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Italien Geheimtipps: 12 unterschätzte Orte

Rom, Florenz und Venedig stehen zu Recht auf jeder Liste. Das Problem ist nur: Alle stehen dort gleichzeitig. Italien hat zwölf Städte, die genauso viel Geschichte, Essen und Architektur bieten, aber einen Bruchteil der Besucher, weil sie im Schatten eines berühmten Nachbarn liegen oder als reine Durchgangsorte gelten.

Wir haben zwölf solcher Orte ausgewählt und schreiben bei jedem dazu, warum er unterschätzt wird und was ihn trägt. Alle sind mit Bahn oder Auto gut erreichbar, alle funktionieren als Standort für mehrere Tage.

Italien Geheimtipps: 12 unterschätzte Orte
Foto: MicheleIlluzzi, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Auswahl12 Städte in Nord-, Mittel- und Süditalien
  • Beste ReisezeitApril bis Juni, September und Oktober
  • Aufenthalt2 bis 3 Nächte pro Ort
  • Anreisedie meisten per Bahn, drei nur mit Bus oder Auto
  • UNESCO dabeiGenua, Urbino, Ferrara, Portovenere, Sacro Monte di Orta
  • Vorteilgünstigere Betten, keine Warteschlangen

Warum diese Orte unter dem Radar bleiben

Es gibt drei Gründe, und keiner davon hat mit Qualität zu tun. Erstens der Nachbarschaftseffekt: Wer in Bologna ist, fährt nicht nach Ferrara, wer in Venedig ist, lässt Treviso aus. Zweitens die Anreise: Orte ohne eigenen Bahnhof oder mit einer kurvigen Zufahrt fallen aus den Standardrouten heraus. Drittens das Image: Turin gilt als Industriestadt, Genua als Hafen, Trapani als Flughafen. Alle drei Vorurteile stimmen und sagen nichts über die Altstadt.

Der praktische Vorteil ist erheblich. In diesen Städten bekommst du abends ohne Reservierung einen Tisch, zahlst für die Übernachtung deutlich weniger als in den Hotspots und stehst vor Museen nicht an. Wenn du im Sommer nach Italien reist, ist das der wirksamste Trick gegen Menschenmassen.

Die zwölf Orte

1 Turin

Die erste Hauptstadt des vereinten Italien hat kilometerlange Arkaden, barocke Plätze und an klaren Tagen die Alpen als Kulisse am Ende der Straße. Das Ägyptische Museum ist eine der bedeutendsten Sammlungen außerhalb Kairos, in der Mole Antonelliana sitzt das Nationale Filmmuseum. Dazu kommt eine Caféhauskultur mit historischen Häusern und der Erfindung des Aperitivo. Unterschätzt, weil viele nur an Autoindustrie denken. Mehr auf der Seite zu Turin.

2 Genua

Die Altstadt ist eine der größten Europas: ein Labyrinth schmaler Carruggi, in dem Wäscheleinen über der Gasse hängen und plötzlich ein goldener Palast auftaucht. Die Palazzi dei Rolli an der Via Garibaldi gehören zum UNESCO-Welterbe. Dazu Focaccia, Pesto und ein Hafen, der nicht auf Postkarten getrimmt ist. Unterschätzt, weil die meisten nur zur Fähre durchfahren. Alles dazu unter Genua.

3 Ferrara

Eine Renaissancestadt am Reißbrett, mit dem Castello Estense samt Wassergraben mitten im Zentrum und einer neun Kilometer langen Stadtmauer, auf der du radeln kannst. Ferrara ist eine echte Fahrradstadt, flach, ruhig, mit weiten Straßen der Herzogsfamilie Este. Unterschätzt, weil Bologna und Ravenna in der Nähe alle Aufmerksamkeit binden. Details bei Ferrara.

4 Urbino

Auf zwei Hügeln in den Marken liegt eine der reinsten Renaissancestädte Italiens. Der Palazzo Ducale von Federico da Montefeltro ist ein Hauptwerk der Epoche, Raffael wurde hier geboren, die Universität hält die Stadt jung. Unterschätzt, weil es keinen Bahnhof gibt und die Anfahrt über Landstraßen läuft. Genau deshalb ist es ruhig. Mehr unter Urbino.

