Auf einen Blick
- Anbauin allen 20 Regionen Italiens
- HerkunftDOCG, DOC und IGT
- LeitsortenSangiovese, Nebbiolo, Glera, Nerello Mascalese
- Beste ReisezeitSeptember und Oktober zur Weinlese
- Verkostungdegustazione, meist mit Anmeldung
- Am Steuer0,5 Promille, 0,0 für Fahranfänger
Toskana: Chianti, Montepulciano und Montalcino
Das klassische Einstiegsgebiet. Zwischen Florenz und Siena liegt das Chianti Classico, erkennbar am schwarzen Hahn (Gallo Nero) auf der Flasche, aus der Sangiovese-Traube. Weiter südlich im Val d’Orcia folgen zwei Schwergewichte: der Vino Nobile aus Montepulciano und der Brunello aus Montalcino, beide ebenfalls aus Sangiovese, beide mit langer Fasslagerung und deutlich mehr Struktur.
Die schönste Basis ist Siena, von dort erreichst du beide Gebiete in unter einer Stunde. Wer lieber in der Stadt wohnt, nimmt Florenz und fährt über die Chiantigiana nach Süden. Für einen ruhigen Standort mitten in den Reben sind Montepulciano und Pienza ideal, in Montepulciano liegen die historischen Keller direkt unter den Palazzi am Hauptplatz.
Auch San Gimignano gehört dazu, allerdings mit einem Weißwein: Vernaccia di San Gimignano war der erste italienische Wein mit DOC-Status. Mehr Routenideen findest du in unserer Toskana-Rundreise und auf der Regionsseite zur Toskana.
Piemont: Barolo, Barbaresco und die Langhe
Für viele ist das Piemont die ernsthafteste Weinregion des Landes. In den Langhe-Hügeln um Alba wächst Nebbiolo, aus dem Barolo und Barbaresco entstehen, dazu Barbera und Dolcetto für den Alltag. Die Hügellandschaft mit ihren Weinbergen und Burgen gehört zum UNESCO-Welterbe. Im Herbst kommt der weiße Trüffel dazu, dann ist die Region komplett ausgebucht.
Basis ist Turin, von dort fährst du in gut anderthalb Stunden nach Alba, das auch per Bahn erreichbar ist. Bleibst du mehrere Tage, wohnst du in einem der Dörfer wie Barolo, La Morra oder Neive. Die Weingüter sind hier oft klein und familiengeführt, ein Besuch ohne Termin führt meistens vor eine verschlossene Tür. Alles zur Region steht auf der Seite zum Piemont.
Gut zu wissen: DOC und DOCG sind geschützte Herkunftsbezeichnungen, DOCG ist die strengere Stufe mit mehr Vorgaben. IGT steht für eine weiter gefasste Herkunft und ist keineswegs schlechter: Einige der teuersten Weine der Toskana laufen bewusst als IGT, weil die Winzer sich nicht an die klassischen Rebsortenregeln halten wollten.
Valpolicella: Amarone und die getrockneten Trauben
Nördlich von Verona liegt die Valpolicella, und dort passiert etwas Besonderes. Für den Amarone werden die Trauben nach der Lese monatelang auf Gestellen getrocknet, bevor sie gepresst werden. Das Verfahren heißt appassimento und ergibt einen dichten, hochprozentigen Rotwein. Daneben gibt es den leichten Valpolicella Classico und den Ripasso, der auf den Trestern des Amarone nachgärt.
Basis ist Verona, die Weingüter liegen 20 bis 40 Minuten nördlich in den Tälern rund um San Pietro in Cariano und Fumane. Gut zu kombinieren mit einem Abend in der Arena und einem Tag am Gardasee, wo mit dem Bardolino und dem Lugana zwei weitere Weine der Gegend wachsen.
