Auf einen Blick
- HauptstadtPalermo
- GrößeGrößte Insel des Mittelmeers
- ÄtnaAktivster Vulkan Europas, gut 3.300 Meter hoch
- UNESCO-WelterbeTal der Tempel, Val di Noto, Ätna, Villa Romana del Casale
- Empfohlene Dauer10 bis 14 Tage für eine Rundreise
- Beste ReisezeitApril bis Juni, September und Oktober
Was Sizilien ausmacht
Fast jede Macht des Mittelmeers hat hier regiert: Griechen, Karthager, Römer, Araber, Normannen, Staufer, Spanier. Anders als anderswo wurde dabei selten abgerissen, sondern weitergebaut. Deshalb steht in Syrakus ein griechischer Tempel als Kathedrale, deshalb sieht die Kirche San Cataldo in Palermo mit ihren roten Kuppeln aus wie eine Moschee, und deshalb schmeckt das Essen anders als im Rest des Landes: Rosinen und Pinienkerne in herzhaften Gerichten, Safran, Zitrusfrüchte, Mandeln, Fisch statt Butter.
Das zweite Thema ist die Größe. Sizilien ist deutlich weiter, als die Karte vermuten lässt: Von Palermo nach Syrakus fährst du gut drei Stunden, an die Südküste ähnlich lang. Autobahnen gibt es entlang der Nordküste und im Osten, im Landesinneren wird es kurvig und langsam. Wer in einer Woche die ganze Insel abhaken will, verbringt den Urlaub im Auto. Plane lieber weniger und bleib länger.
Die schönsten Städte
1 Palermo
Palermo ist die Hauptstadt und der intensivste Ort der Insel: die Märkte Ballarò und Vucciria, die Cappella Palatina mit ihren Goldmosaiken, der Dom im arabisch-normannischen Mischstil und Straßenküchen, in denen Panelle und Arancine über die Theke gehen.
Die Stadt ist stellenweise heruntergekommen und genau deshalb so lebendig. Plan mindestens zwei volle Tage ein, dazu einen Halbtag für den Dom von Monreale über der Stadt, dessen Mosaiken zu den besten Europas zählen.
2 Catania
Catania liegt direkt am Fuß des Ätna und ist ganz aus schwarzer Lava und hellem Kalkstein gebaut, was der barocken Altstadt ein Streifenmuster gibt. Das Herz ist der Fischmarkt La Pescheria am Morgen, laut, nass und großartig.
Catania hat den wichtigsten Flughafen der Insel und ist der logische Startpunkt für den Osten. Von hier fährst du in einer Stunde zum Vulkan und in gut einer Stunde nach Syrakus oder Taormina.
3 Taormina
Taormina klebt an einem Hang über dem Meer, und das griechische Theater mit dem Ätna im Hintergrund ist eines der berühmtesten Bilder Italiens. Der Ort ist elegant, teuer und im Sommer sehr voll.
Komm früh oder bleib über Nacht, dann gehört dir die Terrasse über der Bucht. Unten am Wasser liegt die Isola Bella, eine kleine Insel, die bei Ebbe fast zu Fuß erreichbar ist.
4 Syrakus
Syrakus war einst die mächtigste griechische Stadt des Mittelmeers. Auf der Insel Ortigia stehen heute Barockpaläste über antiken Fundamenten, die Kathedrale ist ein umgebauter Athenatempel, dessen Säulen aus den Wänden ragen.
Dazu kommt der Archäologiepark Neapolis mit griechischem Theater und dem Ohr des Dionysius. Ortigia ist der schönste Ort der Insel zum Übernachten: kompakt, autofrei genug, abends voller Leben.
5 Agrigent
Agrigent hat mit dem Tal der Tempel die bedeutendste griechische Tempelanlage außerhalb Griechenlands. Der Concordia-Tempel steht fast vollständig, und die Anlage zieht sich über einen langen Höhenrücken mit Blick aufs Meer.
Geh früh morgens oder in den letzten Stunden vor Sonnenuntergang, dazwischen ist es schattenlos und heiß. Für den Weg zwischen den beiden Eingängen gibt es einen Shuttle, das spart einen langen Rückweg bergauf.
6 Noto
Noto wurde nach dem großen Erdbeben von 1693 komplett neu gebaut und ist die reinste Barockstadt Italiens. Der honigfarbene Kalkstein glüht am Abend regelrecht, die Corso Vittorio Emanuele reiht Kirche an Palast.
Zusammen mit Modica, Ragusa Ibla und Scicli bildet Noto das Val di Noto, das als UNESCO-Welterbe geführt wird. Für die Runde durch diese Städte brauchst du zwei Tage und ein Auto.