5 Trient

Hier tagte im 16. Jahrhundert das Konzil, das die katholische Kirche neu ordnete. Geblieben sind ein Domplatz mit bemalten Hausfassaden, das Castello del Buonconsiglio und ein modernes Wissenschaftsmuseum von Renzo Piano. Die Berge beginnen am Stadtrand, die Seilbahn fährt aus dem Zentrum hinauf. Unterschätzt, weil alle auf der Brennerlinie weiter nach Bozen oder an den Gardasee fahren. Mehr zu Trient.

6 Udine

Die heimliche Hauptstadt des Friaul hat einen venezianisch geprägten Hauptplatz, ein Schloss auf einem künstlichen Hügel und die besten Tiepolo-Fresken außerhalb Venedigs. Dazu eine eigenständige Küche zwischen Italien, Österreich und Slowenien und Weinberge vor der Tür. Unterschätzt, weil Triest und Venedig die Region dominieren. Alles zu Udine.

7 Ostuni

Die weiße Stadt Apuliens sitzt auf einem Hügel über einem Meer aus Olivenbäumen, die Adria liegt wenige Kilometer entfernt. Die Gassen sind schmal, gekalkt und steil, oben steht eine Kathedrale mit gotischer Rosette. Unterschätzt, weil die Trulli von Alberobello die ganze Aufmerksamkeit der Region abziehen, dabei ist Ostuni die bessere Basis für die Valle d’Itria. Mehr bei Ostuni.

8 Trapani

Eine schmale Altstadt auf einer Landzunge, davor Salinen mit Windmühlen und Salzbergen, dahinter der Bergort Erice, den eine Seilbahn erschließt. Vom Hafen fahren Schiffe zu den Ägadischen Inseln, in den Restaurants steht Couscous mit Fisch auf der Karte, ein Erbe der nordafrikanischen Nachbarschaft. Unterschätzt, weil viele nur am Flughafen vorbeikommen. Details unter Trapani.

9 Orta San Giulio

Am kleinsten der oberitalienischen Seen liegt ein Ort, der aussieht wie ein stilles Comer-See-Dorf ohne Autos und ohne Reisebusse. Vor dem Ufer liegt die Insel San Giulio mit ihrer Basilika, oberhalb der Sacro Monte mit seinen Kapellen, ein UNESCO-Welterbe. Unterschätzt, weil der Lago d’Orta klein ist und im Schatten von Como und Maggiore steht. Mehr zu Orta San Giulio.

10 Spoleto

Umbriens elegante Alternative zu Assisi: eine mittelalterliche Bergstadt mit der gewaltigen Bogenbrücke Ponte delle Torri, der Festung Rocca Albornoziana und einem Dom mit Fresken von Filippo Lippi. Rolltreppen und Aufzüge in den Berg machen die Höhenmeter erträglich. Unterschätzt, weil die Pilgerströme nach Assisi gehen. Mehr unter Spoleto.

11 Portovenere

Am Südende des Golfo dei Poeti steht eine Reihe schmaler bunter Häuser vor einer Kirche, die auf einem Felsvorsprung direkt über dem Meer sitzt. Portovenere gehört zusammen mit den Cinque Terre zum UNESCO-Welterbe, hat aber deutlich weniger Betrieb, weil kein Zug hält. Boote fahren im Sommer zu den fünf Dörfern. Unterschätzt, weil die Nachbarn berühmter sind. Mehr bei Portovenere.

12 Treviso

Kanäle, Wassermühlen, Arkaden und ein Fischmarkt auf einer kleinen Insel im Fluss: Treviso hat viel von dem, wofür Venedig berühmt ist, und normale Preise dazu. Die Stadt beansprucht die Erfindung des Tiramisu, im Winter kommt der rote Radicchio auf den Tisch, nördlich beginnen die Prosecco-Hügel. Unterschätzt, weil die meisten hier nur landen und sofort in den Bus nach Venedig steigen. Mehr zu Treviso.

