelheit oder in Tunneln unterwegs bist. Meide die großen Staatsstraßen, sie haben schmale Seitenstreifen und viel Lkw-Verkehr. Die kleineren Provinzstraßen sind fast immer die bessere Wahl, auch wenn sie Umwege bedeuten.
Zur Jahreszeit: April bis Juni und September bis Oktober sind im ganzen Land gut. Im Hochsommer fährst du nur früh am Morgen oder in den Bergen. Und plan die Etappen kürzer als zu Hause, denn Hitze, Steigungen und Kopfsteinpflaster in den Altstädten kosten mehr Zeit, als die Kilometerzahl vermuten lässt. Wer lieber zu Fuß unterwegs ist, findet Anregungen unter Wandern in Italien.
Häufige Fragen
Wie lange dauert der Etschtalradweg von Reschen nach Verona?
Die meisten fahren die Strecke in vier bis sechs Tagen. Je nach Streckenführung sind es grob 280 bis 350 Kilometer, und es geht überwiegend bergab, deshalb sind auch längere Tagesetappen machbar. Mit Kindern planst du besser sechs Tage und nutzt die Bahn im Etschtal für einzelne Abschnitte.
Kann man Fahrräder in italienischen Zügen mitnehmen?
In Regionalzügen meist ja, mit einem eigenen Fahrradticket und begrenzten Stellplätzen ohne Reservierung. In den schnellen Fernzügen ist die Mitnahme kompletter Räder nur teilweise und mit Reservierung möglich. Zerlegte Räder in einer Transporttasche gelten als Gepäck und sind fast überall erlaubt. An Sommerwochenenden sind die Radabteile schnell voll.
Welche Radroute in Italien eignet sich für Anfänger?
Der Etschtalradweg. Er ist fast durchgehend asphaltiert, vom Autoverkehr getrennt und verliert über die ganze Strecke Höhe. Genauso entspannt sind die Wege in der Po-Ebene rund um Ferrara und im Salento. Anspruchsvoll wird es dagegen in der Toskana und am Gardasee.
Braucht man in der Toskana ein Gravelbike?
Für die weißen Schotterstraßen ja, zumindest breite Reifen. Die strade bianche sind lose, staubig und teils grob, ein Rennrad mit schmalen Pneus ist dort unangenehm bis riskant. Bleibst du auf Asphalt, kommst du auch mit dem Rennrad zurecht, musst dann aber Umwege in Kauf nehmen.
Kann man den Gardasee mit dem Rad umrunden?
Grundsätzlich ja, die Runde liegt grob bei 140 bis 160 Kilometern. Angenehm ist sie nicht durchgehend: Die Uferstraße führt durch viele Tunnel, ist eng und stark befahren, einzelne Tunnel sind für Räder gesperrt. Besser fährst du Teilstücke und nutzt die Fähren, die Räder mitnehmen, für die unangenehmen Abschnitte.
Wann ist die beste Zeit für eine Radreise in Italien?
April bis Juni und September bis Oktober. Dann ist es warm genug, aber nicht heiß, und die Unterkünfte sind gut verfügbar. Im Süden verschiebt sich das Fenster nach vorn, März bis Mai und Oktober sind dort ideal. Der Hochsommer eignet sich nur für frühe Morgenstunden oder für Höhenlagen.