Prosecco: die Hügel von Conegliano und Valdobbiadene
Zwischen Conegliano und Valdobbiadene stehen die steilsten Prosecco-Hänge, aus der Glera-Traube und mit UNESCO-Status für die Kulturlandschaft. Der Unterschied zum Supermarktprosecco ist erheblich: Hier bekommst du Weine mit Herkunftsangabe, dazu die Spitzenlage Cartizze. Die Straße durch die Hügel ist eine der schönsten Kurzstrecken Norditaliens.
Beste Basis ist Treviso, eine unterschätzte Stadt mit Kanälen und guten Osterien, von dort sind es rund 40 Minuten. Auch von Venedig aus ist die Gegend als Tagesausflug machbar. Mehr über die Region steht unter Venetien.
Ätna: Weinberge auf Lava
Die spannendste Entwicklung der letzten Jahre. An den Hängen des Ätna wachsen Reben auf schwarzem Vulkangestein, teils in Höhen über 900 Metern, teils als alte wurzelechte Stöcke. Die Hauptsorten sind Nerello Mascalese für Rot und Carricante für Weiß, die Lagen werden nach contrade unterschieden, ähnlich wie Einzellagen in Burgund. Die Weine sind hell, kühl und mineralisch, nicht das, was viele von Sizilien erwarten.
Die meisten Güter liegen an der Nordflanke rund um Randazzo und Linguaglossa. Als Basis eignen sich Catania und Taormina, von beiden Städten aus gibt es geführte Touren mit Fahrer. Gut zu verbinden mit einer Wanderung am Vulkan, siehe unsere Seite zum Wandern in Italien und zur Sizilien-Rundreise.
Südtirol: Vernatsch, Lagrein und Gewürztraminer
Kleine Menge, hohe Qualität. Rund um Bozen wachsen der leichte Vernatsch und der kräftige Lagrein, an den Hängen weiter südlich der aromatische Gewürztraminer, benannt nach dem Dorf Tramin. Die Südtiroler Weinstraße verbindet die Weindörfer zwischen Nals, Kaltern und Salurn, und ein großer Teil der Betriebe sind Genossenschaftskellereien mit modernen Verkostungsräumen.
Basis ist Bozen mit seinen Lauben und dem Obstmarkt, alternativ Meran für die Etschtaler Seite. Vieles ist mit Bus und Bahn erreichbar, was bei einer Weinreise ein echtes Argument ist. Mehr dazu unter Südtirol.
Fünf Gebiete für den zweiten Besuch
Wenn die großen Namen abgehakt sind, wird es interessant. Im Friaul stehen die besten Weißweine des Landes, dazu die sogenannten Orange Wines mit langer Maischestandzeit, Basis ist Triest oder Udine. In Umbrien kommt der Weiße aus Orvieto und der kräftige Sagrantino aus Montefalco, gut mit Perugia als Standort.
Kampanien hat mit Fiano, Greco di Tufo und Taurasi drei Klassiker aus dem Hinterland von Neapel, dazu Reben an den Hängen des Vesuv. In der Emilia-Romagna gehört der trockene Lambrusco zur Küche von Modena und Parma, ein sprudelnder Rotwein, der sich gegen fetten Schinken und Parmesan behauptet. Und Apulien liefert mit Primitivo und Negroamaro die wärmsten Rotweine des Landes, Basis ist Lecce oder Bari.
So läuft ein Besuch im Weingut ab
Eine Verkostung heißt degustazione und ist in Italien fast immer kostenpflichtig, oft mit kleinen Speisen. Melde dich vorher an, gerade bei kleinen Gütern, meist per Mail oder Telefon. Üblich sind drei bis fünf Weine mit Führung durch den Keller, Dauer rund eineinhalb Stunden. Willst du mehrere Betriebe an einem Tag sehen, plane maximal zwei ein, sonst wird es hektisch und geschmacklich sinnlos.