So kombinierst du die Orte zu einer Reise

Im Nordwesten passen Turin, Orta San Giulio und Genua mit einem Abstecher nach Portovenere zu einer Woche zusammen, alles mit dem Zug machbar. Im Nordosten verbindest du Trient, Treviso und Udine, gut zu ergänzen um Triest und die Region Friaul.

Für Mittelitalien nimmst du Ferrara als Start, dann Urbino und Spoleto, mit Umbrien als Fortsetzung. Im Süden ergeben Ostuni in Apulien und Trapani auf Sizilien jeweils eigene Reisen, kombinierbar mit unserer Sizilien-Rundreise.

Tipp: Bleib mindestens zwei Nächte. Diese Städte funktionieren nicht als Fotostopp, sondern über den Abend: wenn die Reisebusse abgefahren sind, die Einheimischen zum Aperitivo rausgehen und die Plätze wieder dem Ort gehören. Genau das bekommst du in den großen Namen kaum noch.

Achtung: Auch kleine Städte haben eine ZTL, die kameraüberwachte Fahrverbotszone in der Altstadt. Gerade in Urbino, Spoleto und Ostuni endet die befahrbare Straße früher, als das Navi denkt. Parke auf einem der ausgeschilderten Parkplätze am Hang und geh zu Fuß oder mit dem Aufzug hoch.

Wer lieber bei den Klassikern bleibt, findet sie gebündelt bei den Italien-Highlights. Und wenn dir kleine Orte grundsätzlich liegen, schau dir die schönsten Dörfer Italiens an.

Häufige Fragen

Welche Stadt in Italien ist der beste Geheimtipp?

Wenn wir uns auf eine festlegen müssen: Genua. Die größte Altstadt Europas, UNESCO-Paläste an der Via Garibaldi, echtes Hafenleben und Preise, die weit unter Florenz oder Venedig liegen. Direkt danach kommt Turin mit seinen Arkaden, Museen und Cafés. Beide sind mit dem Zug bequem erreichbar und funktionieren auch bei schlechtem Wetter.

Wann sollte man diese weniger bekannten Städte besuchen?

April bis Juni und September bis Oktober sind ideal. Dann ist es warm genug für den Abend draußen und die Museen sind leer. Der Vorteil kleinerer Städte: Sie funktionieren auch im Winter, weil das Leben in Arkaden, Cafés und Osterien stattfindet. Nur im August solltest du damit rechnen, dass einzelne familiengeführte Lokale zwei Wochen geschlossen haben.

Sind diese Orte auch ohne Auto erreichbar?

Die meisten ja. Turin, Genua, Ferrara, Trient, Udine, Treviso, Spoleto und Trapani haben Bahnhöfe, teils an Hauptstrecken. Ostuni hat einen Bahnhof außerhalb mit Shuttlebus. Urbino, Orta San Giulio und Portovenere erreichst du nur per Bus, Boot oder Auto, dafür sind sie am ruhigsten. Plane für diese drei etwas mehr Zeit ein.

Wie viele Tage braucht man pro Stadt?

Zwei Nächte sind das sinnvolle Minimum, drei sind besser, wenn du auch das Umland sehen willst. Turin und Genua tragen problemlos drei bis vier Tage, weil sie große Museen und mehrere Viertel haben. Für Orta San Giulio, Portovenere und Ostuni reichen zwei Nächte, dort geht es eher um Ausflüge in die Umgebung als um Sehenswürdigkeiten in der Stadt selbst.

Lohnen sich Geheimtipps überhaupt, wenn man zum ersten Mal in Italien ist?

Als Ergänzung ja, als kompletter Ersatz eher nicht. Beim ersten Besuch willst du wahrscheinlich Rom oder Florenz sehen, und das ist richtig so. Der beste Zuschnitt ist eine Mischung: zwei bis drei Tage in einer großen Stadt, danach eine kleinere als Kontrast. Nach dem Gedränge am Trevi-Brunnen fühlt sich ein Abend in Ferrara oder Treviso wie eine andere Reise an.