7 Cefalù
Cefalù ist der Badeort mit Substanz: Sandstrand direkt vor der Altstadt, ein normannischer Dom mit gewaltigem Christusmosaik und darüber der Felsen La Rocca, auf den ein steiler Weg hinaufführt.
Von Palermo aus fährt dich der Regionalzug in etwa einer Stunde hierher, was Cefalù zum besten autofreien Tagesausflug der Nordküste macht.
8 Trapani
Trapani im Westen ist die am wenigsten besuchte der großen Städte und Ausgangspunkt für die schönsten Ecken der Insel: die Salinen mit ihren Windmühlen, der Bergort Erice über der Stadt, der Tempel von Segesta und die Ägadischen Inseln.
Die Altstadt zwischen zwei Meeren ist kompakt und deutlich entspannter als Palermo. Der Couscous mit Fisch verrät, wie nah Nordafrika hier liegt.
Der Ätna
Der Vulkan ist mit gut 3.300 Metern der höchste aktive Europas und ständig in Bewegung. Bis auf rund 1.900 Meter fährst du von Süden zum Rifugio Sapienza oder von Norden nach Piano Provenzana, weiter geht es mit Seilbahn und Geländewagen. Die Gipfelkrater darfst du nur mit autorisierten Bergführern besuchen, und bei erhöhter Aktivität wird die Zone kurzfristig gesperrt. Nimm feste Schuhe und Windjacke mit, oben ist es auch im August kühl. Wer nicht hinauf will, umrundet den Berg mit der schmalspurigen Circumetnea oder besucht ein Weingut an den Lavahängen.
Gut zu wissen: Ost und West streiten sich um alles, auch ums Essen. In Catania heißen die frittierten Reisbällchen Arancini und sind spitz, in Palermo heißen sie Arancine und sind rund. Probier beides, dazu Granita mit Brioche zum Frühstück und Cannoli, die erst beim Bestellen gefüllt werden. Alles andere ist Vorratsware.
Ost oder West: die Routenfrage
Für eine Woche entscheidest du dich für eine Hälfte. Der Osten ist die klassische Wahl für den ersten Besuch: Catania, Taormina, Ätna, Syrakus und das Val di Noto liegen dicht beieinander, die Straßen sind gut, und der Flughafen Catania liegt mittendrin. Rechne mit maximal einer bis anderthalb Stunden zwischen den Stationen.
Der Westen ist rauer und weniger besucht: Palermo, Monreale, Cefalù, Segesta, Erice, die Salinen bei Trapani, dazu Selinunt und die Treppe von Scala dei Turchi an der Südküste. Wer zwei Wochen hat, kombiniert beides zur klassischen Inselrunde, am besten mit Flug nach Catania und Rückflug ab Palermo, damit du nicht dieselbe Strecke zweimal fährst. Eine ausgearbeitete Etappenplanung findest du in der Sizilien-Rundreise.
Mietwagen: die Realität
Ohne Auto siehst du die halbe Insel nicht, Busse verbinden die Städte nur langsam, Züge fahren an der Küste und selten ins Landesinnere. Gleichzeitig ist Autofahren hier anstrengender als in Norditalien: Der Fahrstil ist offensiv, Vorfahrt wird ausgehandelt, viele Landstraßen sind schlecht ausgebessert, und in den Altstädten von Palermo, Catania, Syrakus und Taormina gelten kameraüberwachte ZTL-Zonen. Nimm einen kleinen Wagen, buche Vollkasko ohne Selbstbeteiligung, fotografiere den Wagen bei Übernahme von allen Seiten und wähle Unterkünfte mit Parkplatz oder Garage. Details stehen unter Italien mit dem Mietwagen und im Guide zu den ZTL-Zonen in Italien.
Achtung: Fahr nicht in die Altstadt, um dein Hotel zu suchen. Die ZTL-Kameras erfassen jede Einfahrt, und die Strafe kommt Monate später über die Mietwagenfirma mit Bearbeitungsgebühr. Ruf lieber vorher an, lass dir eine Parkgarage nennen und schleppe die Koffer die letzten Meter selbst.
Beste Reisezeit
April bis Juni sowie September und Oktober sind die klare Empfehlung. Im Frühjahr blüht die Insel, die Tempel liegen im Grünen, und es lässt sich problemlos wandern. Im Frühherbst ist das Meer am wärmsten, die Weinlese läuft, und die Städte sind wieder ruhiger. Juli und August bringen regelmäßig über 35 Grad, im Landesinneren auch mehr, dazu volle Strände und Höchstpreise, weil dann auch die Italiener Urlaub machen. Der Winter ist mild und für Städte und Kultur durchaus geeignet, an der Küste schließen aber viele Betriebe, und auf dem Ätna liegt Schnee.