| Region | Wichtigste Weine | Basis |
|---|---|---|
| Toskana | Chianti Classico, Vino Nobile, Brunello | Siena, Montepulciano |
| Piemont | Barolo, Barbaresco, Barbera | Turin, Alba |
| Valpolicella | Amarone, Ripasso, Valpolicella | Verona |
| Conegliano-Valdobbiadene | Prosecco Superiore, Cartizze | Treviso |
| Ätna | Etna Rosso, Etna Bianco | Catania, Taormina |
| Südtirol | Lagrein, Vernatsch, Gewürztraminer | Bozen, Meran |
Achtung: In Italien liegt die Promillegrenze bei 0,5, für Fahranfänger mit weniger als drei Jahren Führerscheinbesitz und für alle unter 21 Jahren gilt 0,0. Die Strafen reichen bis zu Führerscheinentzug und Beschlagnahme des Fahrzeugs. Plane deshalb einen Fahrer ein, der nicht trinkt, buche eine Tour mit Transfer oder nimm ein Taxi. Beim Verkosten zu spucken ist völlig normal, dafür steht auf jedem Tresen ein Behälter.
Tipp: Reise im September oder Oktober, wenn die vendemmia läuft, die Weinlese. Dann sind die Höfe in Bewegung, es gibt Feste in den Dörfern und die Landschaft ist am schönsten. Wer nur einen Nachmittag hat, geht in eine Enoteca im Ort: Dort bekommst du glasweise einen Querschnitt der Region, ganz ohne Auto.
Häufige Fragen
Welche Weinregion in Italien lohnt sich für einen ersten Besuch?
Die Toskana. Die Wege zwischen Chianti, Montepulciano und Montalcino sind kurz, viele Güter sind auf Besucher eingestellt und du kombinierst die Verkostung mit Städten wie Siena und Florenz. Wer es ernsthafter und ruhiger mag, fährt ins Piemont zu Barolo und Barbaresco, muss dort aber Termine vereinbaren, weil die Betriebe deutlich kleiner sind.
Muss man eine Weinprobe in Italien vorher buchen?
In den meisten Fällen ja. Kleine Familienbetriebe im Piemont, in der Valpolicella und am Ätna öffnen nur nach Vereinbarung, oft per Mail oder Telefon. Größere Güter in der Toskana und Genossenschaftskellereien in Südtirol haben feste Öffnungszeiten und Verkostungsräume, dort kannst du auch spontan vorbeikommen. Eine Verkostung ist fast immer kostenpflichtig.
Darf man nach einer Weinprobe in Italien Auto fahren?
Besser nicht. Die Grenze liegt bei 0,5 Promille, für Fahranfänger mit weniger als drei Jahren Führerschein und alle unter 21 Jahren gilt 0,0. Die Strafen sind hoch und reichen bis zum Entzug des Führerscheins. Plane einen Fahrer ein, der nichts trinkt, buche eine Tour mit Transfer oder wähle eine Region mit Bahnanschluss. Spucken beim Verkosten ist üblich und wird niemandem übel genommen.
Was bedeutet DOCG auf einer italienischen Weinflasche?
DOCG ist die strengste geschützte Herkunftsbezeichnung Italiens, mit Vorgaben zu Anbaugebiet, Rebsorten, Ertrag und Mindestreifezeit. DOC ist die Stufe darunter, IGT bezeichnet eine weiter gefasste Herkunft mit freieren Regeln. IGT heißt nicht schlechter: Manche der teuersten toskanischen Weine tragen bewusst diese Kategorie, weil ihre Winzer eigene Rebsortenmischungen wollten.
Wann ist die Weinlese in Italien?
Die vendemmia läuft je nach Region und Sorte von Ende August bis Ende Oktober. Am Ätna und in Südtirol zieht sie sich wegen der Höhenlagen am längsten hin. September und Oktober sind deshalb die schönsten Reisemonate für ein Weingebiet: Die Betriebe arbeiten, in den Dörfern gibt es Feste, und die Hügel färben sich. Buche Unterkünfte in dieser Zeit früh.