Anreise: Fähre oder Flug
Der Flug ist für die meisten die richtige Wahl: Catania und Palermo werden aus Deutschland direkt angeflogen, dazu kommen Trapani und Comiso. Vor Ort mietest du am Flughafen ein Auto, das ist günstiger als in der Stadt. Die Fähre lohnt sich, wenn du mit dem eigenen Fahrzeug oder Wohnmobil kommst: Es gibt Nachtverbindungen vom italienischen Festland, etwa ab Neapel, Salerno, Civitavecchia oder Genua, mit Kabinen an Bord. Wer über Kalabrien fährt, setzt in Villa San Giovanni in rund zwanzig Minuten nach Messina über. Die Autofahrt aus Deutschland dauert allerdings zwei Tage, rechne das ehrlich gegen den Preis eines Mietwagens.
Tipp: Buche in der Hauptsaison den Mietwagen früh, nicht die Unterkunft. Autos sind auf Sizilien im Sommer regelmäßig ausverkauft, und die Preise vervielfachen sich kurzfristig. Zimmer findest du fast immer noch, ein Wagen zum vernünftigen Kurs dagegen nicht.
Ehrliche Einordnung
Sizilien ist anstrengender als die Toskana und lohnender als fast alles andere in Italien. Züge sind langsam, Öffnungszeiten wechseln, Straßen sind mal exzellent und mal Schotter, und in Palermo und Catania sieht man Verfall neben Weltkunst. Dafür bekommst du antike Stätten ohne Warteschlangen, eine Küche, die für sich allein die Reise wert ist, Strände von Cefalù bis San Vito lo Capo und Preise, die deutlich unter denen des Nordens liegen. Weitere Küstenziele findest du unter schönste Strände Italiens. Komm im Mai oder im Oktober, nimm dir zehn Tage und lass die halbe Wunschliste zu Hause.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für Sizilien?
Für eine Inselhälfte reichen sieben Tage, für die klassische Runde solltest du zehn bis vierzehn einplanen. Die Entfernungen sind größer, als sie aussehen: Palermo nach Syrakus dauert gut drei Stunden. Wer nur eine Woche hat, nimmt den Osten mit Catania, Ätna, Taormina, Syrakus und dem Val di Noto.
Braucht man auf Sizilien einen Mietwagen?
Für eine Rundreise ja. Busse und Züge verbinden die großen Städte, aber Tempel, Bergdörfer und Strände erreichst du praktisch nur mit dem Auto. Wer nur Palermo oder Catania mit Tagesausflügen besuchen will, kommt ohne aus. Beachte die ZTL-Zonen in allen Altstädten und buche eine Unterkunft mit Parkplatz.
Wann ist die beste Reisezeit für Sizilien?
April bis Juni und September bis Oktober. Im Frühjahr ist die Insel grün und angenehm warm, im Frühherbst ist das Meer am wärmsten. Juli und August bringen über 35 Grad, volle Strände und Höchstpreise. Der Winter ist mild und gut für Städte, an der Küste hat dann aber vieles geschlossen.
Fähre oder Flug nach Sizilien?
Flieg, wenn du ohne eigenes Auto reist: Catania und Palermo haben Direktverbindungen aus Deutschland, den Mietwagen nimmst du am Flughafen. Die Fähre lohnt sich mit eigenem Fahrzeug oder Wohnmobil, es gibt Nachtverbindungen vom Festland mit Kabine. Über Kalabrien setzt du bei Villa San Giovanni in rund zwanzig Minuten über.
Kann man den Ätna besteigen?
Bis rund 1.900 Meter kommst du mit dem Auto, weiter geht es per Seilbahn und Geländewagen. Die Gipfelkrater sind nur mit autorisierten Bergführern zugänglich, und bei erhöhter Aktivität wird der obere Bereich gesperrt. Nimm warme Kleidung und feste Schuhe mit, oben ist es auch im Hochsommer kühl und windig.
Ist Sizilien sicher für Touristen?
Ja. Gewaltkriminalität gegen Reisende ist selten, das reale Risiko sind Taschendiebstähle auf Märkten und in vollen Bussen in Palermo und Catania. Lass nichts sichtbar im Auto liegen, auch keine Taschen im Kofferraum, und parke nachts in Garagen. Ansonsten gelten dieselben Regeln wie in jeder größeren Stadt.






